13.01.2022 - 16:35 Uhr
NabburgOberpfalz

Verbot gilt nicht für alle Plastiktüten

Viele Plastiktüten in Einkaufsgeschäften sind seit dem 1. Januar verboten – eine Maßnahme zum Umweltschutz noch aus der Feder der Großen Koalition. Es gibt dafür Zustimmung aus dem Landkreis Schwandorf – aber auch Widerspruch.

Das war's: Plastiktüten wie diese dürfen in Geschäften nicht mehr ausgegeben werden.
von Julian Seiferth Kontakt Profil

Seit Anfang des Jahres ist die Kunststofftragetasche fast komplett aus den deutschen Geschäften verbannt. Doch nicht für alle Plastiktüten gilt dasselbe - und das stört Maximilian Mehler, den Inhaber des Modehaus Mehler in Oberviechtach. "Es ist einfach schizophren", schimpft er über das neue Gesetz, das noch aus der Feder der Großen Koalition stammt. "Als dürfte man schon Auto fahren, aber halt nicht zwischen 120 und 150 Kilometer pro Stunde."

Mehlers Zorn richtet sich gegen die Passage des Gesetzes, die regelt, welche Tüten in Zukunft noch erlaubt sind und welche nicht mehr. Zulässig sind seit 1. Januar nicht mehr Plastiktüten mit einer Materialdicke zwischen 15 und 50 Mikrometern - alles drunter und drüber dürfen Händler dagegen weiterhin verwenden. Bei Zuwiderhandlung drohen Strafen, laut Mehler bis zu 100 000 Euro.

Papier wird teurer

Es gehe ihm nicht um den Aufwand bei der Beschaffung, sagt Mehler. Sein Problem scheint eher ein prinzipielles zu sein. "Wir verwenden Papiertragetaschen seit sieben Jahren in unserem Geschäft, für uns ist das nichts Neues." Doch in den vergangenen Monaten sei Papier immer schwerer zu bekommen und darüber hinaus immer teurer geworden.

"Lebensmittel sind in großem Maße in Plastik verpackt, das man nicht wiederverwenden werden kann. Das erzeugt den Plastikmüll, da müsste man ansetzen, wenn man erfolgreiche Umweltpolitik betreiben möchte. Ist die Lobby der Lebensmittelindustrie in Berlin wohl so stark, dass man hier das Übel nicht an der Wurzel anpackt? So ist die ganze Geschichte ein Witz."

Leichter nimmt das neue Gesetz Gisela Westiner, die seit zwei Jahren zwar selbst nicht mehr im Geschäft ist, aber nach wie vor dem Händlerkollektiv Netzwerk Nabburg vorsteht, einer Initiative, die für regionalen Einkauf steht. "Mein Eindruck ist, dass das Verbot der Plastiktüten allgemein begrüßt wird. Man konnte sich darauf einstellen, es dürfte als kein größeres Problem sein."

Sie selbst habe in ihrem Buch- und Schreibwarenladen bereits vor zwei Jahren die letzten Plastiktüten ausgegeben und danach komplett auf Papiertüten umgestellt. "Viele Kunden haben von da an ihre eigenen Taschen mitgebracht, was ja auch sinnvoll ist. Die Plastiktüten hat man hier nicht vermisst."

Kunden wollen Papiertüten

In Westiners alten Geschäftsräumen werden schon lange keine Bücher mehr verkauft. Inzwischen betreibt hier Theresa Moritz-Heberlein das Zwergenstüberl, ein Fachgeschäft für Baby- und Spielwaren. Seit Gisela Westiner vor über zwei Jahren auf Papiertüten umgestellt hatte, wurden im jetzigen Zwergenstüberl keine Plastiktaschen mehr verwendet, stellt die Chefin klar: "Wir hatten immer nur Papiertüten."

Theresa Moritz-Heberlein sagt, sie habe aus einem tiefen Umweltbewusstsein heraus auf unnötigen Plastikabfall verzichten wollen - und das, obwohl Papier schon immer teurer war und in letzter Zeit auch noch mal deutlich im Preis angezogen hat. Auch bei den Kunden komme ihre Haltung gut an. "Die Tüten kosten bei uns schon immer Geld. Viele Kunden sagen, dass sie, wenn überhaupt, nur eine Papiertüte zu ihrem Einkauf haben wollen. Viele haben auch ihre eigenen Taschen dabei, das häuft sich inzwischen."

In Weiden nimmt man das Verbot gelassen

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Darum sind Plastiktüten verboten

  • Das Anbieten von Plastiktüten mit einer Wandstärke von 15 bis 50 Mikrometern ist mit Jahresbeginn 2022 verboten.
  • Die Supermärkte dürfen dünne Plastiktüten zum Tragen von unverpackten Früchten also weiterhin ihren Kunden anbieten, ebenso wie die stabileren Tragetaschen mit dickeren Wänden.
  • Schon seit 2016 gilt eine freiwillige Vereinbarung mit dem Handel, dass die Tüten aus Plastik nur noch gegen Bezahlung abgegeben werden dürfen. Dadurch konnte der Verbrauch laut Bundesumweltministerium bereits um zwei Drittel gesenkt werden.
  • Wird Plastik nicht ordnungsgemäß recycelt, verbleibt es jahrzehntelang in der Umwelt und gefährdet so Tiere und Menschen. (jus)

"Lebensmittel sind in großem Maße in Plastik verpackt, das man nicht wiederverwenden werden kann."

Maximilian Mehler

 

 

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