16.04.2019 - 12:12 Uhr
Naslitz bei SchlammersdorfOberpfalz

Ein Papagei zum Duschen

Manche nehmen ihren Hund mit ins Bett, andere teilen sich den Esstisch mit ihrer Katze. Und dann gibt es noch Martin Schmidt - der Naslitzer nimmt Papageien mit unter die Dusche.

Von Martin Schmidts Schulter aus genießt „Kiki“ den Ausblick. „Picasso“ hat es sich auf seiner Hand gemütlich gemacht.
von Anne Wiesnet Kontakt Profil

"Der Mann mit dem Vogel" nennt sich Martin Schmidt mit einem Augenzwinkern. Er lebt in Naslitz bei Schlammersdorf mit sechs Graupapageien und einigen Wellensittichen unter einem Dach. Die Tiere bedeuten ihm alles. Besonders an die Graupapageien "Kiki" (4) und "Picasso" (1) hat er sein Herz verloren. Mit ihnen hat der 42-Jährige, der im Polizeipräsidium Bayreuth arbeitet, nicht nur Badespaß, er hört den beiden auch gerne zu, wenn sie seinen Handy-Klingelton nachsingen. Und der könnte passender nicht sein.

Denn wird Martin Schmidt angerufen, erklingt die Titelmelodie von "Hubert und Staller", den beiden Chaos-Polizisten aus dem Fernsehen. "Sie können die Melodie noch nicht ganz", erzählt der 42-Jährige. Aber das sei nur eine Frage der Zeit. Beigebracht hat er ihnen diese aber nicht. "Sie schnappen es einfach auf. Man braucht es ihnen nicht lernen", sagt er. Dem Naslitzer fallen noch weitere lustige Anekdoten ein, wenn er vom Alltag mit seinen Graupapageien erzählt. Die Tiere können mit Geräuschen nämlich auch die ein oder andere Verwirrung stiften. Schmidt weiß das aus Erfahrung. Er erinnert sich dabei besonders an eine Situation: Er hatte Besuch, und seine Bekannten sagten zu ihm, er solle doch schnell ans Telefon gehen und den Anrufer nicht länger warten lassen. Schmidt habe lachen müssen und erklärt, dass das Klingelgeräusch nicht vom Telefon komme. Seine Gäste wollten das zunächst nicht glauben. Aber das einzige, was in dem Haus "klingelte", war tatsächlich der Papagei. "Sie ahmen so gut nach, dass man die Geräusche nicht unterscheiden kann", sagt er.

Ein anderes Mal saß ein Versicherungsvertreter in der Küche. Plötzlich war ein leises "Hallo" aus Richtung Wohnzimmer zu hören. Der Mann fragte Schmidt, ob er nicht nachsehen wolle, wer auf seiner Terrasse stehe. Aber auch hier hatten "Kiki" und "Picasso" täuschend echt Stimmen nachgeahmt.

"Graupapageien sind sehr intelligente Tiere. Sie lernen schnell", beschreibt der Naslitzer seine Faszination an den Tieren. "Die Bindung zum Papagei ist anders als zum Sittich - intensiver, enger, denn Papageien geben mehr zurück." Das merkt man auch, wenn Martin Schmidt ihnen behutsam das Kinn oder den Bauch krault. Die Vögel schmiegen sich fest an den 42-Jährigen, wollen nicht, dass er aufhört. Wenn sie Angst haben, plustern sie ihr Gefieder auf und suchen sofort Schutz bei ihm. Er ist ihre Bezugsperson, ihm vertrauen sie. Die "Beziehung" zwischen ihnen geht sogar so weit, dass "Kiki" auf Schmidts Schulter sitzt, wenn er in die Dusche steigt. Dann lassen sich Mensch und Tier das Wasser gemeinsam auf Haut und Federn prasseln. "Das mache ich aber nur, wenn ich viel Zeit habe."

Das Wasser teilen sie sich manchmal auch aus der Trinkflasche. Setzt Schmidt die Öffnung an den Mund, drückt "Kiki" ihren Schnabel ganz nah an seine Lippen. So erwischt sie ein paar Wassertropfen. "Je mehr Zeit man mit ihnen verbringt, desto mehr machen sie", erzählt er. "Kiki", das Papageien-Weibchen, hat er vor rund vier Jahren bei sich aufgenommen. Sie ist der erste Graupapagei in Schmidts Zucht. Die anderen kamen nach und nach. "Sie sind alle blutfremd", sagt er. Demnächst möchte er versuchen, sie zu paaren - so wie die Wellensittiche. "Ich habe schon seit meiner Kindheit Vögel. Auf dem Land wächst man mit Tieren auf", berichtet er. Wann auch kleine Graupapageien zu Schmidts Truppe gehören werden, weiß er noch nicht genau. Mit viel Geduld und Zeit sitzen sie dann aber bestimmt auch auf seiner Schulter - vielleicht sogar unter der Dusche.

An einer Leine darf Graupapagei "Kiki" auch draußen herumflattern. Martin Schmidt kuschelt aber lieber im Wohnzimmer mit ihnen.
Graupapageien spielen gerne – hier mit einem Flaschendeckel.
Die beiden Graupapageien haben vom Wohnzimmer aus eine schöne Aussicht auf die Nachbarwiesen.
Info:

Der Graupapagei

„Kiki“ und „Picasso“ sind Kongo-Graupapageien. Die Vögel haben ein graues Gefieder, sind überwiegend in der Republik Kongo in Afrika beheimatet und laut Kleintierzüchter Martin Schmidt aus Naslitz sehr intelligent. „Man kann die Tiere mit einem fünfjährigen Kleinkind vergleichen“, sagt er. Die Vögel würden sogar Formen und Farben erkennen und hätten verschiedene Charaktere. „Die Lebenserwartung von Graupapageien liegt zwischen 50 und 70 Jahre“, berichtet Schmidt weiter. Das Gewicht eines Vogels schätzt er auf rund 400 Gramm.

Die Kongo-Graupapageien ernähren sich überwiegend von Kürbiskernen, Früchten und Körnermischungen. „Hochwertiges Futter mit Vitaminen ist wichtig. Bei falscher Ernährung rupfen sie sich“, erklärt der 42-Jährige, der auch Mitglied beim Eschenbacher Kleintierzüchterverein ist. Ein Zehn-Kilo-Sack Futter halte bei ihm rund einen Monat.

Für die Graupapageien, die laut Schmidt seit 1. Januar 2017 sogar auf der Roten Liste gefährdeter Tierarten stehen, ist zudem viel „Papierkram nötig“. Ohne einen Züchternachweis, Papiere und der Meldung beim zuständigen Landratsamt dürften die Tiere nicht gehalten werden. Das Landratsamt überprüft das auch, weiß Schmidt.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.