Neudorf/Luhe-Wildenau
15.05.2019 - 14:38 Uhr

St. Barbara, der Stolz der Neudorfer

Eine Zeitreise unternahm Rektor a. D. Josef Eimer bei einem Vortrag im Vereinszentrum. Hintergrund war die 200-Jahr-Feier zum Wiederaufbau der Kirche St. Barbara im Jahre 1819. Vieles dürfte den Neudorfern dabei neu gewesen sein.

Im vollbesetzten Vereinszentrum lauschen die Gäste den Ausführungen von Rektor a.D. Josef Eimer. Bild: hme
Im vollbesetzten Vereinszentrum lauschen die Gäste den Ausführungen von Rektor a.D. Josef Eimer.

Josef Eimer begann seinen Vortrag vor zahlreichen Besuchern mit dem Jahr 1805. Auch Pfarrer Arnold Pirner sowie die Bürgermeister Karl-Heinz Preißer und Hans Meißner lauschten Eimers Worten im Vereinszentrum. Neudorf gehörte noch zu Franken, als Bayerns erster König, Max Joseph, von Napoleon berufen wurde, begann Eimer. Eine Kirche war in Neudorf bereits 1770 errichtet worden. Diese sollte so aber nicht allzu lange stehen, denn 1814 vernichtete ein Großbrand Neudorf. Die Standorte der 44 Häuser sowie Handwerksbetriebe und Gasthäuser, die damals in Holzbauweise errichtet waren, seien danach nicht mehr zu erkennen gewesen.

Ein Vulkanausbruch des Tambora in Indonesien im Jahre 1815 war für ein Jahr ohne Sommer in ganz Europa verantwortlich, fuhr Eimer fort: keine Sonne, kein Regen von März bis zum Wintereinbruch. In dieser Zeit sei in Neudorf mit dem Wiederaufbau begonnen worden. Sehr stark habe sich der damalige Landrichter von Lichtenstern eingesetzt. Von ihm stammt auch die Ausrichtung des Dorfes: eine breite und gerade Durchgangsstraße, die Seitenstraßen im rechten Winkel angelegt. Zwei Hinweise zeugen noch heute vom Wiederaufbau. Die Jahreszahl 1814 ziert eine Haustüreinfassung sowie einen Stadel, der einst beim Anwesen Hilburger und heute im Freilandmuseum in Neustadt steht.

Als die Neudorfer wieder ein Dach über dem Kopf hatten und die Wirtschaftsgebäude in Betrieb genommen waren, ging es an den Wiederaufbau der Kirche, deren Dach und Inneneinrichtung zerstört waren. Am 28. August 1817 beauftragte der Landrichter von Lichtenstern den Flosser Schreiner Nordgauer mit den Plänen zum Wiederaufbau. Noch heute zeugten detaillierte Zeichnungen von den Fähigkeiten und vom Können des Schreiners. Der Hochaltar dürfte aus der Klosterkirche in Pfreimd stammen. Für Neudorf habe er vermutlich verkleinert und umgebaut werden müssen, sagte Eimer. Die Deckenfresken habe wohl der aus Pfreimd stammende Maler Anton Betz angefertigt.

Ihre aktuellen Glocken erhielt die Kirche im Jahr 1954, nachdem die vorherigen zweimal für Kriege haben geopfert werden müssen.

Ein Großereignis dürfte die Einweihung der Kirche im Jahre 1820 gewesen sein, vermutete Eimer. Der damalige Luher Pfarrer Martin Schmer lud den Landrichter ein, der spontan zusagte und versprach, dass auch die Bürgerwehr aus Kohlberg mit 60 Mann, einschließlich Kapelle, aufmarschieren würde.

Was in Neudorf nach dem Großbrand geleistet wurde, ist laut Eimer übermenschlich. Die Neudorfer dürften auf ihre Kirche, die den Mittelpunkt des Dorfes darstellt, sehr stolz sein. Am 21. Juli feiert Neudorf die Wiedererrichtung vor 200 Jahren wird mit einem Festakt.

Referent Josef Eimer berichtet vom Großbrand vor rund 200 Jahren. Bild: hme
Referent Josef Eimer berichtet vom Großbrand vor rund 200 Jahren.
Josef Eimer erklärt den Anwesenden die Inschriften in der Kirche. Bild: hme
Josef Eimer erklärt den Anwesenden die Inschriften in der Kirche.
Das ist der Plan von Schreinermeister Nordgauer zum Wiederaufbau der Neudorfer Kirche. Bild: hme
Das ist der Plan von Schreinermeister Nordgauer zum Wiederaufbau der Neudorfer Kirche.
 
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.