29.11.2020 - 18:01 Uhr
NabburgOberpfalz

Weihnachtssterne aus Nkandla und ihre Geschichte

Die viele Nabburger kennen die Perlensterne schon, die im Eine-Welt-Laden in der Pfarrbücherei St. Johannes verkauft werden. Aber wo kommen sie eigentlich her und welche Geschichte steckt dahinter?

Im Januar 2019 konnte eine Gruppe aus der Pfarrei Nabburg an den Ursprung dieses Kunsthandwerks in Südafrika reisen und hat damals nicht nur neue Ware, sondern auch viele Eindrücke und Hintergrundinformationen mitgebracht.
von Sepp FerstlProfil

Im Jahr 1976 gründete die Mallersdorfer Schwester Sola Schaumann - eine gebürtige Riedenburgerin - in Nkandla, Provinz KwaZulu-Natal (Südafrika), die Sizanani-Huts. Zulu-Frauen aus der Umgebung des Klosters kamen regelmäßig zu ihr, um Handarbeiten, Nähen und Grundzüge der Hauswirtschaft und des Gärtnerns zu lernen. Dabei brachten sie ihre traditionellen Perlen-Handarbeiten mit. Sr. Sola griff dieses Kulturgut auf und schuf für die Frauen einen kleine Einkommensquelle, indem sie ihnen das Bastelmaterial zur Verfügung stellte und dann die fertigen Arbeiten abkaufte.

Dieses Einkommen ist auch heute noch bitter nötig in einer Gesellschaft, die von einer 80%igen Arbeitslosigkeit geprägt ist und in der die Frauen oftmals alleinerziehend sind, weil ihre Männer in der weit entfernten Großstadt versuchen, etwas Geld zu verdienen. Damit werden die Frauen mit ihrer Heimarbeit oft zum einzigen verdienenden Mitglied in der Familie. Sie verdienen das Geld durch ihre Arbeit, und müssen es nicht als Almosen annehmen. Das ist enorm wichtig, um ihnen Selbstwertgefühl und Würde zu erhalten. Gleichzeitig erhalten sie ihre alten Kulturtechniken lebendig und finden selbst eine Form, sich individuell und künstlerisch auszudrücken.

Nebenbei überliefern sie der jungen Generation das Erbe ihres Volkes. Viele von ihnen sind nie in die Schule gegangen, aber durch ihre Mitarbeit bei Sizanani-Huts können sie Erfolg erleben und ihre Familien ernähren. Einige machen ihre Perlenarbeiten im Schatten der Sizanani-Huts, während andere in kleinen Gruppen beisammensitzen und voneinander lernen, wie sie ihre Perlenkunst, ihre Schilfflechtarbeiten, ihr Nähen, Sticken und Töpfern perfektionieren können. Für sie alle, Alt und Jung, ist der kreative Prozess eine Quelle von Stolz und Freude - und auch des Bewusstseins, neue Herausforderungen meistern zu können.

In den 1970er Jahren haben die ersten Frauen in den "Huts" ihr Können verfeinert und traditionelle Gegenstände hergestellt; jetzt sind ihre Enkelinnen in der Initiative, perfektionieren und modernisieren Arbeitstechniken und Produkte, so dass Neues und Aufregendes entsteht. Inzwischen hat sich die Initiative unter der Leitung von Sr. Selina Baloyi weiter entwickelt zu einem differenzierten Kunsthandwerksprojekt mit dem hoffnungsfrohen Ziel, weitere Frauen auszubilden und sie in ihrer gesellschaftlichen Position zu stärken. Sr. Sola feierte im Januar 2020 ihren 100. Geburtstag. Sie wurde für ihre Arbeit 2017 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Viel wichtiger aber ist, dass über Nkandla heute viele Sterne der Hoffnung leuchten.

Artikel über Besuch in Südafrika

Wer etwas nicht Alltägliches für die Adventsdekoration oder den Weihnachtsbaum sucht und gleichzeitig helfen mag, wird im Eine-Welt-Laden in der Pfarrbücherei fündig. Schöne Olivenholzschnitzereien direkt importiert aus Bethlehem und Perlensterne von den Sizanani-Huts aus Südafrika sind im Sortiment. Darüber hinaus sind eine große Auswahl von Kaffee-Sorten, darunter auch der beliebte "Nabburger-Christkindl-Kaffee" sowie "faire" Bio-Schoko-Nikoläuse im Angebot.

Sr. Sola feierte im Januar 2020 ihren 100. Geburtstag. Bei der Begegnung 2019 hatte die Nabburger Delegation unter Reiseleitung von Pfarrer Hannes Lorenz die Gelegenheit, diese außergewöhnliche Frau persönlich kennen zulernen.

 

 

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