09.02.2021 - 13:47 Uhr
NabburgOberpfalz

Unternehmer-Leben auf der Erfolgsspur

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Warum braucht ein angehender Elektrotechnik-Student profunde Kenntnisse in Latein und Altgriechisch? Ernst Hanauer, eine überregional bekannte Unternehmerpersönlichkeit, weiß darauf und auf andere Fragen verblüffende Antworten.

Corona bedingt war weder privat noch im Unternehmen eine größere Feier zum 90. Geburtstag von Ernst Hanauer möglich. Umso mehr freute er sich über die überraschenden Glückwünsche der EMZ-Führungsriege und der Standortleiter per Videocall. In einer spontanen Dankesrede zeigte er sich sehr erfreut, auch über das handgemachte Fotoalbum mit vielen Erinnerungen aus den vergangenen Jahren.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Der kleine Ort Zangenstein bei Schwarzhofen und die 15 Kilometer entfernte Stadt Nabburg sind die beiden Pole, die das private und das berufliche Leben von Ernst Hanauer prägen. Ihm hat vor 90 Jahre niemand an der Wiege gesungen, dass er sein Leben als "evangelischer Preuße" nicht in seinem Geburtsort Berlin, sondern in der tiefsten Oberpfalz verbringen würde.

Aber der Zweite Weltkrieg mit seinen Verwüstungen in der Reichshauptstadt, die Zerstörung der AEG, wo sein Vater als Manager beschäftigt war, und die Möglichkeit, zu Verwandten in die vergleichsweise friedliche Gegend zwischen Schwandorf und Vohenstrauß zu ziehen, lotsten Ernst Hanauer auf einen neuen Lebensweg.

Ganz klein neu angefangen

Die Familie, so erzählt Ernst Hanauer, hat nach dem Krieg ganz klein angefangen. Sein Vater Ernst Hanauer sen. übernahm einen Teil der Glasschleife in Zangenstein. Die Produktion startete mit acht Frauen im Kellerraum dieses Gebäudes. Der Senior, nach dem zwischenzeitlich in Zangenstein eine Straße benannt worden ist, nutzte damals seine Kontakte aus seiner Zeit in der Geschäftsführung von AEG.

Erstes Produkt war für die damalige AEG-Tochter NSF ein Drehkondensator für das erste deutsche Nachkriegsradio "Heinzelmann" von Grundig. Das Kondensatorengeschäft weitete sich dank der herausragenden EMZ-Qualität in den Folgejahren aus. 1949 kam die sogenannte "Christbaumkette" für Osram ins Programm, ein Produkt, das erst 2017 endgültig eingestellt wurde. In den Folgejahren entwickelte sich das Unternehmen von einem reinen Lohnfertiger zu einem integrierten Technologiekonzern.

Erstaunlicher Aufstieg

Als der kleine Betrieb noch weit von seiner jetzigen Größe und Bedeutung entfernt war, musste Sohn Ernst Hanauer die Weichen für seine Zukunft stellen. Zwar hat sich der Junior für Elektronik interessiert - und das entsprechende Fach später auch studiert - aber sein Vater wusste, dass zu einem gelingenden Leben mehr als Zahlen und Formeln gehören. Und so kam der junge Ernst nach Weiden auf das Humanistische Gymnasium, wo er mit Latein und Griechisch zu tun bekam. Was ihm, wie er jetzt lebhaft versichert, auch in den Ingenieurswissenschaften zum Vorteil gereichte.

Stadt macht Ernst Hanauer zu ihrem Ehrenbürger

Die Geschichte vom erstaunlichen Aufstieg der EMZ, die zwischenzeitlich neben Zangenstein und der Zentrale in Nabburg auch über mehrere Auslandsstandorte und 1500 Mitarbeitern verfügt, ist schon oft erzählt worden und findet sich sogar als ausführlicher Artikel auf Wikipedia wieder.

Freundlich und humorvoll

Genauso wichtig ist, auf die Freundlichkeit und Bodenständigkeit des Nabburger Ehrenbürgers zu verweisen. Die Menschen, die ihn kennen, reden mit Hochachtung "vom Hanauer". Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien, das via Skype stattfindet, zeigt sich der 90-Jährige, der seit 61 Jahren mit seiner Frau Gerti verheiratet ist, ebenfalls von seiner entgegenkommenden und humorvollen Seite.

Hintergrund:

Zur Person: Ernst Hanauer

  • Ernst Hanauer wurde am ersten Weihnachtsfeiertag 1930 in Berlin geboren, wo sein Vater im erweiterten Vorstand der AEG für das Auslandsgeschäft zuständig war. Gegen Ende des Krieges zog die Familie zurück in die heimatliche Oberpfalz.
  • Vier Wochen vor der Währungsreform gründete sein Vater in der ehemaligen Glasschleife in Zangenstein bei Schwarzhofen eine Firma, die er „Elektromanufaktur Zangenstein“ nannte. Nach Lehre und Studium trat Ernst Hanauer 1959 auch offiziell in das Unternehmen ein. 1961 wurde er neben seinem Vater Geschäftsführer des Unternehmens.
  • 1967 wurde Ernst Hanauer alleiniger Geschäftsführer der EMZ. Er entwickelte die Firma vom reinen Lohnfertiger zum Anbieter von innovativen Komponenten und zum Entwicklungspartner der Kunden. Auch der Einstieg in die neuen Geschäftsfelder Hausgeräte und Umwelttechnik gelang in seiner Zeit.
  • Bereits 1965 erwarb die Firma für eine geplante Erweiterung ein 11 000 Quadratmeter großes Grundstück Am Haberstroh in Nabburg und baute dort ein Wohnhaus und eine Fertigungshalle. 1971 gründete Ernst Hanauer dort als einer der Ersten in der Oberpfalz eine eigene Lehrlingswerkstätte. 1990 folgte dann der Neubau in der Nabburger Siemensstraße, am heutigen EMZ-Standort.
  • 1995 trat Thomas Hanauer als Zweiter Geschäftsführer und designierter Nachfolger bei EMZ ein. Der reibungslose Übergang in die damit dritte Unternehmergeneration war Ernst Hanauer ein wichtiges Anliegen.
Seit 1948 produziert EMZ in dem kleinen Gemeinde Zangenstein bei Schwarzhofen. Wegen der steigenden Auftragszahlen wurde die alte Glasschleife, die erste Produktionsstätte, zu klein. Neue Werkshallen mussten im Ort erbaut werden.

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