Nabburg
26.06.2019 - 15:35 Uhr

Mit Zwingerweg geht es voran

Wenn das Herz eines Archäologen höher schlägt, stockt einem Planer manchmal der Atem. „Die Überreste aus der karolingischen Zeit haben uns ein halbes Jahr gekostet“, bedauert Martin Popp mit Blick auf den Bau des westlichen Zwingerwegs.

Bürgermeister Armin Schärtl (Dritter von links) besichtigte am Dienstag mit Fachleuten die Baustelle des westlichen Zwingerwegs. Die Arbeiten sind schon weit fortgeschritten, eine Teileröffnung in diesem Jahr ist durchaus im Bereich des Möglichen. Bild: Thomas Dobler
Bürgermeister Armin Schärtl (Dritter von links) besichtigte am Dienstag mit Fachleuten die Baustelle des westlichen Zwingerwegs. Die Arbeiten sind schon weit fortgeschritten, eine Teileröffnung in diesem Jahr ist durchaus im Bereich des Möglichen.
Der Weg muss noch befestigt und beleuchtet werden. Der Blick geht in Richtung Mähntor, links ist der befestigte Aufgang zur Schmiedgasse zu erkennen. Bild: Thomas Dobler
Der Weg muss noch befestigt und beleuchtet werden. Der Blick geht in Richtung Mähntor, links ist der befestigte Aufgang zur Schmiedgasse zu erkennen.
Die Esskastanie im Hintergrund ist gesund und soll erhalten werden. Bild: Thomas Dobler
Die Esskastanie im Hintergrund ist gesund und soll erhalten werden.
Markant ist die Mauer aus Bruchsteinen (rechts), die den Zwingerweg talwärts begrenzt. Auf diesem Bild erkennt man im Hintergrund den großen Esskastanien-Baum, der in den Zwingerweg integriert werden soll. Bild: Thomas Dobler
Markant ist die Mauer aus Bruchsteinen (rechts), die den Zwingerweg talwärts begrenzt. Auf diesem Bild erkennt man im Hintergrund den großen Esskastanien-Baum, der in den Zwingerweg integriert werden soll.
Bei der Baustellenbesichtigung weist Reinhard Frischolz (Josef Bauer GmbH – Hoch- und Tiefbau aus Niedermurach) als Aufseher über die Arbeiter auf markante Punkte in der Bauausführung hin. Bild: Thomas Dobler
Bei der Baustellenbesichtigung weist Reinhard Frischolz (Josef Bauer GmbH – Hoch- und Tiefbau aus Niedermurach) als Aufseher über die Arbeiter auf markante Punkte in der Bauausführung hin.

Der Münchner Architekt und Stadtplaner (XOStudio für Architektur, Städtebau und Design) gehört zu einer kleinen Gruppe von Fachleuten, die am Dienstagnachmittag auf Einladung von Bürgermeister Armin Schärtl den Baufortschritt am westlichen Zwingerweg besichtigen. Es ist kurz vor Ende des Arbeitstages, einige Männer richten gerade die Baustelle für die Nacht her. "Das ist hier eine internationale Truppe", weiß Schärtl, "die Leute kommen aus mehreren europäischen Ländern". Der Bürgermeister ist voll des Lobes: "Ich bin immer wieder hier, und auf der Baustelle wird immer fleißig gearbeitet."

Mit Folgewirkungen

Der Zwinger um die Altstadt ist bereits im Abschnitt Nord und Ost saniert. Der neue Abschnitt West gliedert sich in zwei Bauabschnitte. Der erste ist rund 180 Meter lang zieht sich vom Mähntor bis zum Anwesen Schreiner, der zweite Bauabschnitt wird etwa 90 Meter lang sein und weiter führen bis zum Obertor. "Den zweiten Abschnitt werden wir heuer nicht mehr in Angriff nehmen können", informiert Schärtl - was auch mit den zeitlichen Verzögerungen zu tun hat, die beim Bauabschnitt eins notwendig wurden.

Dabei wurden nämlich im Jahr 2018 Reste einer karolingischen Stadtmauer entdeckt und ein Grab einer Frau aus dieser Zeit. Gerade die Mauerreste stellten die Planer vor schwerwiegende Probleme. Man durfte sie auf Geheiß der Archäologen nicht wegreißen und so wurden sie schließlich mit einem Schutz aus Beton versehen. Jetzt führt der Weg über sie hinweg. Das hat aber auch die Konsequenz, dass der westliche Zwingerweg an dieser Stelle einen Meter höher liegt, als vorgesehen - was natürlich Auswirkungen auf die Bruchsteinmauer hatte, die den Zwingerweg talwärts begrenzt. Sie wurde ebenfalls deutlich höher "und wir haben vier Mal so viel Bruchsteine benötigt als gedacht", so Architekt Popp.

Esskastanie bleibt

Die erste Etappe des westlichen Zwingerwegs beginnt mit einem Stufenantritt beim Mähntor, es gibt mehrere Rondelle, Sitzgelegenheiten und einen Aufgang zur Altstadt, der in die Schmiedgasse führt. Die Herstellung des Weges, der zunächst an einem Rückgebäude der Zinngießerei Schreiner endet, ist schon weit gediehen. Bereits auf den ersten Metern, also nur wenige Schritte nach einem kleinen Durchlass im Mähntor (der derzeit von der Straße her mit einer blauen Plane verdeckt wird), steht eine prächtige Esskastanie. "So ein Baum hat in unseren Breiten Seltenheitswert, man findet diese Art eher in Südtirol", wusste der Bürgermeister. Der Baum ist gut in Schuss und soll auf jeden Fall stehen bleiben.

Die Arbeiten am westlichen Zwingerweg sind auch durch die räumliche Enge der Baustelle und ihres Vorplatzes gekennzeichnet. Für die Fahrer von Baggern und Betonmischern ist das Zentimeterarbeit, um nicht Hausfassaden oder Autos zu beschädigen. Vor Ort hat Reinhard Frischholz die Aufsicht über die Arbeiter. Er weiß, wie wenig gute Männer es gibt, die eine Bruchsteinmauer so exakt hochziehen können, wie das beim westlichen Zwingerweg geschehen ist. "Heutzutage ist ja schon schwierig, überhaupt Mauerer zu finden", bedauert er.

Noch schwieriger

Wenn auch die letzten Meter des ersten westlichen Zwingerwegabschnitts in Richtung Mähntor fertig sind, kann er für die Öffentlichkeit freigegeben werden. "Teileröffnung" nennt sich das und die Verantwortlichen sind sicher, das in diesem Jahr noch hinzubekommen. Wie es aber mit dem westlichen Zwingerweg ab dem Gebäude der Zinngießerei weitergeht, steht noch in den Sternen. Wird der Gebäudteil, der den Weg versperrt, weggerissen - oder soll er mit einem Steg umgangen werden? Diese Fragen sind noch offen. Was Architekt Martin Popp aber jetzt schon weiß: "Der zweite Bauabschnitt wird noch schwieriger als der erste." Selbst wenn man nichts findet, was Archäologenherzen höher schlagen lässt".

 
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