08.07.2018 - 11:54 Uhr
NabburgOberpfalz

Wertvoll durch Schönfärberei

Schönfärberei bedeutet heute, eine schlechte Sache besser dastehen zu lassen. Ganz anders im Mittelalter: In dieser Epoche wird die Schönfärberei praktiziert, um die Wertigkeit von Textilien zu steigern.

Raphael und Christa Haubelt (von links) begrüßten ihre Besucher und Ehrengäste anlässlich der Ausstellungseröffnung zum Thema "Das Mittelalter im Licht der Farben"
von Redaktion ONETZProfil

Eine ganz besondere Ausstellung wurde am Freitag offiziell im Stadtmuseum Zehentstadel in Nabburg eröffnet. Unter dem Motto „Das Mittelalter im Licht der Farben“ gibt es eine Sonderausstellung zu besichtigen, die unter Leitung und Konzeptionierung von Christa und Raphael Haubelt bis 5. August jeweils Dienstag bis Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet hat. Initiatorin Christa Haubelt freute sich ganz besonders, interessierte Besucher und Ehrengäste zum Ausstellungsstart begrüßen zu können. Sie führte an, dass weitläufig das Mittelalter als sehr „dunkel“ bezeichnet wird. Dem sei mitnichten so. Der Begriff der Schönfärberei ist tatsächlich der mittelalterlichen Berufssprache der Färber entlehnt. Schönfärber waren spezialisiert auf das Färben von Stoffen mit schönen roten Tönen. Mitunter zählten auch die Waid-, also Blaufärber, zur Innung. Das Schönfärben steigerte die Wertigkeit des Textils, machte minderwertiges wertvoll. Farben waren im Mittelalter generell gleichbedeutend mit Qualitäten wie Wärme oder Süße.

Zudem war es in der ständischen gegliederten Gesellschaft des Mittelalters wichtig, seinen sozialen Rang mittels bunter Kleider zu bekräftigen. Die Färberei im Mittelalter war Frauenwerk. Die mühsam herzustellenden Farben brachten nicht selten geheimnisvolles Leuchten mit sich. Die Farbentstehung und deren Bestandteile können ebenso im Stadtmuseum Zehentstadel im Schaukasten bewundert werden.

Die malerische Illumination zeigte sich im Mittelalter auch deutlich in der Kunst wieder. Diese sah die verwendeten Töne hauptsächlich losgelöst von konkreten Formen. Der Glanz machte aus profanen Farben etwas Heiliges. Die Ausstellung im Castillon-Saal des Stadtmuseums zeigt einen in Farben durchwirkten Raum, der eine weitere, faszinierende Seite der als dunkel bezeichneten Epoche zwischen Antike und Renaissance näher bringt.

Nabburger Stadtmotive auf farbigen Stoffen dominieren den Raum, Texttafeln informieren über Symbolik, Farbrezeptur und Hintergründe der Farbgewinnung und –herstellung im Mittelalter. „Mittelalterlich betrachtet war Farbe etwas ganz Besonderes, weil nicht jeder mit ihr in Verbindung kam“, so Raphael Haubelt. Die Bedeutung der Farben allgemein im Vergleich zu früher auf heute sind enorm. „Farbe berührt uns alle“.

Erster Bürgermeister Armin Schärtl lobte die tolle Idee und die prägnante Umsetzung des Konzepts, dies sei zudem eine großartige Bereicherung für den anstehenden Mittelalterlichen Markt. Viele Besucher werden die Ausstellung bewundern, ist sich Schärtl jetzt schon sicher. Ein Geheimtipp also für die Nabburger Bürger sowie für alle Gäste, die in den Farbkreis des Mittelalters und dessen Geschichte eintauchen möchten.

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