23.09.2018 - 16:50 Uhr

Neon-Pink bis Blau und Beton bis Basalt

Frivoler Freidenker, authentische Alltagskleidung, ein Wind-Wasser-Gleichnis und Bade-Brause bilden den Höhepunkt der 6. Kastler Kunsttage.

Sabine Weber, Christian Heß, Johann Sturcz und Georg Pickl (von links) eröffnen die 6. Kastler Kunsttage im Steinstadel. Bild: Dagmar Williamson
Sabine Weber, Christian Heß, Johann Sturcz und Georg Pickl (von links) eröffnen die 6. Kastler Kunsttage im Steinstadel.

(dwi) Johann Sturcz, Sabine Weber, Georg Pickl und Christian Hess bieten ihren Kunstwerken bis Oktober ein neues Zuhause im Steinstadel. Auserwählt vom Kastler Verein für Tourismus und ortsansässigen Künstlern, die zeitgleich ihre Ateliers öffnen. Knapp 1000 Besucher werden heuer erwartet - ein Magnet für den Tourismus einer Gemeinde mit weniger als 3000 Bewohnern.

42 verblüffende Exponate schmücken auf zwei Etagen den Stadel. Grell, herausfordernd und verflossen ist die Malerei von Johann Sturcz. "Digital clay", sagt der Amberger. Ergo, wie ein lehmartiger Batzen, dessen feste Form beim Morph-Übergang im Kopf des Schöpfers entsteht. Aus purem Zorn und dem reflektierenden Selbst malt er dann außergewöhnliche Werke mit Schock-Titeln, wie "Aktuelle Scheiben der Hirnwurst" und "The great Schwanzvergleich". Letzteres spiegelt einen menschlichen Naturtrieb wider. Es ist die Unsicherheit eines jeden Geschlechts. "Wer hat den Größten? Wer ist besser? Wer hat mehr?" Für Johann Sturcz stand es außer Frage, dieses Werk, auch aus aktuellem politischen Anlass, zu präsentieren.

Denim ist der Stoff aus dem die nächsten Unikate sind. Sabine Weber aus Erlangen nutzt alte Jeans, ohne dehnendes Material und mit Vorliebe für das Original von Levi Strauss. Mit gleichmäßig langen, geschnittenen Streifen formt die Künstlerin Denim-Muster in einem Rahmen. Dabei erstellt sie optische Täuschungen wie bei "Kniekehlen" oder Schattenspiele mit "Hell über Dunkel".

Georg Pickl geht Umwege, um seine Fotografien auszustellen. Mit einer 6x6-Mittelformatkamera schießt er zwischen Schneeschmelze und Windböen Formen aus der Natur, Gestein in Parkstein und Wiesen aus der Nachbarschaft. "Obwohl hart, wirkt der Stein ebenso elegant wie das weiche Gras", erklärt der Kastler seine Basalt- und Grasreihe. Die dabei entstandenen Negative scannt der Fotograf, kehrt die Werte per Software um und verwandelt alles in eine Datei. Der entstandene Druck zeigt jedoch keinerlei Daten- oder Qualitätsverlust. Das ist die Kunst. Pastelltürkis scheint das zweiteilige Objekt "herzlich" auf einem Podest. Es verströmt den imaginären Duft von Kokos und Ananas, um als Sprudel in der Wanne zu enden. Was einer Bade-Brause zum Verwechseln ähnlich sieht, ist in Realität geruchsloser, eingefärbter Beton. Der Ursprung, eine Herz-Form, wird von Christian Heß digital errechnet, neu kombiniert und programmiert. Aus zwei Halbkreisen und einem darüberliegenden Dreieck werden unendliche Figuren gefräst und mit Rundungen verlängert. Ein weilendes Schauspiel der Gegensätze bieten die Kastler Kunsttage in diesem Jahr mit Skulpturen und Malerei von namhaften Künstlern aus Bayern.

Frivoler Freidenker aus Amberg: Johann Sturcz präsentiert "The great Schwanzvergleich" aus aktuellem politischen Anlass. Bild: Dagmar Williamson
Frivoler Freidenker aus Amberg: Johann Sturcz präsentiert "The great Schwanzvergleich" aus aktuellem politischen Anlass.
"Aktuelle Scheiben der Hirnwurst" von Johann Sturcz. Bild: Dagmar Williamson
"Aktuelle Scheiben der Hirnwurst" von Johann Sturcz.
Der pastell türkise Schein trügt: Keine Bade-Brause, aber verformte Herzen aus Beton von Christian Heß. Bild: Dagmar Williamson
Der pastell türkise Schein trügt: Keine Bade-Brause, aber verformte Herzen aus Beton von Christian Heß.
Auch überdimensional in rosa wirken die Werke von Christian Heß "herzlich". Bild: Dagmar Williamson
Auch überdimensional in rosa wirken die Werke von Christian Heß "herzlich".
Optische Täuschung durch "Kniekehlen" von Sabine Weber. Bild: Dagmar Williamson
Optische Täuschung durch "Kniekehlen" von Sabine Weber.
"Hell über Dunkel" - Kontrastspiele von Sabine Weber Bild: Dagmar Williamson
"Hell über Dunkel" - Kontrastspiele von Sabine Weber
 
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