06.12.2019 - 19:51 Uhr
NabburgOberpfalz

Verehrt, verkauft, verbrannt

Ein prächtiger Hochaltar stand in der Nikolauskirche – bis sie säkularisiert und der Altar nach Pleystein verkauft wurde. Flammen besiegelten hier sein Schicksal.

Der Hochaltar in Pleystein stand ursprünglich in der Nikolauskirche Nabburg. Das uralte Foto ist das einzige Zeitdokument, zeigt aber nur entfernt die einstige Pracht.
von Autor SEFProfil

Nach dem verlorenen Koalitionskrieg 1801 mussten alle bayerischen Pfarreien "entbehrliches" Kirchensilber abliefern, um die Kontributionsschulden an Frankreich zu decken. Diesem Dekret hatte sich auch der Nabburger Pfarrer Thomas Held zu beugen. Wohl oder übel notierte er also die kostbaren Gerätschaften der Pfarrkirche und der Filialkirchen.

Zwei dieser Außenstellen hatten wenig später ihre liturgische Funktion eingebüßt, nämlich St. Marien (Spital) und St. Nikolaus (Venedig). Zuvor hatte schon St. Laurentius (Schloss) dieses Schicksal getroffen. Das war eine Folge der Säkularisation, als "überflüssige" Kirchen profaniert werden mussten. Die einstigen Gotteshäuser wurden anschließend zu Scheunen abgewertet, bis sie wieder eine würdige Verwendung fanden: So ist die Laurentiuskirche seit 1911 Mittelpunkt der evangelisch-lutherischen Gemeinde. Die Marienkirche dient neuerdings der Stadt als Festsaal.

Die Nikolauskirche in Nabburg.

Doch welches Schicksal hatte die entweihte Nikolauskirche in der Vorstadt Venedig? Sie wurde um die Mitte des 12. Jahrhunderts als romanische dreischiffige Hallenkirche an einer wichtigen Handelsverbindung errichtet. Nach der Säkularisation beraubte man sie ihrer beiden Türme, entfernte Apsis und Langhausgewölbe, beließ aber wenigstens die Empore.

Am 17. Juli 1812 genehmigte der bayerische Staat nach langem Schriftwechsel den bereits am 23. Mai 1810 erfolgten Verkauf. Für 200 Gulden wurde sie Johann Popp vom Gasthof zur Krone zugeschlagen. Er nutzte den Profanbau als Magazin. Noch vorhandene Einrichtung verkaufte er: Glocken, Hochaltar und Kanzel.

Pleystein liegt nahe Vohenstrauß. Auf dem Rosenquarzfelsen 40 Meter über der Stadt stand einst eine Burg. 1814 wurden die letzten Reste abgetragen, um noch im selben Jahr eine Wallfahrtskirche zu errichten. Ihr Mittelpunkt war ein wundertätiges Kreuz, für das man dringend einen Altar benötigte. Bestens geeignet schien das barocke Kunstwerk aus der Nikolauskirche Nabburg, das man samt Kanzel vom besagten Gastwirt erwarb. Wie der Altar aussah, geht aus einem uralten Foto und einer Federzeichnung hervor: Unter einem Strahlenkranz mit IHS-Monogramm erkennt man eine Taube als Sinnbild des Heiligen Geistes. Darunter breitet Gottvater segnend seine Arme aus. Wundertätiges Kreuz und Marienstatue wurden erst in Pleystein an Stelle eines Nikolausmotivs eingefügt. Sechs Engel und vier Heilige neben den korinthischen Säulen ergänzen den Figurenschmuck. Den Altartisch verschönert ein Abendmahlsbild. Die Skulpturen und Akanthusranken könnte Johann Franz Dult geschaffen haben. Er lebte von 1700 bis 1750 und war in Dürnsricht, Weiden und in seiner Heimatstadt Nabburg tätig.

Am 10. Juli 1901 ereignete sich in Pleystein eine Katastrophe, die auch den Altar und die Kanzel aus Nabburg unwiederbringlich vernichtete. Über das Unglück berichtete sogar das Neue Münchener Tagblatt: "Das entsetzliche Brandunglück, das die Stadt Pleystein in der Oberpfalz zum größten Teil zerstörte, hat allenthalben die lebhafteste Teilnahme hervorgerufen. In der 50 Meter entfernten Grabenmühle war man mit Brotbacken beschäftigt, als in der Mühle Feuer ausbrach. Ein Windstoß trieb die Flammen weiter, so dass in Kürze der südliche Stadtteil, dessen Häuser durchweg mit Schindeln gedeckt waren, brannte. Die gewaltige Hitze ließ auch bald zahlreiche weitere Gebäude in Flammen aufgehen. Vom Wind emporgeschleuderte Holzteile entzündeten sogar die Wallfahrtskirche auf dem Kreuzberg. Der Hochaltar und mit ihm das Gnadenbild waren verloren. Der Brandschaden umfasst 73 Haupt- und 76 Nebengebäude."

Die Nikolauskirche - seit 1910 für 3100 Mark wieder im Staatsbesitz - wurde ab 1964 restauriert und 1970 benediziert.

Bei der Erneuerung verzichtete man bewusst auf eine Rekonstruktion des Originalzustandes, beließ vielmehr das fragmentarische Erscheinungsbild ohne zwei Türme, Langhausgewölbe und Mittelstützen. Ergänzt wurde dagegen eine trapezförmige Apsis, wo einst der Hochaltar stand. Unter der gewölbten Empore mit zentraler Öffnung zum Langhaus befindet sich das Kriegerdenkmal, ein Metallkreuz von Paul Schinner.

In der ehemaligen Apsis der Nikolauskirche befand sich der spätere Pleysteiner Altar.
Quellen:

Pfarrarchiv Nabburg, Stadtarchiv Nabburg, Staatsarchiv Amberg, Siegfried Poblotzki (Herrschaft, Stadt und Pfarrei Pleystein, Pleystein 1980), Neues Münchener Tagblatt, 14. bis 17. Juli 1901.

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