22.11.2018 - 14:02 Uhr
Neuhaus/WindischeschenbachOberpfalz

Mitsingen ist Pflicht

Hubert Treml begeistert die Zuschauer mit seinem aktuellen Programm "Mei, Oberpfalz" mit Musik und lustigen Geschichten über den Landstrich, den eigentlich nichtmal der Teufel geschenkt haben wollte.

von PMLProfil

Der Schafferhof war proppenvoll. Und wenn Treml über seine Heimat oder eher eine seiner Heimaten singt, wird es nicht schmalzig-kitschig. Er schaut eher mit einem Augenzwinkern und einem verschmitzten Lächeln auf den Landstrich zwischen „Eschawo und Rengschburch“. Treml ist nicht nur der „König der Oberpfälzer Liedermacher- und Kabarettszene“, er ist auch ein Meister darin, die liebenswerten und versteckt-fiesen Seiten der Oberpfälzer Seele pointiert zu sezieren.

Begleitet von Robert Prill (Gitarre) wirbelt Treml manchmal fast wie Elvis über die Bühne und lässt den „Unterhem-Brando vom Hammerweg“ hochleben, bevor er wieder ganz sanfte, fast melancholische Töne bei „Wos bessers wöi'n Doud findst ollawei“ anstimmt. Wenn er den Oberpfälzer Dialekt mit der englischen Sprache vergleicht, wird es aber dann gleich wieder fröhlich-lustig. Schließlich haben die Engländer den Oberpfälzern ihre ou- und äi-Laute in einer Nacht- und Nebelaktion weggenommen.

Gerade der Oberpfälzer Dialekt ist es, der es dem „Stoderer as der Wei’n“ angetan hat. Zum Glück haben es die Unterfranken mitsamt seiner Frau nicht geschafft, ihm diesen Dialekt zu nehmen. Auch wenn Würzburg in elf Jahren ein Stück Heimat für ihn geworden ist. Aber Oberpfälzer Liebeserklärungen zu sammeln, war dann doch stärker als das Fränkische. „Du daugst ma ins Kraud ei“ stimmt da wohl nicht nur für seine Frau, sondern auch für seinen Dialekt. Und der ist es auch, der seine Lieder zu einem Stück Heimat für seine Fans macht.

In dieser Heimat fühlen sich auch die zahlreichen Gäste am Schafferhof hörbar wohl. Kaum ein Lied, bei dem nicht mitgesungen wird. Und auch in der CD-Verkaufszeit, wie Treml die Pause nach gut einer Stunde mitreißendem Programm treffend bezeichnet, nutzen die Fans, um ihm ein Stück näher zu kommen.

Dann geht es erstmal etwas nachdenklich weiter. Bei „Vor a Hollerstauern mousst an Hout zöign“ tauchen die Zuhörer tief in Tremls melancholisch-nachdenkliche Seelenwelt ein. Aber er wäre nicht die lustig-frohgeistige Bühnennatur, wenn er das Publikum beim „Maibaum“ und einem „versautem“ Lied nicht sofort wieder zum Lachen bringen würde. Dabei bleibt er gekonnt über der Gürtellinie, denn auch Versautes ist bei ihm luftig-locker und nicht deftig-derb. Was sich auch nicht ändert, wenn Treml übers Essen scherzt oder singt. Egal, ob es da um „selbergmachte Erdbeermamalaad“ oder um den echten Oberpfälzer „Kirwakouchn“ geht.

Trotz aller Leichtigkeit scheint auch Tremls politische Seite immer wieder durch. Entweder, wenn sie wie bei „Otto und Moni“ (an Shakespeares Othello angelehnt) nur leicht anklingt, oder wenn er wie bei „Zeig jetzt dein Gesicht“ deutlich und mit Nachdruck für Freiheit, Respekt und Toleranz eintritt. Denn eines ist ihm sehr wichtig: „Man darf nicht die Menschlichkeit verlieren.“ Auch im Zugabenblock wechselt Treml zwischen fröhlichen und gedankenvollen Stücken. Nach mehr als zweieinhalb Stunden ist ein inspirierender Abend dann Vergangenheit und Treml schmeißt seine Fans mit den Worten „Äitz mäißts dann amal Ham gäi“ aus dem Saal. Wobei die Zoiglstube des Schafferhofs für so manche zum Zwischenstopp auf dem Heimweg wird.

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