06.12.2019 - 14:14 Uhr
Neuhaus/WindischeschenbachOberpfalz

Musical: "Drei Wünsche frei" begeistert Publikum im Schafferhof

Lustige Reime, dreistimmiger Gesang und amüsante Schauspielerei sorgen beim Musical "Drei Wünsche frei" im Schafferhof für Lacher und begeisterten Szenenapplaus im Publikum. Das hat auch mit einem bayerischen Nationalgetränk zu tun.

Todesmutig setzt sich Isegrim-Wolfgang (Sebastian Hagengruber, rechts) dem Blitz aus, um den Zauberstab wieder aufzuladen.
von Redaktion ONETZProfil

Wie beginnen Märchen? "Es war einmal." Genauer gesagt: Vor 500 Jahren, als der Bayerische Herzog Wilhelm IV. das Reinheitsgebot erließ. Dem eine schusselige Fee einen Einkaufszettel für den Wochenmarkt anfügte und so für viel Wirbel sorgte. So jedenfalls will es das Märchen, das Tom Bauer, Gründer und Moderator von "Tom Bauers Lachwirtschaft", als Dichter und Erzähler vorliest. Und zeitweise auch auf dem Klavier begleitet. Dieses Mal wurde nicht, wie bei "Oschnputtl", ein Märchen umgedichtet, sondern neu getextet. Die professionellen Musiker und Sänger Veronika Frank und Sebastian Hagengruber aus "Vöida", also aus Viechtach, spielen die Märchenfiguren köstlich amüsant und blitzschnell und schlüpfen dabei in zehn verschiedene Rollen. Kennen gelernt haben sich die drei an der Berufsfachschule für Musik in Plattling.

Nun hat also die Zauberfee Furunkula ("Zauberfee muaß ma studiern, des is koa Hex'! Hex' lernt ma in sechs Wocha in da VHS!" klärt sie auf) im leeren Sitzungssaal keinen Notizzettel für ihren Wochenmarkteinkauf dabei und schnappt sich einen der Zettel vom Sitzungstisch. Darauf notiert sie: Sellerie, Tomaten, Schnittlauch, einen Wurm für'n Tequila, zwölf Paar Wiener, Leberkäse… Dass sie da ausgerechnet den Gesetzestext für das Reinheitsgebot mit einem "Schmierblatl" verwechselt hat, soll schlimme Auswirkungen haben. Denn nun verkündet der Herzog dem Volk, dass Bier nur Hopfen, Gerste und Wasser haben dürfe – aber auch diese Einkaufsliste. Vor Scham und Verzweiflung zaubert sich Furunkula "500 weiter". Doch nicht 500 Meter, wie gedacht, sondern 500 Jahre, ins Jahr 2016. Wo jeder diese seltsame Mixtur als Bayerisches Bier trinkt.

Ein Engländer, Museumswärter im Ort, freut sich, dass das Englische Bier nur das Zweitschlechteste der Welt ist. Denn das Schlechteste wird in Bayern ausgeschenkt. Auch im Wirtshaus, wo sich das örtliche "Dreigestirn" aus Lehrer, Pfarrer und Bürgermeister sichtlich alkoholisiert ihre Lieblingsgetränke schmecken lassen. Der Bürgermeister (Veronika mit österreichischer Mundart) trinkt das Bier, aus dem Sellerie und Wiener herausschauen, gewürzt mit viel Schnittlauch. Der Geistliche (Sebastian) trinkt, wie sein Name sagt, am liebsten Kirschgeist, weshalb er nur noch unverständlich lallen kann. Und der Lehrer (wieder Sebastian, mit kölschem Dialekt) steht eher auf Wein. Und was hängt an der Wand im Wirtshaus? Das Reinheitsgebot von 1516. Furunkula liest: "….Wasser, Hopfen, Malz, Schnittlauch, Wurm…", und wird kreidebleich. Ihr wird klar: Sie muss schnellstens zurück und den Irrtum wieder gerade biegen. Aber wie?

Sie hat das Ladegerät ihres Zauberstabes vergessen. Ein "Magic Load", wie sie betont, als sie auf die beiden Esoteriker und Veganer Latrina-Clothilde und Isegrim-Wolfgang trifft, und beschreibt, wie das aussieht. "So eins ham mia im Museum!" freut sich Wolfgang. Doch wie am Freitagabend ins Museum kommen? Der Bürgermeister rückt den Schlüssel nicht heraus. Also einbrechen - aber wie?

Wolfgang entpuppt sich als Genie: Er will den Code der Alarmanlage knacken. "Weil i hob scho amal den Code vom Brotzeitautomat'n gehäckt", verkündet er stolz. Und tatsächlich, es klappt. Leider entpuppt sich das Ladegerät als billiges "Asia Load" - was Furunkula zu uferlosen Schimpftiraden über "des asiatische Glump" animiert. "Des is doch scho kaputt wennstas kaffst!" Und wirklich, der Zauberstab lässt sich damit nicht aufladen. Zu allem Unglück kommt auch noch der englische Wärter und liefert die drei der Polizei aus. Doch Isegrim ist vorher abgebogen in einen anderen Gang und entkommt so seiner Verhaftung.

Während die Frauen durch die Gitterstäbe schauen und ein gewaltiges Gewitter aufzieht, hat Isegrim wieder eine geniale Idee: warum nicht den Zauberstab mit einem Blitz laden? "So wie im Film Zurück in die Zukunft" schwärmt er. Es setzt sich mutig einen selbstgebastelten Blitzableiter auf und klettert aufs Dach. Tatsächlich, der Blitz saust herab und trifft den Zauberstab. Leider aber auch Isegrim-Wolfgang, der total verkokelt seine letzten Atemzüge haucht.

Der Zauberstab leuchtet im Gras. In dem Moment kommt das "Dreigestirn" vorbei. Aus dem Gefängnis ruft ihnen Furunkula zu, sie sollen ihr den Zauberstab reichen. Nun hat sie wieder "Drei Wünsche frei". Im letzten Moment zaubert sie damit erst Wolfgang ins Leben zurück, dann die Gefängnismauer auf, so dass alle frei sind. Und der dritte Wunsch? Furunkula will im Jahr 2016 bleiben, bei ihren neuen Freunden. So zaubert sie aus der Entfernung 500 Jahre zurück, löscht den Einkaufzettel und rettet damit das Reinheitsgebot und das Bayerische Bier.

Lustige Reime, dreistimmiger Gesang und höchst amüsante Schauspielerei sorgen nicht nur für viele Lacher, sondern immer wieder für begeisterten Szenenapplaus im Publikum. Auf eigens verteilten Bierfilzln steht ein Refrain, den das Publikum mitsingen darf: "I stell ma vor, i hob drei Wünsche frei…"

Die Zugabe überrascht noch einmal. Tom Bauer erzählt, dass seine kleine Tochter mit dem Schluss nicht einverstanden war. Sie wollte, dass die Zauberfee Furunkula zurück ins Jahr 1516 kommt. Also hat er den Schluss umgeschrieben. Zum Finale lassen die drei Märchendarsteller noch ein Lied samt "Reinheitsgebotsjodler" hören. Ein Riesenspaß bis zum letzten Ton.

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