29.10.2020 - 14:37 Uhr
NabburgOberpfalz

In Südafrika im Kampf gegen Armut und Angst

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Drei Oberpfälzer Schwestern kämpfen in Nkandla an vorderster Front gegen Hunger und Armut. Schwester Dr. Ellen Lindner aus Floss, Schwester Arnulfina Schöberl aus Pondorf (Winklarn) und Schwester Eobarda Ries aus Legendorf (Schmidgaden).

Die "Nardini Sisters" - Mallersdorfer Schwestern - kämpfen in Nkandla, Provinz Kwa Zulu, unter Leitung von Schwester Dr. Maria Ellen Lindner (Zweite von rechts) gegen Corona und Armut. Trotz des hohen Alters unentwegt an ihrrer Seite auch Schwester Arnulfina Schöberl (Zweite von links) aus Pondorf (Winklarn). Schwester Melinda Seiler (rechts), eine gebürtige Rheinländerin, verwaltet die Patenschaften und koordiniert die Versorgung der Sizanani-Klienten.
von Sepp FerstlProfil

Wer wenig hatte, hat jetzt gar nichts mehr. Die Corona-Pandemie und der damit verbundene Lockdown haben in Südafrika besonders die Armen hart getroffen. Am 5. März 2020 wurde der erste Corona-Fall in Südafrika gemeldet: Bei einem 38-jährigen Mann, der mit einer Reisegruppe aus dem Skiurlaub in Italien zurückkehrte, wurde Corona diagnostiziert. Später wurden auch seine Frau und andere Mitglieder der Gruppe positiv auf Covid-19 getestet. Bereits am 15. März rief Staatspräsident Cyril Ramaphosa den nationalen Katastrophennotstand aus, bevor es dann ab dem 26. März zu einer der härtesten Ausgangssperren der Welt kam.

Schon vor der nationalen Ausgangssperre gab es für die "Nardini Sisters" in Nkandla Grund zur Besorgnis. Vor allem für der Leiterin des 2006 gegründeten Sizanani Outreach Programms Schwester Dr. Maria Ellen Lindner - eine gebürtige Oberpfälzerin aus Floß. Es ging darum, die Rückreise von sechs deutschen Volontären zu organisieren. In Zeiten der zunehmenden Unsicherheit und Anfeindung aus der Bevölkerung war das ein sehr schwieriges Unterfangen - letztlich sind aber alle heil nach Hause zurückgekehrt.

Die „Elterngeneration“ von 18 bis 44 Jahren ist beinahe ausgestorben. Immer mehr Kinder wachsen unter anderem aufgrund von HIV und AIDS ohne ihre Eltern auf und werden von Großeltern oder minderjährigen Geschwistern erzogen. So auch die zehnjährige Abongwe und ihr kleiner Bruder. Sie haben nur noch ihre 87-jährige Oma.

Am 16. März begab sich einer der Sizanani-Mitarbeiter aus gesundheitlichen Gründen ins Krankenhaus und unterzog sich einem Corona-Test. Schon am nächsten Tag, obwohl noch kein Testergebnis vorlag, ging in der Bevölkerung das Gerücht um, er sei Corona-positiv und Sizanani würde das Coronavirus zu den Leuten bringen. Die Mitarbeiter von Sizanani berichteten bereits an diesem Tag, dass manche von ihnen bei Hausbesuchen von den Klienten angefeindet wurden. Aus diesem Grund musste der Konvent Nkandla die humanitären und sozialen Dienste in der Bevölkerung zunächst auf unbegrenzte Zeit einstellen. Der Test bei dem Mitarbeiter war negativ.

Es konnte nur die Arbeit im "Sizanani Child and Youth Care Centre", dem Kinderheim, fortgesetzt werden. In dieser Situation kam erschwerend hinzu, dass die deutschen Schwestern und Volontäre als Ausländer mit dem Virus in Verbindung gebracht wurden. Dadurch verstärkte sich in der Bevölkerung die Angst vor einer Ansteckung. Um das Stigma, das nun Sizanani anhaftete, zu beseitigen und das Vertrauen der Bevölkerung wieder zu gewinnen, bat die Leiterin Sr. Ellen Lindner den hauptverantwortlichen Häuptling um Unterstützung. Dieser beauftragte den früheren Bürgermeister von Nkandla, mit den Häuptlingen aus den verschiedenen Gebieten zu reden und damit die Vorurteile in der Bevölkerung abzubauen.

Anfeindungen wegen Gerücht

Mittlerweile meldeten sich die Klienten wieder bei den Schwestern, weil sie Hunger hatten. Durch die hohe Arbeitslosigkeit in Gebiet Nkandla/Kwa Zulu und dadurch, dass während des Lockdowns auch minimale Einkommen aus Gelegenheitsarbeiten weggefallen sind, haben die Leute nichts zu essen. Da der Schulunterricht während der Krise bisher ausgefallen ist, gibt es auch keine Schulspeisungen und damit für unzählige Kinder keine tägliche warme Mahlzeit mehr. Nachdem sich der Konvent mit den Sozialbehörden abgesprochen hatten, konnte Sizanani ab dem 21. April den Betrieb teilweise wieder aufnehmen und durfte die Klienten zumindest mit Lebensmittelpaketen versorgen.

Die Sizanani-Mitarbeiter werden dabei auch auf Menschen aufmerksam gemacht, die keine Klienten sind, aber aufgrund der Krise kein Einkommen und damit nichts mehr zum Essen haben. Auch ihnen helfen die "Nardini Sisters" mit Lebensmitteln weiter.

Warum Südafrika auf die Corona-Krise mit einer radikalen Ausgangssperre geantwortet hat, liegt daran, dass es dort über drei Millionen HIV-positive Menschen gibt, die keine Medikamente einnehmen. Deren Immunsystem ist so geschwächt, dass es fatal wäre, wenn sie dann auch noch mit Covid-19 infiziert würden. Ein anderes Problem ist das Abstandhalten, vor allem, wenn Menschen in Townships oder illegalen Ansiedlungen dicht aneinandergedrängt leben.

Während des Lockdowns konnte nur die Arbeit im "Sizanani Child and Youth Care Centre", dem Kinderheim, fortgesetzt werden. Mitarbeiterinnen des Krankenhauses haben die Kinder über Corona aufgeklärt und alle auf das Virus gescreent.

Keine warme Mahlzeit mehr

Im Kinderheim gestaltet sich das Abstandhalten schwierig. Mitarbeiterinnen des Krankenhauses haben die Kinder über Corona aufgeklärt und alle auf das Virus gescreent, aber es sind nun einmal Kinder, die miteinander spielen wollen.

In Südafrika gibt es seit 1. Juni Lockerungen, was den Lockdown betrifft, obwohl auch dort die Spitze der Krise sicher noch nicht erreicht ist. Mittlerweile sind einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die normalerweise in Haus und Gemüsegarten des Schwesternkonventes arbeiten, wieder zur Arbeit zurückgekehrt.

Zur Website des Klosters Mallersdorf

Hintergrund:

So kann man helfen

Wer helfen will kann das Sizanani-Programm über das Kloster Mallersdorf unterstützen (Liga Bank Regensburg, Kloster, Mallersdorf. IBAN: DE16 7509 0300 0001 1718 87; BIC GENODEF1M05, Verwendungszweck: Nkandla). Spendenquittungen gibt es unter der E-Mail-Adresse generalat[at]mallersdorfer-schwestern[dot]de.

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