16.01.2019 - 14:42 Uhr
Neudorf/Luhe-WildenauOberpfalz

Raus aus dem "Drogensumpf"

Immer mehr und immer Jüngere nehmen Drogen. Das ist die Einschätzung von Toni Kellermann. Der Geschäftsführer des Sozialkompetenz-Zentrums Oberpfalz will neue Angebote schaffen. Denn es gebe nicht genug.

Toni Kellermann ist Geschäftsführer des STKO. Seiner Meinung nach gibt es zu wenige schnelle Angebote für drogenabhängige Jugendliche in der Oberpfalz.
von Beate-Josefine Luber Kontakt Profil

Seien es digitale Medien, Cannabis oder Crystal. Der Konsum würde steigen und die Konsumenten würden immer jünger. So sieht es Kellermann. Genug Anlaufstellen seien deshalb sehr wichtig, gerade in einer Region, die so nah an Tschechien grenzt, wo man leicht Drogen kaufen könnte. Doch die Jugendlichen müssten gar nicht so weit fahren. „Auch in Weiden wird vertickt. Das wissen wir aus unserer Arbeit.“

Schnelle Hilfe sei deshalb unerlässlich. Doch in der Oberpfalz dauere das oft lange. Ein Termin bei den verantwortlichen Stellen, sei es bei Drogenpräventionsstellen oder bei Kinder- und Jugendpsychiatern, sei fast nicht zu bekommen, alles sei ausgebucht. „Doch es muss jetzt was passieren. Damit die Jugendlichen schnell aus dem Drogensumpf herauskommen.“ Hier wolle das Sozialkompetenz-Zentrum Oberpfalz (SKTO) einspringen, dessen Hauptsitz in Neudorf bei Luhe liegt. Ursprünglich auf Drogenprävention und Sozialkompetenz-Trainings spezialisiert, habe die Einrichtung ihr Angebot erweitert. „Dass wir nicht nur präventiv helfen können, sondern im Jetzt.“

So habe vor kurzem eine Weidener Grund- und Hauptschule, an der acht Schüler Drogen nahmen, um Hilfe gebeten – kein Einzelfall übrigens. Hier konnte das SKTO schnell helfen. Laut Kellermann biete das Zentrum einen Mix aus ganz unterschiedlichen Konzepten, von Einzelfallhilfe über Gruppenbetreuung bis zu Erlebnispädagogik. „So können wir auf jeden individuell eingehen.“ 60 bis 70 Mitarbeiter beschäftige das SKTO, etwa Sozialpädagogen, Heilerziehungspfleger und Erlebnispädagogen. Inzwischen nutzen auch immer mehr Schulen das Angebot. „Wir haben aktuell keinerlei Rückfallquote nach unserem Einsatz“, erklärt Kellermann. Deshalb habe es inzwischen schon Anfragen aus sogenannten „Brennpunkt-Schulen“ aus München und Berlin gegeben.

Doch die Einrichtung betreue nicht nur drogenabhängige Jugendliche. „Wir decken den gesamten Kinder- und Jugendbereich ab“, erklärt Kellermann. Als Beispiele nennt er Elementarpädagogik. Auch eine Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge gebe es noch in Schwandorf. Bis März 2018 betrieb er auch noch die „Eiche Noah“, eine Unterkunft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Neustadt. Nachdem die Einrichtung schloss, machte er die Wohnanlage „Eichenblick“ daraus. „Das ist quasi mein zweites Standbein“, sagt er. Dort seien Langzeitgäste wie Monteure, aber auch Kurzzeitgäste untergebracht.

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