Viele Infos zur anstehenden Sanierung der Nabburger Stadtpfarrkirche

Nabburg
19.09.2022 - 14:49 Uhr

Der Nabburger Stadtpfarrkirche steht eine Generalsanierung bevor. Bei einem Infoabend im Jugendwerk präsentierte das Architektenteam nun Ergebnisse der ersten Voruntersuchungen.

Die Nabburger Stadtpfarrkirche gilt als das nach dem Regensburger Dom bedeutendste gotische Bauwerk der Oberpfalz. Mittlerweile ebenso unstrittig ist: Aus den Sondagen zur geplanten Renovierung ergibt sich, dass umfassendere Sanierungsmaßnahmen zwingend notwendig sind. Die spannendsten Details dazu präsentierten die Architekten Anton Landgraf und Hermann Hösl nun bei einem Vortrag im Jugendwerk.

„Die Basis eines so großen Bauprojektes“, so Anton Landgraf, „ist vergleichbar mit einer Röntgenaufnahme.“ Als erfahrener Spezialist für historische Bauten – vor allem bedeutender Kirchen in ganz Bayern – ließ er in den vergangenen zwei Jahren auch in Nabburg allumfassende Objektdaten ermitteln. Mit dem „Scannen“ sämtlicher Bestandteile sowie der Auswertung von Funden und Proben waren Fachleute beauftragt.

Acht Entwicklungsphasen

Sie stellten acht Entwicklungsphasen fest: Basierend auf den ältesten, um 1120 datierten Spuren im Ostchor, entstand der Gesamtbau westwärts etwa in der Zeit zwischen 1300 und 1400. Anhand dendrochronologischer Untersuchungen der Holzbalken lassen sich im Dachstuhl gotische Teile, aber auch spätere Ergänzungen und Ausbesserungen nachweisen.

Deren unsachgemäße Ausführung und ursprüngliche, handwerkliche „Konstruktionsfehler“ würden ohne grundlegende Problembeseitigung zu immer wiederkehrenden Schäden führen. „Sichtbare Risse sind nur die weniger gravierende Folge davon – wie das Fieber bei den Menschen, das ja an sich auch keine Krankheit ist, sondern nur Schlimmeres anzeigt“, verglich Landgraf die Situation. Eine bei der Nabburger Kirche außergewöhnliche Aufhängung des Gewölbes am Dachstuhl spielt hier wohl eine besondere Rolle.

Rätselhaft ist auch, warum man später die der Druckableitung dienenden Strebepfeiler von der Fassade entfernte, zumal Schürfen an den Grundmauern offen legten, dass die Fundamente teils auf Fels, Sand oder Lehm basieren. Zur Stabilisierung der Gesamtstatik schlug der Architekt daher eine Art „Fass-Ring“ vor, der – im Boden verankert – die Kirche in sich festigen und zugleich gegen fortschreitende Hangabwärtsbewegungen fixieren soll.

Kosten schwer abzuschätzen

Zwar stehen einige Resultate noch aus, andere sind nach bisherigen Erkenntnissen fortzuschreiben, doch gab es bereits intensive Gespräche zwischen den Gremien der Pfarrei, des Denkmalschutzes und der Diözese zuzüglich mehrerer Fachstellen, wie Pfarrer Hannes Lorenz anschließend berichtete. Als Beispiel für weiteren Abstimmungsbedarf zeigte sich spontan die beabsichtigte „Wieder“-Öffnung einer früheren Kirchentür als Behindertenzugang. Das dazu notwendige Absenken des Geländeniveaus tangiere ja auch die städtischen Planungen zur Marienkirche, so Bürgermeister Frank Zeitler.

Grundsätzlich sah Pfarrer Hannes Lorenz den Zeitplan als „zwar sportlich, aber machbar“ an, mit hoffentlich nachhaltigem Ergebnis. Er hofft, so bald wie möglich mit der Maßnahme beginnen zu können. Zum Kostenvolumen gefragt, ergänzte er: „Von den derzeit geschätzten sieben Millionen geht die Schere je nach Umfang und Preisentwicklung nach oben sicher noch weiter auf. Die Endsumme lässt sich aber ebenso schwer voraussehen wie die Benzinpreise für nächstes Jahr. Trotz Chancen auf Zuschüsse wird uns als Pfarrei ein finanzieller Eigenanteil bleiben. Vorrangig ist aber: Wir brauchen jetzt ein starkes Konzept, mit dem wir alle überzeugen können.“

Hintergrund:

Maßnahmen zur Kirchensanierung

  • Außenhülle: Gut erhalten. Festigen der stellenweise losen Steine, Beseitigung der feuchten Stellen und Entfernung des Moosbewuchses.
  • Heizung: Veraltet, Erneuerung dringend nötig.
  • Fenster: Restaurierung mit Schutzverglasung dringend empfohlen.
  • Elektrik/Beleuchtung: Neu zu installieren.
  • Behindertengerechter Zugang: Nur bei Wiederöffnung des Alt-Zugangs und Niveauanpassung möglich.
  • Inventar: Vollständig erhaltener Anna-Altar restaurierbar.
  • Orgel: Wegen Fensterrestaurierung auszubauen. Die Kosten für Einlagern, Säubern und Wiedereinbau entsprächen zwei Drittel einer Neuanschaffung.

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