In der Nabburger Nordgauhalle dreht sich alles um Tattoos und Piercing. An 35 Ständen bekommen Hunderte von Besuchern die Gelegenheit, sich zu informieren und dann gleich vor Ort tätowieren oder piercen zu lassen. Das Geschäft läuft gut.
Ein zweitägiges Tintenfest ist am Wochenende in der Nordgauhalle in Nabburg angesagt, die zum Treffpunkt von Tattoo- und Piercing-Artists vorwiegend aus dem bayerischen Raum wird. In der voll belegten Halle herrscht eine entspannte Atmosphäre. Dazu trägt auch der Schwarzenfelder Musiker Ben Stone bei, der auf der Bühne steht und Rock-Klassiker unplugged spielt.
Unterdessen floriert an den Ständen das Geschäft. Katrin (30) aus Amberg hat sich schnell entschieden. Sie ist zum Tattoo-Künstler ihres Vertrauens gegangen, hat sich aus seinen aufgezeichneten Kreationen ihr Wunsch-Motiv ausgesucht und los geht es. Sie hat sich einen Roman mitgenommen, damit es ihr nicht langweilig wird, während sie auf dem Bauch liegt und der Tätowierer mit Maschine, Nadel und Farbe an ihrem Unterschenkel arbeitet. Nebenan liegt Lars (34) aus Schwandorf in Bearbeitung. Er schaut sich am Handy Videos an, während sein Rücken gerade verziert wird.
Hygieneregeln wichtig
Tut es weh? Ein bisschen schon, geben beide zu. Aber das macht ihnen nichts aus, das nehmen sie gerne in Kauf. „Trinkgeld macht es weniger schmerzhaft“ steht auf einem Schild, das ein Anbieter aufgestellt hat. Wirklich? Nein, versichert er. Jeder Kunde werde mit gleich großer Sorgfalt behandelt. Wobei es am wichtigsten sei, dass alle Hygieneregelen eingehalten werden und es da seitens der Behörden keine Beanstandungen gibt.
Auch die Liebhaber von Percings kommen auf ihre Kosten. Auch sie können sich bei einem Spontan-Termin stechen oder "punchen" lassen und haben große Auswahl an Deko-Stücken. Alle Standbetreiber, die zum Teil keine eigenen Studios besitzen und von Messe zu Messe ziehen, haben an diesen beiden Tagen gut zu tun. Das Geschäft floriert. Da braucht man auch die weiteste Anreise nicht zu bereuen. Eine Anbieterin hat den Weg bis aus Berlin in Kauf genommen, um in Nabburg mit von der Partie zu sein. Ihr Lebensgefährte ist eigentlich ihr bestes Ausstellungsstück. Denn an seinem Körper ist kaum noch eine Stelle frei, die nicht „inked“ wäre.
Stück Lebensgeschichte
Sein erstes Tattoo hat er sich mit 14 Jahren zu damaligen DDR-Zeiten noch selber ohne großes Vorwissen eingraviert. Wie hat er selber seine Motive ausgewählt? Ihm sei es weniger um gutes Aussehen gegangen, sondern vielmehr darum, dass jedes einzelne Tattoo gut zu ihm passt und einen Teil seiner persönlichen Lebensgeschichte erzählt. Was im Detail dahinter steckt, würde er niemandem verraten.
Den Organisator des Festes kennt man in der Szene. Wer seinen Namen in der Halle nennt, bekommt gleich den Weg zu ihm gewiesen. Der „Millennium-Hans“ aus Amberg, wie er im Jargon unter Seinesgleichen genannt wird, hat die Messe in Nabburg erstmals auf die Beine gestellt. Er hat sich dazu mit zwei früheren Mitarbeitern zusammengetan, die inzwischen selber ihre Studios betreiben, und eine Art-Event-Firma gegründet, die als Veranstalter auftritt. Die Premiere ist obendrein in memoriam an einen Kollegen gedacht, der schon einmal mit einer Tattoo-Messe in Nabburg in Erscheinung trat, mittlerweile aber verstorben ist. An ihn erinnert im Eingangsbereich ein aufgestelltes Bild mit einer dazu gelegten Rose.
Blumen zählen übrigens immer noch zu den Lieblingsmotiven der Tattoo-Freunde, vor allem bei denen, die sich ein erstes Mal tätowieren oder einfach nur an einer einzigen Körperpartie verschönern lassen wollen. Ansonsten sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Wer in der Branche erfolgreich sein will, muss gerade auf diesem Sektor fit und einfallsreich sein. Denn auch das ist bei der Messe zu beobachten: Wer hochgradig interessante, besonders filigrane oder höchst anspruchsvoll wirkende Motive zur Schau stellt und zur Ausführung anbieten kann, hat auf so einer Messe die besten Chancen, Aufträge zu bekommen.















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