Neuhaus/Windischeschenbach
09.12.2019 - 14:37 Uhr

Angriffe gegen Helfer

Immer wieder schockieren Angriffe auf Helfer die Bevölkerung. Über das Phänomen, die Statistiken und Maßnahmen informieren Experten in einer Vortragsrunde im Atemschutzzentrum Nordoberpfalz.

Rettungsdienstleiter Klaus Dvorak, Chefarzt Matthias Kalkum, Seelsorger Johannes Lukas, Polizeiinspektionsleiter Klaus Müller und Kreisbrandinspektor Lorenz Müller (von links) informieren im Atemschutzzentrum über Gewalt gegen Rettungskräfte. Bild: sne
Rettungsdienstleiter Klaus Dvorak, Chefarzt Matthias Kalkum, Seelsorger Johannes Lukas, Polizeiinspektionsleiter Klaus Müller und Kreisbrandinspektor Lorenz Müller (von links) informieren im Atemschutzzentrum über Gewalt gegen Rettungskräfte.

"Wenn der Patient den Arzt attackiert", "Autofahrer drängt Feuerwehrmann zur Seite", "Bespuckt und beschimpft nach Unfall" - Chefarzt Matthias Kalkum vom den Kliniken Nordoberpfalz hatte Schlagzeilen aus deutschlandweiten Tageszeitungen dabei. Sie zeigten ein Phänomen, das in den letzten Jahren zum Alltag von Einsatzkräften gehört: Sie sind bei ihrer Arbeit Gewalt ausgesetzt.

Klaus Dvorak ist Rettungsdienstleiter beim BRK-Kreisverband Tirschenreuth. Für ihn liegt die zunehmende Gewalt an einem Wandel in der Gesellschaft: "Früher waren die Menschen froh, wenn jemand geholfen hat. Heute werden wir als Dienstleister gesehen, die da zu sein haben." Aber die Einsatzkräfte haben darauf reagiert. In der Ausbildung wird mit einem Vier-S-Schema auf heikle Situationen vorbereitet: Scene, Safety, Situation und Support. So sollen Retter Warnzeichen frühzeitig erkennen, deeskalierend wirken und nicht zögern, die Polizei zur Hilfe zu rufen, wenn nötig.

Polizeiinspektionsleiter Klaus Müller aus Weiden informiert über die Statistiken: 2018 gab es in Bayern 7689 Straftaten gegen Polizisten, davon 4382 Gewaltdelikte. Dies führte zu 2566 verletzte Polizeibeamte. Die Täter sind meist junge Männer. Dazu kamen 79 Attacken gegen Feuerwehren und 202 gegen einen Rettungsdienst. Im Bereich Weiden gab es 2018 52 Straftaten gegen Polizisten und einer Attacke gegen einen Rettungsdienst. 2019 wurden 46 Polizisten angegriffen wobei Rettungsdienste bisher verschont blieben. Für Müller ist ein ordentliches und selbstsicheres Auftreten die Grundlage einer Deeskalation. Er weise seine Polizisten an, sich in den Bürger hineinzuversetzen.

Pfarrer Johannes Lukas ist seit 2001 Notfallseelsorger und kümmert sich seit 2006 um Einsatzkräfte. Trotz aller Schreckensnachrichten informiert er, dass Gewalt in der Gesellschaft abnehme und eher die Ausnahme sei. Angriffe gegen einen Helfer sei nicht persönlich, sondern richte sich an die Institution, die der Helfende vertritt. Findet sich jemand in einer solchen heiklen Situation wieder, reagiere der Körper mit Verwirrung und kann zu einem geänderten Verhalten führen. Oft gebe sich ein Angegriffener selbst die Schuld. Sollten diese Schuldgefühle nach 72 Stunden nicht abklingen, sollte unbedingt professionelle Hilfe gesucht werden.

 
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.