18.10.2018 - 10:35 Uhr
NeualbenreuthOberpfalz

Der typische Klang in Bayerns Norden

Für die Referenten ist der Vortrag über die Neualbenreuther Mundart Neuland. Sowohl Dr. Ludwig Schießl aus Oberviechtach als auch Meinhard Köstler aus Neualbenreuth haben zuvor noch keine Veranstaltung in dieser Form bestritten.

Ludwig Schießl (links) und Meinhard Köstler unternahmen einen Streifzug durch „Alwareiterisch”, eine liebenswerte Mundart.
von Autor SLUProfil

Gemeinsam widmeten sich Köstler und Schießl in der Reihe "Sibyllenbad-Forum" vor interessierten und engagierten Zuhörern dem Thema "Die Mundart von Neualbenreuth innerhalb der bayerischen Dialekt-Landschaften", wobei Meinhard Köstler noch einen Untertitel anfügte: "Alwareiterisch" - Streifzug durch eine liebenswerte Mundart. Entstanden war die Idee eines "Vortrags im Duett" im Laufe der Bekanntschaft der beiden ehemaligen Pädagogen, die sich durch einen Besuch des Oberviechtachers und seiner Frau 2013 im Sibyllenbad ergeben hatte. Mittlerweile sind die Ehepaare Schießl und Köstler miteinander befreundet, was in einer Seelenverwandtschaft auf vielen Gebieten wurzelt. In seiner Funktion als Leiter des Oberviechtacher Dialektforums ist Ludwig Schießl als Vortragsredner in ganz Bayern und darüber hinaus unterwegs. Aufgrund seiner Herkunft und Biografie liegen ihm vor allem der nordbairische Dialekt und die Dialektpflege allgemein sehr am Herzen. Rektor a. D. Meinhard Köstler hat sich seit vielen Jahren mit großer Intensität der Heimatforschung verschrieben, wozu natürlich auch der Dialekt zählt.

Somit lag es nahe, dass sich die beiden ihrem Vortagsthema gemeinsam annäherten - der eine mehr von der theoretischen, der anderen mehr von der praktischen Warte. Heraus kam ein kurzweiliger Abend, bei dem sich Schießl und Köstler entlang eines inhaltlichen roten Fadens gegenseitig die "Bälle zuspielten" und damit sowohl für Information als auch für Unterhaltung sorgten.

Ihr Vortrag ging von der Zielsetzung aus, einerseits die Mundart von Neualbenreuth zu charakterisieren und in die dialektale bayerische Gesamtsituation einzuordnen sowie andererseits die Zuhörer für diese Dialektausprägung und ihre Eigenheiten zu sensibilisieren. Dabei deckten die Referenten mit umfangreichem und einprägsamem Bild- und Kartenmaterial die Bereiche Dialektgeographie, Lautung und Wortschatz ab und unternahmen den Versuch, die dargestellte Mundart in einen Bezug zur Historie der Region zu setzen.

Als Quintessenz des typischen Klangs des im äußersten Norden der Oberpfalz gesprochenen Idioms zitierte Ludwig Schießl den Satz "Am Buan druam henkt ã Huasn varan Mõa, dej haoud ã Luach", während Meinhard Köstler aus seinem reichen Fundus eine Fülle ausgefallener Wörter erläuterte und dabei die Zuhörer mit einbezog.

Das zweite Brett von oben weist eine “Glumpsn” auf.
Hintergrund:

Charakteristische Lautmerkmale

Bei der in Neualbenreuth gesprochenen Mundart handelt es sich um das eigentliche Nordbairische. Dessen Hauptmerkmale sind die sogenannten gestürzten Diphthonge "ej" (Beispiel: Brejf / Brief) und "ou" (Beispiel: Brouder / Bruder). Daneben tauchen eine Reihe weiterer charakteristischer Lautmerkmale auf, die in dieser Form weiter südlich davon, wie etwa in Oberviechtach, nicht existieren. Die markantesten sind "ia" (Beispiel: Kian / Kette) und "ua" (Beispiel: Luach / Loch).

Eine Besonderheit von Neualbenreuth, die man nur in einem relativ kleinen geographischen Bereich vorfindet, ist der nasale Zwielaut "õa" (Beispiel: Mõa / Mann). Auch in Bezug auf den Wortschatz ergeben sich viele lokale bzw. regionale Eigenheiten. Während zum Beispiel die Wörter "Glumpsn" (Spalt in einem Holzbrett) und Hackahàl (Axtstiel) sowohl in Neualbenreuth als auch in Oberviechtach bekannt sind, sind die folgenden Ausdrücke auf ein bestimmtes Gebiet im Norden der Oberpfalz beschränkt: Roiweaman (Randbaum), Gsäia (nasser Wiesenboden), Hiablon (Hebevorrichtung, zum Beispiel für schwere Baumstämme), Birl (Federbettzudecke, flacher Dachboden). (slu)

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