09.02.2020 - 14:12 Uhr
NabburgOberpfalz

Und täglich grüßt der Widerspruch

Das Bayerische Fernsehen zeigt am 10. Februar in der Reihe "Lebenslinien" ein Porträt des in Nabburg aufgewachsenen Schauspielers Gerd Lohmeyer und seiner Ehefrau Monika Manz. Anlass ist der 75. Geburtstag des bekannten Darstellers.

Gerd Lohmeyer ist gerne in Nabburg, wo er die ersten 20 Jahre seines Lebens verbrachte und heute noch oft seine Schwester besucht. Am 10. Februar vollendet er sein 75. Lebensjahr.
von Helmut KunzProfil

„Meine Schwester wohnt ja nach wie vor in Nabburg.“ Dort sei er auch immer noch sehr präsent. Schließlich habe er zwischen 2004 und 2015 mehrmals auf der Luisenburg gespielt. Gerd Lohmeyer ist eines der bekanntesten Gesichter aus Nabburg. Er war erst ein halbes Jahr alt, als es seinen Vater 1945 in die Oberpfalz verschlug, wo der Schauspieler dann seine ersten 20 Lebensjahre verbrachte.

Gewohnt hatte er „Am roten Bierl“. Heute heißt die Straße Kapellenweg. „Die Sternwirtskapelle grenzt an unseren Garten.“ Das Bayerische Fernsehen beleuchtet am 10. Februar, an dessen 75. Geburtstag, die „Lebenslinien“ des ehemaligen Oberpfälzers. Und dabei wird auch Lohmeyers Zeit in Nabburg behandelt. Der mehrfach ausgezeichnete Schauspieler ist nicht zuletzt als Kioskbesitzer Michael Gerstl aus „Dahoam is dahoam“ bekannt.

Eine weiterführende Schule gab es seinerzeit in Nabburg nicht. „Ich musste zur Schule nach Schwandorf fahren.“ Nach dem Abschluss wusste er nicht, was er machen sollte und reiste seiner Schwester nach Berlin hinterher, wo er eine Zeit lang „querbeet“ studierte. „Ein guter Freund hat mir dann die Formulare für die Schauspielschule gebracht. Und die haben mich genommen."

„Schon im zweiten Jahr bin ich in den Film gestolpert und hab mir eingeredet, dass ich jetzt berühmt sei.“ Damals sei die Kinolandschaft noch groß gewesen. „Jeder hat mich gesehen.“ Lohmeyer spielte 1968 den Willy in Kurt Hoffmanns „Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung.“ Interessiert habe ihn die Filmerei aber gar nicht so sehr, obwohl er in seinem letzten Berliner Jahr sechs Filme drehte.

Lohmeyer sah seine Passion eher am Theater. „Hab dann eine Ewigkeit nichts mehr gedreht.“ Vier Jahre arbeitete er am Stadttheater Dortmund, dann ein Jahr lang in München. „Sogar an den Kammerspielen.“ Weiter ging es „rundumerdum“, bis dann – „ich war am Staatstheater in Hannover“ - die Tochter im Anmarsch war. „Dann war mein Wanderleben zu Ende.“

Zusammen mit seiner Frau, der Schauspielerin Monika Manz („Racko – Ein Hund für alle Fälle“) aus Niederbayern, zog er schließlich zurück nach Bayern, nach München, „obwohl uns kein Mensch gerufen hat.“ Die Landeshauptstadt sei für Schauspieler ein nicht ganz einfaches Pflaster, musste er bald feststellen und spricht im Rückblick von einer wechselhaften Geschichte. In „Dahoam is dahoam“ fühle er sich jetzt gut aufgehoben. „Seit drei Jahren gehöre ich zum Hauptcast. Trotzdem habe ich noch einen anderen Vertrag am Theater.“

Die "Lebenslinien"-Sendung trägt den Untertitel „Lohmeyer & Manz – und täglich grüßt der Widerspruch“. Warum dieser Titel? „Was uns zusammenhält, ist das Gegensätzliche um das wir täglich raufen. Und das klebt.“ Seine Körpergröße von 1,58 Meter führt der 74-jährige auf den Krieg zurück. Seitdem er „Die Blechtrommel“ von Günter Grass gelesen habe, sei er fest davon überzeugt, dass ein Trauma sein Wachstum eingeschränkt habe.

„Daher weht der Wind“, sagt er launig. Als Säugling habe er nämlich eine Bombennacht in Würzburg, wo er geboren wurde, in einem Kohlensack verbracht. Lohmeyer lacht: „Ich führe es darauf zurück. Einen anderen Grund weiß ich nicht.“ Sein Vater sei schließlich 1,85 Meter groß gewesen. „Auch die Geschwister meines Vaters waren Hünen.“ Und die Schwester sei auch nicht klein.

Natürlich werde er von den Rollen her oft hinsichtlich seiner Körpergröße besetzt. „Es gibt zwei Arten von Regisseuren. Bei den einen stehe ich spätestens in der zweiten Szene irgendwo auf dem Tisch. Und es gibt die anderen, das sind leider die wenigeren, bei denen spiele ich auch mal einen Dorfrichter Adam im ‚Zerbrochenen Krug‘“. Einmal durfte er sogar einen jugendlichen Liebhaber spielen: Den Orlando in Shakespeares „Wie es euch gefällt.“

Zu Lohmeyers bekanntesten Filmen zählen „Der Schuh des Manitu“ von Michael Bully Herbig, „Kirschblüten Hanami“ von Doris Dörrie und Fernsehserien „Cafe Meineid“, „Die Rosenheim-Cops“, „Der Bulle von Tölz“, „Lindenstraße“ und „Tatort“.

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