Neuhaus/Windischeschenbach
01.03.2020 - 14:09 Uhr

Der Guglhupf als Wunscherfüller

In der Mundart ist ein „Maschkerer“ jemand, der sich verkleidet. Also maskiert. Von einem solchen Menschen handelt die nachdenklich stimmende Komödie „Der Mascara“ im Schafferhof.

von fsb
Der Mascara gibt vor, durch einen Gugelhupf die Wünsche der Leute erfüllen zu können. Bild: Schönberger, Ferdinand [fsb]
Der Mascara gibt vor, durch einen Gugelhupf die Wünsche der Leute erfüllen zu können.

Das Ensemble des niederbayerischen Laienspielkreis-Theaters Mainburg (LSK) freut sich über ein volles Haus. In dem von Peter Landstorfer verfassten Dialektstück geht es um die Träume und Sehnsüchte der Menschen und ihre Leichtgläubigkeit. Die gelungene Mischung aus humorvoller Bühnengaudi und Sequenzen mit Tiefgang, dargeboten von einer elfköpfigen, erlesenen Laienschauspielertruppe, darunter mit Evi Witt-Kruse einer gebürtigen Neuhauserin („Bahler“ Evi), kam beim begeisterten Publikum voll an und erntete langanhaltenden Applaus.

Die beiden Regisseure Anja Mauritz und Stefan Hage schufen mit Techniker Michael Hintermeier die passende Atmosphäre mit Licht- und Toneffekten in einem bäuerlichen Ambiente. Sie inszenierten die Geschichte mit überraschenden Momenten – die Akteure erschienen zuweilen auch im Zuschauerraum – und realistischen Gegenständen wie etwa einer gebratenen Ente, rauchenden Zigarillos oder einem auf den Bühnenboden geworfenen Tortenstück. Die Darsteller imponierten ausdrucksstark in Mimik und Gestik genau so wie mit ihren Sprechkünsten und „erstarrten“ gleichsam, um das Ende eines Aktes abzuschließen. Der 1968 gegründete Verein „LSK“ spielt im Frühjahr und Herbst für Erwachsene Theater und an Weihnachten für Kinder, jeweils in unterschiedlichen Gruppen. „Der Mascara“ wurde in der Stadt Mainburg und Umgebung bis November 2019 elf Mal und nach einigen Proben nun am Schafferhof letztmalig aufgeführt.

Die Handlung spielt in einem bayerischen Bergdorf, über dem ein schweres Gewitter tobt. Die Bewohner haben sich aus Angst vor Bergstürzen in der hochgelegenen alten Schmiede versammelt und beten den Rosenkranz. Nur die Ungläubige (Evi Witt-Kruse) hält nicht viel davon. Da pocht es an der Tür und der geheimnisvolle „Mascara“ (Daniel Lutz) taucht auf. Er ist eigentlich ein gewöhnlicher Maskenhändler, der aber vorgibt, den Einheimischen mit seinen Zukunftsdeutungen deren Glück vorhersagen und ihre Träume verwirklichen zu können – gegen Speis und Trank und deren Ersparnisse. Nur die Ungläubige, das „Gscheidhaferl“, will sie warnen und wird prompt hinausgeworfen: „Eine diplomatische Lösung.“

So wie die Weisheit des Fuchses zu 90 Prozent aus der Dummheit der Gans besteht, nutzt der Mascara die Gelegenheit. Er gibt vor, durch eine Holzmaske, aber auch durch einen Gugelhupf oder eine Entenbrust die Wünsche der Leute erfüllen zu können. Das Annamirl (Steffi Seehofer) hat sich in ihn verliebt, unterstützt ihn und fängt so tatsächlich, als man fordert, dass sie in ein Huhn verzaubert wird, zu gackern an.

Schließlich setzt der Mascara allen pantomimisch die erwünschte – unsichtbare – Maske auf. Der Bürgermeister (Johannes Zenger), dem er den Ministerposten weissagt, will die „Maske des großen Redners“ und hält gleich eine nichtssagende Ansprache aus unvollendeten Sätzen. Der Bäcker „Doagarl“ (Sebastian Altmann) setzt die „Maske der Jugend“ auf und springt übermütig herum. Die Frau des Bürgermeisters (Katharina Kolmeder) möchte die „Maske der Grande Dame“ und bewegt sich nur noch etepetete.

Für den Knecht (Alex Ziehfreund) gibt es die „Maske der Kraft“, für den Wirt (Walter Hager), der sich einen Aufschwung beim Zoiglbier-preis erhofft, die „Maske des Charmeurs“, wonach er prompt Ausschau im Publikum hält. Die sich einen Mann wünschende Hebamme (Anita Kallmünzer) bekommt die „Maske der Wollust“ und gesellt sich gleich zum Wirt und zum Knecht.

Dem Spuk bereitet der resolute Pater (Sebastian Kolmeder) ein Ende. Er hebt den Betrüger hoch, erbittet die „Maske der übersinnlichen Kräfte“ und beweist, dass nichts dahintersteckt. Der Mascara flieht und Annamirl begleitet ihn, wenn er mit seinen Lumpereien aufhört. Doch mit dem beeindruckten Bäckerlehrling Bepperl (Jonas Laible), der den Maskensack übernimmt, ist schon der nächste „Mascara“ unterwegs in die weite Welt, die sich nur allzu gerne täuschen lässt. Man muss nur Augen und Ohren öffnen!

Die Frau Bürgermeisterin lässt den Mascara auf einen Stuhl steigen, damit er weiter sehen kann. Bild: Schönberger, Ferdinand [fsb]
Die Frau Bürgermeisterin lässt den Mascara auf einen Stuhl steigen, damit er weiter sehen kann.
Die Bürgermeistersfrau will eine Grande Dame werden. Bild: Schönberger, Ferdinand [fsb]
Die Bürgermeistersfrau will eine Grande Dame werden.
Der Mascara lässt es sich gut gehen. Bild: Schönberger, Ferdinand [fsb]
Der Mascara lässt es sich gut gehen.
Die übersinnlichen Kräfte, die sich der Pater gewünscht hatte, funktionieren nicht. Bild: Schönberger, Ferdinand [fsb]
Die übersinnlichen Kräfte, die sich der Pater gewünscht hatte, funktionieren nicht.
 
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