16.07.2019 - 18:57 Uhr
NabburgOberpfalz

Ein wahrer Schatz an Wissen

Nach „leerem Gerede“ lauscht man bei ihnen vergebens: Über das faszinierende Wesen „Ameise“ an sich, aber auch die Arbeit ihrer „Schutzengel“ informiert derzeit eine Sonderausstellung im Nabburger Stadtmuseum.

Hubert Fleischmann hat ein Herz für die Ameisen und freut sich, dass die kleinen Krabbler nun in der aktuellen Ausstellung "ganz groß raus kommen".
von Autor AUBProfil

Im Zehentstadel beheimatet ist auch das "Bayerische Infozentrum für Ameisenkunde". Die nicht nur bundesweit einzigartige Einrichtung stellt angesichts wachsenden Naturbewusstseins und aktueller "Fridays for future"-Demonstrationen einen wahren "Schatz" an Wissen und Fachkompetenz dar, wie es Landrat-Stellvertreter Arnold Kimmerl bei der Ausstellungseröffnung formulierte.

Pool für Wissenschaftler

Dass die Sammlung, seit 2003 im Besitz der Stadt Nabburg, dauerhaft hier etabliert werden konnte, sei, so Zweiter Bürgermeister Kurt Koppmann, hauptsächlich einem Mann zu verdanken: Hubert Fleischmann. Der Vorsitzende des 1985 gegründeten Ameisenschutzvereins Hirschberg, gemeinsam mit der Ameisenschutzwarte Bayern Träger der Institution, erweiterte innerhalb der vergangenen 25 Jahre die Nachlass-"Bibliothek" des Würzburger Uni-Professors Karl Gößwald zu einem wertvollen Archiv von aktuell etwa 15 000 Schriften, Facharbeiten, Forschungsergebnissen, Büchern, Fotos und Exponaten. Immer wieder greifen Studierende und Wissenschaftler per Anfrage aus dem In- und Ausland darauf zurück.

Doch dabei blieb es nicht. Zu den herausragenden Zielvorgaben zählte Museumsleiterin Christa Haubelt-Schlosser in ihrer Zusammenfassung die Einrichtung eines Waldameisenlehrpfades im Freilandmuseum Neusath-Perschen, die Wissensvermittlung in und für Schulen, eine vor Ort-Ausbildung einer steigenden Zahl an Ameisenhegern und die praktische Arbeit in Form von Not-Umsiedlung der durch verschiedene Baumaßnahmen gefährdeten Nester. Deren Schutz hatte auch schon vor 200 Jahren höchste Priorität: Am 31. August 1798 erließ Sigmund Graf von Kreith, Vice-Präsident der churfürstlichen Hofkammer zu Amberg, das älteste, bekannte Dekret zum Schutz der kleinen Krabbler, speziell der im Wald lebenden Gattungen. Trotzdem reduzierte sich in Bayern die Zahl der Arten von einst 100 auf mittlerweile nur noch 80. Im Landkreis Schwandorf leben 41 davon.

Nur in Gemeinschaft

Umso wichtiger erscheint das Engagement ihrer "Schutzengel", und allen voran der unermüdliche Einsatz von Hubert Fleischmann. Sein Herzblut gehört in Wort und Tat einer Welt faszinierender Wesen mit ausgeklügelter Organisation, gruppendynamischer Kooperation und unersetzbarer Funktion im Ökosystem. Denn sich mit Ameisen näher zu befassen, heißt, vorbildliche und erfahrene Lehrmeister mit einer für die Zukunft der Menschheit wichtigen Botschaft kennenzulernen: Nur eine Gemeinschaft bietet ausreichend Überlebenschancen. Möglicherweise verbirgt sich so gesehen in jedem kleinen Ameisenhügel ja ein ganzer Berg an Wissen, ein Erkenntnisgewinn für jeden Besucher der Ausstellung, ein "Schatz", den es zu bergen gilt im "Bayerischen Infozentrum für Ameisenkunde".

Öffnungszeiten:

Geöffnet ist die Ausstellung bis 18. August jeweils Dienstag bis Sonntag von 14 bis 17 Uhr - für Schulklassen und Gruppen auch nach Vereinbarung mit der Museumsleitung unter Telefon 09433-204639. Am Samstag, 17. August, findet in der Marienkirche ein thematisch begleitender Vortrag statt: Referent ist der Pulitzerpreisträger Professor Bert Hölldobler, bis 1990 Lehrstuhlinhaber an der Harvard Universität in Cambridge und danach Forscher an der Arizona State University. Er gilt nicht nur in Fachkreisen als Koryphäe auf dem Gebiet der Ameisenforschung. (aub)

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