10.02.2020 - 16:47 Uhr
NabburgOberpfalz

Viel mehr als seichter Schlager

Der Mann kann richtig gut singen. Eine Ausnahme zwischen den Eintagsfliegen im Schlagergeschäft. Was er wirklich drauf hat, beweist Semino Rossi jedoch nur dann, wenn er sich Traditionals in spanischer und italienischer Sprache zuwendet.

Wenn er mit seiner spanischen Gitarre allein auf der Bühne steht und "Besame Mucho" macht, wird deutlich, was er wirklich drauf hat: Semino Rossi war in Nabburg und hat für einen unterhaltsamen Abend gesorgt.
von Autor HOUProfil

Erst zu diesem Zeitpunkt wird sein Konzert zum Erlebnis.Wie kommt Omar Ernesto Semino aus Rossi in Argentinien in die Nabburger Nordgauhalle? Gemessen an den großen Event-Arenen, in denen er sonst auftritt, fast schon eine Art Clubkonzert. Ein Wagnis sicher für Erich Wiesenbacher, der ihn unter Vertrag nahm und mit einem ausverkauften Haus belohnt wurde. Mehr noch: Es gab stehenden Beifall für Semino Rossi, von dem bekannt ist, dass er sich mit seiner Stimme nicht durch die Oktaven quälen muss.

Der zweistündige Auftritt war als Galaabend avisiert. Er ging einher mit dem Umstand: Nur zwei junge Begleitsängerinnen und kein Orchester. Instrumentale Beschallung vom Playback-Band und eingespielter Background. Machte das etwas aus? Den geschätzt 1000 Leuten in der Nordgauhalle war das egal. Zumal die Stimme von Semino Rossi nicht aus der Konservendose kam.

Der Argentinier, einst Straßenmusikant und heute in Südtirol ansässig, ist dem Schlager verpflichtet. "Aber dich gibt's nur einmal für mich" musste ebenso sein wie die "Roten Rosen". "Das verflixte 7. Jahr" hat er gemacht und das Wort "Bitte" spielte eine tragende Rolle. "Bitte aufstehen" hat Rossi seine Zuschauer unablässig ermuntert. Das allerdings ist eine Unsitte unserer Zeit. Denn wenn sich die Masse erhebt und schunkelt, gibt es Menschen, die im Rollstuhl sitzen oder ein Beinleiden haben. Für sie, die ebenfalls Eintritt zahlen, ist ab dann Sehpause. Leute wie Peter Maffay haben das unterdessen längst begriffen.

Semino Rossi kann nicht nur Schlager. Sein Volumen an den Stimmbändern reicht spielend aus, um Schritt zu halten mit den ganz Großen im Showgeschäft. Deutlich wird das längstens dann, wenn er traditionelle Nummern macht wie "Besame Mucho" und "O Sole Mio". Da werden seine Qualitäten deutlich. Dann verblassen Diskofox-Liedlein mit Polonäse-Effekt wie "Du hast dich heute wieder schön gemacht". Einen furiosen Samba hat es gegeben und "Cucurrucucu Paloma". Tief hinein in die Sierra Nevada und bis nach "Granada" führte dieser Abend. Schließlich "Cielito Lindo" und Domenico Modugnos "Volare". Besser, als es der Originalinterpret und später Dino Crocetti alias Dean Martin je auf die Bühne brachten.

Ein Abend, dessen Höhepunkte aus Songs bestanden, bei denen das Klatschen und rhythmische Händekreisen erst ganz weit hinten kamen. Denn dieser neuerdings zum Großvater gewordene Semino Rossi (57) ist einer, der den Schlager eigentlich nicht braucht. Aber mit einem grandiosen "Bolero" in Maurice Ravels Machart allein kann er wohl nicht leben.

Zum Finale in der Nordgauhalle gab es etwas, das bei Künstlern eher die Ausnahme ist. Nach dem Konzert erschien Semino Rossi vor der Bühne und gab Autogramme. Unmittelbar neben ihm stand Veranstalter Erich Wiesenbacher. Mit dem Kompliment versehen, dass es gut ist, wenn sich jemand engagiert, um Prominenz in die Provinz zu bekommen.

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