05.02.2019 - 20:20 Uhr
NabburgOberpfalz

Spiegel der eigenen Vergangenheit

Die Spitalkirche St. Marien ist die perfekte Kulturbühne: Das Landestheater Oberpfalz hat mit zwei Inszenierungen des Schauspiels "Für mich soll´s rote Rosen regnen" geglänzt.

Die Spitalkirche als Schauspielort: In perfekter Harmonie verkörpern Claudia Lohmann (links) „die Knef“ und Doris Hofmann (rechts) „die junge Hilde“. Regie führte Till Rickelt.
von Redaktion ONETZProfil

Ein wahres "Heimspiel" hatten die beiden Nabburger Schauspielerinnen Doris Hofmann (die junge Hilde) und Claudia Lohmann (die Knef). Über zwei Stunden hinweg boten sie an zwei Abenden ihr großartiges Können in Gesang und Schauspiel. Ihnen gelang eine beeindruckende Hommage an Hildegard Knef. Die Inszenierung beleuchtet in Szenenabfolge und mit dazu passenden Liedern wie "Ich möchte am Montag mal Sonntag haben" oder "Ich zieh mal wieder um" den Lebensinhalt und -ablauf des deutschen Weltstars

1975 ist Hildegard Knef auf dem Höhepunkt ihrer beruflichen Karriere, nur privat ist dem nicht so. Der 50-jährige Star entronn dem Krebs nur knapp. Die Künstlerin wurde von ihrem Mann verlassen. So sitzt sie tagelang vor der Schreibmaschine und blickt in den Spiegel der eigenen Vergangenheit. Da trifft "die Knef" (Claudia Lohmann) die junge "Hilde" (Doris Hofmann).

Zwei Frauen, eine Person

Zwei Frauen mimen eine Person. Eine gemeinsame Erinnerungsreise durch die zurückliegenden 50 Jahre startet. Die beiden Schauspielerinnen stellen in Perfektion das Leben der Knef dar: Angefangen vom schwierigen Verhältnis zur Mutter und zum Stiefvater, der Aufnahme in die Filmakademie Potsdam-Babelsberg während der Nazizeit, dem traumatischen Erlebnissen zum Ende des Zweiten Weltkrieges in Berlin über die Heirat mit dem US-Offizier Kurt Hirsch bis hin zur Geburt ihrer Tochter Christina und dem Versuch, als Schauspielerin in Hollywood Fuß zu fassen. Dann die Rückkehr nach Europa, der Skandal um den Film "Die Sünderin", die erneute Flucht in die Vereinigten Staaten und der Durchbruch als Sängerin am Broadway bis zur zweiten Karriere als Chansonsängerin und Autorin in Deutschland.

Suche nach dem Glück

In der Auseinandersetzung der Knef mit ihrem jüngeren Ich spiegelt sich auch ihre innere Zerrissenheit, ihre rast- und ruhelose Suche nach Harmonie und dem Glück des verlorenen Paradieses der früheren Kindheit, von dem sie selbst nur zu gut wusste, dass es lebenslang unerreichbar bleiben würde.

Das Schauspiel in der hochkarätigen Besetzung mit Doris Hofmann und Claudia Lohmann brachte in unterschiedlicher Form, durch ausdrucksstarken Gesang und perfekte Mimik hervor, in welch verzweifeltem und ausweglosem Lebenskreislauf sich Hildegard Knef seinerzeit befand. Sie wollte Erfolg und Unbeschwertheit, das hatte aber gravierende Nachteile auf ihr Privatleben und brachte enorme Zweifel an ihrem Schaffen in ihr hervor. Die Knef beschrieb es so: "Ich habe ein einfaches Rezept, um fit zu bleiben - ich laufe jeden Tag Amok. Wer sich mit der Kunst verheiratet, bekommt die Kritik zur Schwiegermutter". Doris Hofmann und Claudia Lohmann teilten den großen Applaus mit Thomas Basy, der sie einfühlsam am Klavier begleitete.

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