30.07.2018 - 15:19 Uhr
NeualbenreuthOberpfalz

Zeitreise rund um den Ringelfelsen

Tief im Oberpfälzer Wald schlummert nahe der tschechischen Grenze bei Neualbenreuth (Kreis Tirschenreuth) der mystische Ringelfelsen. Der neue Rinnlstein-Rundweg führt die Wanderer direkt zum alten Riesen.

von Redaktion ONETZProfil

Die neuneinhalb Kilometer lange Wanderung zum Ringelfelsen startet am Naturfreundehaus Wernersreuth, das etwas abgelegen im Tal in kurzer Entfernung beim gelichnamigen Dorf liegt. Der Startpunkt befindet sich bereits mitten in der Natur. Der Rinnlstein-Wanderweg wurde erst am 1. Juni dieses Jahres eröffnet. Zusammen mit Wegepaten Michael Rückl, der den Weg hauptsächlich erschlossen und organisiert hat, wandern etwa zwei Dutzend Abenteurer los. Angst, sich im Wald zu verlaufen, müssen sie nicht haben. Neuangebrachte Schilder und Wegweiser, ein brauner Kreis mit Umrandung und Sonnenstrahlen, zeigen der Gruppe den Weg. Nur die ersten paar Meter verlaufen auf freier Fläche, dann verschluckt der Wald die Wanderer.

Stetig bergan führt der Weg steil den Heidelberg hinauf. Die Gruppe kommt ganz schön ins Schwitzen. Doch der Wald spendiert Erfrischung: Drei Quellen mit Trinkwasser entspringen in diesem Gebiet: Korn-, Point- und Hendlmühlbach. Die drei passieren verschiedene Gesteinsschichten, wodurch das Wasser gefiltert wird und die Wasserqualität der Quellen einmalig macht.

Mythen vom Zauberschloss

Lauschige Waldpfade und schöne Forstwege führen zu zwölf teilweise unscheinbaren Plätzen, die besondere Geschichten zu erzählen haben. Zusammen mit seinen Helfern hat Rückl aus dem Rundweg einen Stationenweg erschlossen und erläuternde Infotafeln aufgestellt. Das dritte Informationsschild zeigt, dass der Gipfel des Heidelbergs erreicht ist. Der Wegewart zeigt auf den Felsen. "Hier oben am Heidelberg kann man direkt neben Felsformationen Versuchsstollen erkennen. Die Goldgräberei war für Neualbenreuth sehr wichtig." Zwölf Stationen und Informationstafeln zeigen geschichtliche, geologische und botanische Hintergründe. Sie geben Einblick in das Vergangene. Mit Hilfe des QR-Codes können auch englisch- und tschechischsprachige Besucher den Inhalt in ihrer Sprache nachlesen.

Vom Heidelberg geht es hinab über den weichen Waldbodenweg. Die Füße scheinen sich wie von selbst zu bewegen. Fernab von allem Lärm sind nur ein paar Vögel zu hören. Sobald der Wind durch die Blätter und Tannennadeln weht, ist es, als ob die Gruppe das Wispern und Säuseln des verschollenen Burgfräuleins hört. Sie bewahrt den Schlüssel des Tores zum versunkenen Zauberschloss im Ringelfelsen auf. Man munkelt, dass seit ihrem Verschwinden der böhmische Wind besonders energisch durch die Wälder bläst. Tatsächlich ist der "Böhmische" von böiger und meist eisiger Natur.

An einem Baumstumpf bleiben die Wanderer stehen. Dort stand einst eine Rainbuche von großer Bedeutung. Als Solitärbaum im Fichtelwald markierte die Buche, heute der Stumpf, die Grenze zwischen Waldsassen und Eger und die Gerichtsgrenze der Fraisch. So bezeichnete man laut Egerer Landseuterbuch von 1395 die Gegend um Neualbenreuth.

Dann muss sich die Gruppe entscheiden: Nehmen sie die Abkürzung direkt zum Ringelfelsen oder folgen sie den Stationen weitere viereinhalb Kilometer? Die Neugier treibt die Wanderer weiter den Birkenberg hinauf. Auf über 700 Meter über dem Meeresspiegel ist der Birkenberg in der Umgebung des Ringelfelsen der höchste Punkt. Oben angekommen ist Zeit, um kurz inne zu halten und den Blick über den Egerer Stadtwald schweifen zu lassen. Schließlich erreichen die Wanderer um den Neualbenreuther Führer den Egerer Wanderparkplatz. Auch von hier aus lässt sich die Route beginnen.


Köhlerplätze im Wald

Knapp einen Kilometer vor dem Ringelfelsen machen kornische Formationen im Wald die Wanderer stutzig. An einem abfallenden Hang entdecken sie in etwas Abstand runde, flache, aber bewachsene Kreise im Wald. Mindestens neun solcher Bereiche reihen sich hier auf wenige hundert Meter aneinander. Es sind ehemalige Köhlerplätze, klärt der Wegewart auf. Die Köhlerei ist eine der ältesten Handwerkstechniken der Menschen, berichtet er. Vor hundert Jahren schlichteten die Köhler Bäume in Kratern auf und verbrannten sie, um Holzkohle zu gewinnen. Die Überreste sind heute noch zu sehen und zu spüren: Die dunkle Verfärbung durch die Kohle ist in der Erde sichtbar.

Die Gruppe überquert das "Rinnl", ein kleines, munteres Bächlein, das dem Gestein seinen Namen gab. Aus dem "Rinnl", der angrenzenden "Rinnelwiesen" sowie dem "Rimmelbrunnen" entwickelte sich im Sprachgebrauch die Bezeichnung "Ringel". Plötzlich taucht er auf: Direkt vor den Wanderern thront der majestätische Ringelfelsen, eine oberirdische Felsformation mit Quarzit durchsetzten Schiefer, in 653 Metern über Normalnull. Der sogenannte Phyllit stammt aus dem Erdzeitalter des Kambriums und ist 541 bis 485,4 Millionen Jahre alt. Sonderbar ruhig und andächtig ist die Atmosphäre hier. Seit 1977 ziert ein hölzernes Kreuz die überhängende Felswand. Gelegentlich finden dort Gottesdienste oder Andachten statt.

Gegenüber befindet sich die Ringelfelsenhütte. Hüttenwart Michael Rückl sorgt hier für eine Bewirtung jeweils am letzten Sonntag im Monat. Das letzte Stück Rückweg vergeht wie im Flug. Fast eben führt die Wege aus dem Wald hinaus und zurück zum Startpunkt: Dem Naturfreundehaus Wernersreuth.

Historischer Hintergrund

Der Name "Ringelfelsen" hat nichts mit einer ringelförmigen Struktur zu tun. Der Ursprung der Bezeichnung liegt in der historischen Besonderheit der "Fraisch", die Gegend um Neualbenreuth: 1591 gab es vehemente Grenzstreitigkeiten zwischen dem Stift Waldsassen und der der Reichsstadt Eger. Die Grenzverläufe sind geprägt von landschaftlichen Gegebenheiten wie Bergrücken, Steilhängen, Bach- und Flussläufen. Auf dem umstrittenen Grundstücksstreifen ist noch heute eine Rinne mit Bachlauf erkennbar, die fast hinauf bis zum Sattel von Birken- und Heidelberg reicht. Dieses "Rinna" (althochdeutsch), das Grenzbächleich, gab dem Ringelfelsen seinen Namen.

Anfahrt:

Wie man zum Rinngel-Rundwanderweg kommt:

Das Naturfreundehaus Wernersreuth erreicht man über die Autobahn A93. Bei der Ausfahrt Mitterteich Süd abfahren und dem Wegweiser "Neualbenreuth" oder "Sibyllenbad" folgen. Nach den Ortschaften Leonberg und Pfaffenreuth erreicht man Wernersreuth, ein Dorf im Tal. Etwa ein Kilometer nach dem Ort geht es rechts zum etwas abgeschiedenen Gast- und Wirtshaus.

Infos zur Strecke::

Möglichkeiten die Strecke zu gehen

Den 9,5 Kilometer langen Rinnlstein-Rundweg kann man von einem der drei Parkplätze wandern. In Pfeilrichtung beginnend schlägt man auf der Tour eine ungleiche Acht ein, um eine abwechslungsreiche Strecke zu erleben. Alternativ kann man dem Weg den Nummern aufsteigend folgen. Je nach Kondition besteht die Möglichkeit, die zwölf Stationen auch in zwei Runden aufzuteilen. Der Weg ist für Familien und Personen jeden Alters geeigent, allerdings sollte man mit ein paar Steigungen, knappe 300 Höhenmeter, rechnen. Einkehr ist sowohl im Naturfreundehaus Wernersreuth, als auch in der Ringelfelsenhütte zu den Öffnugnszeiten möglich.

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