10.07.2019 - 10:08 Uhr
Bad NeualbenreuthOberpfalz

Herzlicher Applaus für Abschiedstränen

Ferdinand Köstler, der Vorsitzende der Holzverwertungsgenossenschaft Stiftland, legte sein Amt mit einem leidenschaftlichen Resümee seiner Arbeit nieder. Am Ende wurde es dann sehr emotional.

Herzlich verabschiedet wurde Ferdinand Köstler (Dritter von links, mit Ehefrau Helga) von Herbert Meier von der Bezirksgenossenschaft, Aufsichtsrat Ludwig Weiß, dem neuen Vorsitzenden, Robert Weiß, Bürgermeister Klaus Meyer (von links.) und Hubert Schnurrer (vorne).
von Ulla Britta BaumerProfil

Als sich "Ferdl" Köstler bei seinen Mitstreitern bedankte, stockte ihm die Stimme. Der Vorsitzende der Holzverwertungsgenossenschaft Stiftland, der am Freitagabend in der Gaststätte "Kleine Kappl" sein Amt nach 25 Jahren ablegte, weinte ein paar Tränen vor Rührung über den Abschied. Dafür gab es Sonderapplaus.

Ferdinand Köstler hat die Genossenschaft 25 Jahre geleitet und dabei manche Tiefpunkte durchstanden. Selbst an seinem letzten Tag als Vorsitzender nahm er kein Blatt vor den Mund: Es ging darum, die Genossenschaft vehement als eine für den Landkreis und die Umwelt wichtige Einrichtung zu verteidigen. Köstler wies nachdrücklich darauf hin, dass man vor 25 Jahren die Zeichen der Zeit erkannt habe. Es seien jährlich 800 000 Liter Heizöl durch nachhaltige Ressourcen ersetzt worden.

"Nicht jedes Klump"

"Wir waren der Zeit weit voraus", so Köstler. Der Vorsitzende zeigte sich enttäuscht vom Bezirk, der die Genossenschaft bei aktuellen Verhandlungen in der Luft hängen lasse. Der Bezirk überlege, das Heizwerk zu übernehmen. "Wir geben das nicht aus der Hand", so Köstler. Wegen der Investition nach 25 Jahren, weil das Heizwerk in die Jahre komme, sei Planungssicherheit nötig. Aber die Vertragsverhandlungen mit dem Bezirk liefen zäh.

Neualbenreuth werde mit Waldmünchen verglichen. Das sei, als würde man Äpfel mit Birnen vergleichen. Im Sibyllenbad seien die Betriebskosten wesentlich höher, auch weil man im Kurgebiet besser aufpassen müsse, was man verwerte. Köstler: "Wir können hier nicht jedes Klump verschüren." Köstler sprach von Wertschöpfung, den man schaffe gepflegte Wälder für die Kurgäste und das Sibyllenbad und die Genossenschaft arbeite nachhaltig und regional. "Und nicht nur jetzt, seit alle davon sprechen, sondern seit 20 Jahren schon." Nach dem Geschäftsbericht der neue Vorsitzende gewählt - Robert Weiß aus Poppenreuth, einstimmig.

Umwelt- und Heimatpreis

Herbert Meier vom Bezirk erinnerte bei der Verabschiedung von Köstler daran, dass die Holzverwertungsgenossenschaft Stiftland 1995 den deutschen Umweltpreis bekommen habe und auch mit einem Heimatpreis geehrt worden sei, für das herausragende Miteinander von Ökologie und Ökonomie. Meier überraschte Köstler mit einer Urkunde und dem silbernen Raiffeisen-Ehrenabzeichen. Von Aufsichtsrat Ludwig Weiß gab es für Ehefrau Helga Blumen und für Ferdinand Köstler einen Zuschuss zu seinem neuen Hobby, dem Reisen. Ludwig Weiß betonte, dass sich das Guthaben dank Köstlers vorausschauenden Denkens und durch dessen Verhandlungsgeschick verdoppelt habe. Ferdinand Köstler ließ noch einmal die Gründung Revue passieren, die in Österreich nach der Besichtigung eines Heizwerks über die Bühne gegangen sei. Er bedankte sich bei allen Mitstreitern, den Gründungsmitgliedern und bei seiner Frau Helga, Bernhard Kraus, Herbert Kraus, Georg Grillmeier und Hubert Schnurrer. Zur Zukunft der Genossenschaft betonte Köstler, hier werde Wertschöpfung für die Heimat betrieben. "Warum sollen wir Gas aus Russland beziehen, wenn wir Holz aus dem heimischen Wald vor der Haustür haben zum Heizen?" Das sei damals wie heute wertvoll und richtig. Ihm seien immer die Menschen dahinter wichtig gewesen, nicht die Genossenschaft als solche oder das Geld. Infokasten

Erstes Ziel eine Reise ins Baltikum:

Ferdinand Köstler scheidet aus, weil er seine Mitgliedschaft in Verbindung mit der Übergabe seiner Landwirtschaft an die Nachkommen abgegeben hat. Jetzt, sagt er, wolle er sich mit seiner Frau dem Reisen widmen. Als erstes Ziel strebt der 64-Jährige in seiner neu gewonnenen Freizeit eine Reise ins Baltikum an. Der neue Vorsitzende, Robert Weiß, ist 43 Jahre alt, hat eine Familie mit drei Kindern und betreibt in Poppenreuth Land- und Forstwirtschaft. Außerdem gehe er auf die Jagd und sei auch deshalb dem Wald schon immer sehr verbunden, sagte er. Wieder bestätigt in seinem Amt wurde bei den Neuwahlen Ludwig Weiß als Aufsichtsrat. (ubb)

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