Nabburg
28.09.2026 - 11:05 Uhr

Traditionelles Handwerk im Oberpfälzer Freilandmuseum erleben

Von der Faser des Flachses zum fertigen Leinengewand ist es ein weiter Weg. Beim Thementag im Freilandmuseum Neusath erfuhren die Besucher, welche Rolle das Haspeln des Garns heute noch spielt.

Kleider machen Leute. „Am gepflegten Äußeren ließ sich früher die soziale Herkunft ablesen“, gibt Gästeführerin Irene Ehemann den Besuchern am Sonntag, 27. September, im Oberpfälzer Freilandmuseum Neusath zu verstehen. Denn es war Thementag im Museum. An ihrem Stand im Denkenbauernhof erläuterte sie den Weg von der Flachspflanze zur Faser und zum Garn, das schließlich zu Stoffen und Kleidung verarbeitet wird.

Aus dieser Zeit sind Begriffe erhalten geblieben. Zum Beispiel die Redewendung vom „alten Knacker“. Irene Ehemann erklärt: Alte Männer, die nicht mehr auf dem Feld arbeiten konnten, saßen zu Hause an der „knackenden“ Drehhaspel und brachten das Garn in die Form eines Stranges. Wenn sich jemand „verhaspelt“, „rumspinnt“ oder „mal richtig durchgebläut“ werden soll, dann geht das auf die Zeit des Spinnens und Webens zurück.

Expertin Peggy Semmelmann demonstrierte das Spinnen von Flachshaar, in der Oberpfalz „Floas“ genannt, mit der Handspindel und gab ihr Wissen an die Besucher weiter. Die Handwerkskunst des Brettchenwebens zeigte Dozentin Ute Laschinsky. Dabei handelt es sich um eine uralte Technik der Bortenweberei zur Herstellung textiler Bänder, Borten und Taschengurte mit farbigem Flachsgarn.

Museumspädagogin Eva Nussbaumer arbeitete an der Hechel, einem kammartigen Gerät zur Reinigung des Flachses. Dabei fiel sogenanntes Werg an, das nicht zum Spinnen von hochwertigen Stoffen taugt. Aus diesem Abfall bastelten die Kinder unter Anleitung von Gästeführerin Sabine Grötsch den „Wuzerlgackl“. Die einstige Oberpfälzer Schreckfigur hat das Neusather Museumspädagogen-Team inzwischen in ein friedliches „Wuzerl“ verwandelt. Bei einem geführten Rundgang vom Denkenbauernhof zum Weberhaus aus Neualbenreuth und weiter zur Verarbeitungsscheune beim Inhaus bekamen die Teilnehmer Informationen zur Geschichte von Anbau und Verarbeitung des Flachses, der noch bis in die 1950er-Jahre in Deutschland weit verbreitet war.

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