25.11.2021 - 16:09 Uhr
NabburgOberpfalz

Suche nach Investor für Campingplatz Perschen

Der Campingplatz in Perschen steht am Übergang in ein neues Zeitalter. Der Eigentümer denkt über eine langfristige Vermietung des Geländes nach – und sucht gleichzeitig einen Investor.

Abgeräumt: Bis auf vier Stellflächen ist der Campingplatz in Perschen jetzt leer. Unterdessen macht sich der Zweckverband als Eigentümer erste Gedanken, wie es auf dem Gelände im Freizeit- und Erholungszentrum weitergehen soll.
von Wilhelm Amann Kontakt Profil

Die Schließung des Campingplatzes in Perschen sorgte im November 2020 für einen Paukenschlag. Genau ein Jahr später machte sich der Zweckverband für das Freizeit- und Erholungszentrum, dem das Gelände gehört, erste konkrete Gedanken über eine zukünftige Nutzung. Das Thema stand in dieser Woche auf der nichtöffentlichen Tagesordnung einer Verbandsversammlung.

Der Vorsitzende und Nabburger Bürgermeister Frank Zeitler gab hinterher auf Anfrage der Oberpfalz-Medien-Redaktion den aktuellen Sachstand der Willensbildung bekannt. Konsens sei es in der Sitzung gewesen, dass das Areal in der Umgebung des Perschener Freibads nicht verkauft wird. Stattdessen soll es langfristig (30 Jahre aufwärts) verpachtet oder auf Erbpacht-Basis vergeben werden.

Ebenso weitgehend unstrittig sei es, dass der Verband keine Betriebsführung mehr übernimmt, sondern eine anderweitige Bewirtschaftung anstrebt. Um dieses Ziel zu erreichen, begibt man sich jetzt auf die Suche nach einem interessierten Investor, der den neuen Platz selber nach seinen Vorstellungen baut. Der Zweckverband selber möchte die Ansiedlung zwar unterstützen, sich aber nicht finanziell daran beteiligen.

Ausschreibung bis März

Zu diesem Zweck erfolgt nun eine Ausschreibung, die bis zum 15. März nächsten Jahres läuft. Die Bewerber, die sich bis dahin melden, sollen dann voraussichtlich zu einer Verbandssitzung im April 2022 eingeladen werden, um ihre Vorstellungen darstellen zu können. Der Kreativität sei da zunächst einmal keine Grenze gesetzt. Im Gespräch mit der Redaktion unterstrich Frank Zeitler aber, dass der Verband natürlich niemandem einen Freibrief überlassen werde. Ohne zuviel reglementieren zu wollen, so werde er doch auf alle Fälle darauf achten, dass die weitere Nutzung im Sinne einer nachhaltigen, touristischen Förderung des nördlichen Landkreises Schwandorf erfolgt. „Wir wollen Qualität und ein gutes Niveau“, sagte Zeitler.

Bis dahin bleiben jetzt erst einmal die Bewerbungen abzuwarten. Nach Auskunft des Bundesverbandes der Deutschen Campingwirtschaft seien in erster Linie Plätze in einer Größenordnung von fünf oder sechs Hektar gefragt. Nabburg-Perschen liege da mit dem Gelände, das sich auf nur drei Hektar erstreckt, unter dieser Größenordnung. Aber: Das Umfeld und die hier bereits vorhandene touristische Infrastruktur könnten durchaus Pluspunkte sein und ein Interesse wecken.

Der Zweckverband arbeite darauf hin, das Freizeitzentrum mit möglichst vielen ganzjährigen Nutzungsmöglichkeiten auszustatten. Dazu zähle auch das kombinierte Frei-/Hallenbad, das sich beim Landkreis bereits in der Planung befindet und mittelfristig verwirklicht werden soll. Dadurch entstünden dann auch viele positive Effekte für den Tourismus in Kommunen der Nachbarschaft.

Keine große „Klagewelle“

Unterdessen ist der Platz in Perschen ziemlich leer geworden. Von den einst 139 Dauercampern haben nur noch ein paar die Stellflächen belegt, die sie einst angemietet hatten. Juristisch sind aber auch hierfür die Sachverhalte bereits geklärt. Die große „Klagewelle“, die zur Jahreswende 2020/21 nach Bekanntwerden der Schließungsentscheidung angekündigt worden war, ist jedenfalls ausgeblieben. Von den nur wenigen Rechtsstreiten, zu denen es letzten Endes gekommen ist, hat der Zweckverband keinen verloren. Auch darüber berichtete der Vorsitzende in der Verbandsversammlung (Hintergrund).

Mit Unterstützung durch einige wenige Stadträte aus Nabburg und Pfreimd hatten etliche Dauercamper zunächst massiv gegen die Schließung protestiert und dabei auch verbale Geschütze aufgefahren, die sich gegen den Zweckverband und in erster Linie seinen neuen Vorsitzenden Frank Zeitler richteten. Daraus resultierten schließlich Unterschriftensammlungen für ein Bürgerbegehren. Zu einem Bürgerentscheid kam es dann aber nicht. Ihn lehnten die beiden Stadträte in Nabburg und Pfreimd ab, sowohl aus formellen wie auch inhaltlichen Gründen. Seither war es in der Öffentlichkeit ruhig geworden. Der eher spärlich gewordene Protest verlagerte sich dann auf juristische Ebenen, wo inzwischen alle Entscheidungen getroffen sind.

Artikel zur Schließung des Campingplatzes in Perschen

Nabburg
Hintergrund:

Sachstand nach Campingplatz-Schließung

  • Von 139 vermieteten Stellplätzen sind 135 geräumt.
  • 23 Räumungsklagen sind zunächst vom Zweckverband gegen Mieter eingereicht worden, die nach der ausgesprochenen Kündigung nicht räumen wollten und sich von einem gemeinsamen Rechtsanwalt vertreten ließen.
  • 20 Klagen sind dann aber durch Räumungen abgewendet worden, wobei die Stadt rund 20 Prozent der Verfahrenskosten zu tragen hat.
  • 3 tatsächliche Klagen endeten mit einem Räumungsbeschluss, wobei die Kosten zu 100 Prozent von den Mietern zu tragen sind.
  • 3 Plätze sind noch nicht geräumt, den Mietern droht notfalls eine kostenpflichtige Zwangsräumung.
  • 1 Platz wird in Eigenregie vom Zweckverband geräumt, weil der Mieter seiner Verpflichtung nicht nachkommen kann.
  • Die Kosten des Zweckverbandes für die Rechtsanwältin belaufen sich auf 13 853 Euro. Davon bleiben gemäß der Kostenfestsetzungsbeschlüsse rund 2800 Euro beim Zweckverband.

 

 

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