Traditionspflege beim Brünnl-Frauentag an Mariä Himmelfahrt in Nabburg

Nabburg
16.08.2023 - 10:01 Uhr

„Mariä Himmelfahrt“ ist in Teilen Bayerns ein „extra-Feiertag“, in Nabburg zudem ein Festtag mit besonderen Traditionen. Dazu gehören eine kleine Wallfahrt, Kräuterbüschl, eine Brotzeit und ein Ritual für klare „Augen-Blicke“.

Für Einheimische wie Auswärtige gleicht, den ganzen Weg oder auch nur das letzte Stück zum "Brünnl-Kirchlein" südlich von Nabburg zu pilgern, stets einer kleinen Wallfahrt. Sie schätzen besonders das einzigartige, zum Festtagsthema passende Ambiente in freier Natur.

Die Ersten kamen schon zum Frühgottesdienst, den Pfarrer Johannes Elberskirch zelebrierte. Bei noch morgendlicher Kühle richtete er den Blick auf Maria, deren Aufnahme in den Himmel ewige Freiheit bedeutete. "Mit dem Sieg über den Tod hat Jesus sie von der letzten Fessel erlöst." Gottes Liebe zu den Menschen am Beispiel Mariens folgend, sollten auch wir den Entwicklungsfreiraum unserer Nächsten respektieren, Einfühlsamkeit an den Tag legen, statt sie dabei nur nach unseren Vorstellungen zu prägen.

"Maßstäbe", jedoch anderer Art, lagen auch der Predigt von Hannes Lorenz zugrunde, der begleitet von seiner Urlaubsvertretung Pater Jomi Jose die Festmesse hielt. "Mariä Himmelfahrt weiterhin als Festtag begehen zu dürfen, wird künftig von der Konfessionsquote im Zensusergebnis abhängen. Nehmen wir diesen Feiertag also als Geschenk, genießen wir die Freiheit, unseren Glauben zum Ausdruck zu bringen und danken wir Gott - nicht nur dafür!" Auch in dieser Hinsicht empfahl er Maria als leuchtendes Vorbild, Fürsprecherin, Beschützerin und Beistand in schwierigen Lebenssituationen.

Als Sinnbild dessen sah er auch die unzähligen gesundheitsfördernden Kräuter. Legenden bringen sie mit dem Grab Mariens oder deren Himmelfahrt in Verbindung. Üblicherweise mindestens sieben, meist Dutzende Heilpflanzen mehr, band der Frauenbund daher wieder für diesen Festtag zu etwa 400 Büscheln zusammen, die verkauft und bei den Gottesdiensten gesegnet wurden, um später zuhause ihren Platz zu finden. Vor dem Heimweg - viele Besucher hatten wegen des perfekten Wetters auf das Fahrrad umgesattelt - bot die Kolpingfamilie noch eine "Bratwürstl-Brotzeit" an, die die Jugendblaskapelle, wie schon den Gottesdienst zuvor, musikalisch begleitete.

Abgerundet wird der nicht alltägliche Feiertagsablauf stets durch eine ganz spezielle Nabburger Tradition mit Vorgeschichte: Die eigentliche Dreifaltigkeits-Widmung des Waldkirchleins wurde vor geraumer Zeit vom Marien-Patrozinium der unterhalb stehenden Kapelle überlagert. Neben dieser aber entspringt als Quelle das eigentliche "Brünnl". Seine nachgewiesenermaßen radiumhaltigen Wassertropfen werden bei "Seh-Störungen" empfohlen. Und so galt das "Augen-Auswaschen" wie seit Generationen auch 2023 als wohltuender Abschluss dieses "Brünnl-Frauentages".

Hintergrund:

Brünnl im Wald bei Nabburg

  • Die Kapelle "Maria Brünnl", erbaut um 1686, steht an einem Weg parallel zur alten Naab
  • Die eigentliche Quelle daneben wurde wohl 1839 (neu) gefasst
  • Ihr nachweislich radiumhaltiges Quellwasser soll bei Augenleiden helfen - so entstand das Ritual des "Augen-Auswaschens" - eine perfekte Ergänzung zur Weihe der Kräuterbüschl
  • Unweit davon führt eine Natursteintreppe hinauf zur Kirchlein, das zunächst der Hl. Dreifaltigkeit geweiht war und davor genügend Platz für das Patroziniums-Fest an Mariä Himmelfahrt bietet
  • Konrad Haller schreibt 1969: Der Gottesdienst wurde wie seit altersher im Freien abgehalten, weil das Kirchlein die zahlreichen Besucher nicht aufnehmen kann. An der nördlichen Außenwand des Gotteshauses wurde ein Altar aufgebaut, unweit davon ein Predigtstuhl errichtet.
  • Danach wurde wohl noch im Wald ausgiebig mit Essen und Trinken weitergefeiert - wann/wie sich das entwickelte, ist noch nicht recherchiert
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