17.08.2020 - 09:19 Uhr
NabburgOberpfalz

Soziale Komponente der Coronahilfen vermisst

MdB Ekin Deligöz (Bündnis 90/Die Grünen) kommt zu einem Biergartengespräch nach Nabburg. Sie ist in Sorge um die zukünftige Rolle der Frauen in der Gesellschaft

Die Grünen-Politikerinnen Tina Winklmann, Ekin Deligöz und Ulrike Pelikan-Roßmann (von links) befürchteten beim "Biergartengespräch" im Nabburger Sterngarten einen Rückfall der Frau in das alte Rollenverständnis.
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

"Wie geht es den Leuten in Zeiten der Pandemie?" will Ekin Deligöz wissen. Deshalb reist die Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen derzeit durch die Lande und spricht mit Pflegekräften, Alleinerziehenden und Selbständigen. Dabei traf sie sich auch mit Parteifreunden zu einem Erfahrungsaustausch im Sterngarten.

Die 49-jährige diplomierte Verwaltungswissenschaftlerin aus Neu-Ulm spürt Existenzängste bei den Menschen, vor allem bei den Frauen. "Sie befürchten, wieder in alte Schubladen geschoben zu werden", erfährt die Grünen-Politikerin. Auch die Angst, vom Partner wirtschaftlich abhängig zu werden, wachse. Ekin Deligöz erklärt, warum: "Frauen arbeiten mehr in Teilzeit, verdienen weniger, bleiben eher zu Hause bei der Familie und werden von den Sozialsystemen benachteiligt". Es mache sich eine "gefühlte Ungerechtigkeit" breit, so das Mitglied des Haushaltsausschusses.

Die Bundestagsabgeordnete bekräftigte die Zustimmung ihrer Partei zum Lockdown im März. Jetzt, in der zweiten Phase des Infektionsschutzes, hält sie nichts davon, die Gelder "nach dem Gießkannenprinzip" zu verteilen. Ekin Deligöz vermisst "die soziale Komponente". Die Überbrückungshilfe sollten Unternehmer auch zur Bestreitung des Lebensunterhalts verwenden können, sagte die Grünen-Politikerin.

Ekin Deligöz erwartet ein "nachhaltiges Umdenken, wenn wir aus der Corona-Spirale herausgekommen sind". Mehr Regionalität bei den Lebensmitteln und ein Umdenken bei der Mobilität sowie im Klima- und Umweltschutz. "Corona zeigt uns auf, was in dieser Gesellschaft schief läuft", behauptet Bezirksvorsitzende Tina Winklmann. Sie prangert die "moderne Sklaverei auf dem Arbeitsmarkt" an und fordert die Politik auf, den Lobbyisten der Fleischindustrie Einhalt zu gebieten.

Kreisrätin Ulrike Pelikan-Roßmann aus Wackersdorf beklagt: "Politik wird immer noch zu sehr von Männern gemacht". Der Mann gehe weiterhin von einem überkommenen Rollenverständnis aus, "dass die Frau zu Hause bleibt und er das Geld verdient". Die Vorsitzende des Wackersdorfer Ortsverbandes befürchtet, genauso wie Ekin Deligöz, dieses Rollenverständnis werde sich in der Krise sogar noch weiter verfestigen.

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