Neuhaus im Rennfieber

Robert Beer erinnert sich gerne zurück. Schmunzelnd blättert er in einem Fotoalbum aus den 70er Jahren. Viele Bilder stammen aus der Zeit, in der er als junger Mann am Lindenhof Autocross-Rennen gefahren ist.

Robert Beer im weißen Rennanzug, der eigentlich gar keiner ist. "Das war ein Maleranzug mit Aufklebern drauf", erinnert er sich heute.
von Michaela Lowak Kontakt Profil

(mic) "Der weiße Anzug, den ich da anhabe, war gar kein Rennanzug", erklärt Beer und zeigt auf ein Foto. "Das war ein Maleranzug mit Aufklebern drauf. Wir haben damals viel improvisiert." Auch die Autos sind größtenteils Marke Eigenbau, die meisten Teile stammen aus dem Schrott.

Beer wächst am Lindenhof auf. Die Eltern haben eine Landwirtschaft, in der die Kinder auch mithelfen müssen. Dennoch bleibt für ihn und seinen Zwillingsbruder immer noch genügend Zeit, an alten Karosserien herum zuschrauben. Der Neuhauser erinnert sich an sein erstes Auto, einen 1000er Simca. "Wir haben das Dach weggeschnitten und sind damit auf den Stoppelfeldern herumgeschürt. Das war nach meiner Bundeswehrzeit 1972/73." Zuvor hatte er Landmaschinenmechaniker gelernt. Ein großer Förderer sei Adolf Windschiegl senior, der "Müllner", gewesen. "Die Mühle in Neuhaus war zu dieser Zeit ein Treffpunkt für alle Technikbegeisterten", weiß Beer.

Die ersten Rennen

Aus der anfänglichen Lust, an alten Auto herumzubasteln, wird mehr. Schuld daran ist Heinrich Windschiegl. "Er hat angefangen an Autocross-Rennen in Etzenricht teilzunehmen." Nicht nur Beer lässt sich vom Rennfieber anstecken, auch Heinrich Bergler, Josef Windschiegl und Willi Stangl aus Püllersreuth machen mit. Die Freunde treffen sich regelmäßig in einer Sandgrube, die Richtung Waldnaabtal liegt, wo sie ihre Fahrkünste testen. "Heute ist dort alles zugewachsen", weiß der mittlerweile 68-Jährige. Als immer mehr Menschen Interesse am Motorsport zeigen, beschließen die jungen Leute Rennen zu organisieren. "Auch in Püllersreuth auf einem Stoppelfeld sind wir gefahren."

Schließlich wird der MSC Tirschenreuth auf die motorsportbegeisterten Neuhauser aufmerksam und organisiert am 17. Juni 1976, damals noch der Tag der deutschen Einheit, einen Wettbewerb in der Neuhauser Sandgrube. Allerdings darf die Veranstaltung nicht offiziell als Rennen deklariert werden, deshalb lädt der MSC zum Trainingslauf ein.

1200 Zuschauer

Der Motorsportclub hat zwar mit vielen Zuschauern gerechnet, doch als 1200 Fans auf das Gelände strömen, ist der Verein fast überfordert. In einem Zeitungsausschnitt vom 19. Juni 1976 wird euphorisch über den Neuhauser Auto-Cross berichtet, der sich zu einem richtigen Volksfest entwickelt hat. "Der Verkauf von Programmheften, Aufklebern, Eis, Bratwürsten, Bier und Limo florierte", heißt es in dem Bericht. Die Fahrer gehen in verschiedensten Klassen an den Start - von 50, 125, 500 bis 2000 Kubikzentimeter Hubraum. "Wir hatten sogar ein Fahrerlager", schwärmt Beer noch heute. Bei einer Veranstaltung bleibt es nicht, auch in den Folgejahren wird der 17. Juni zum Lindenhofer Rennen.

Die Neuhauser Freunde nehmen Mitte der 70er Jahren auch an Veranstaltungen in Weiden am Brandweiher, in Hersbruck und in Tennenlohe teil. "Zuhause hatten wir am Wochenende in der Früh erst Stalldienst, dann fuhren wir auf Rennen." In all den Jahren ist zum Glück niemandem etwas passiert, lediglich die Autos gehen regelmäßig zu Bruch. Beer blickt auf ein Rennen in Tennenlohe zurück, bei dem wirklich alles schief ging. Mit einem Sprung im freien Training hat sich die Teilnahme erledigt. "Die Ölwände waren zerdrückt und der Ölansaugstutzen war weggebrochen", erinnert sich Beer. Doch die Pechsträhne dauert an. Auf dem Heimweg fahren die Neuhauser ein Loch, Ersatzreifen Fehlanzeige. "Wir haben den Schlauch vom Autocross genommen", erzählt der Neuhauser Motorsportfan.

Kein Vergleich zu damals

Sein größter Erfolg war ein dritter Platz in der Klasse bis 1200 Kubikzentimeter in Hersbruck und ein vierter Platz in Weiden. Wenn Beer den heutigen Motorsport mit seinen Aktivitäten in der 70er Jahren vergleicht, kann er nur den Kopf schütteln. "Wir haben vor zwei Jahren einmal in Höchstädt zugeschaut. Da geht's schon wild zu", lautet sein Resümee. "Ich möchte da nicht mehr mitmachen", ist er sich sicher. Ende der 70er geht die Ära in Neuhaus zu Ende. Der Grund, in der die Sandgrube liegt, gehört Albert Schaffer, dem einstigen Besitzer des Schafferhofs, Spitzname "Schaffer-Meisel". Als dieser das Gelände verpachtet, ist Schluss mit dem Auto-Cross.

Aber auch für Beer ändern sich die Zeiten. "Ich habe mich dann verstärkt bei den Neuhauser Boum engagiert." Wenn er allerdings von damals erzählt, können sich noch viele erinnern, die als Kind mit ihren Eltern bei den Sandgruben-Rennen zugeschaut haben. Dennoch lebt der Motorsport in Neuhaus weiter: mit Stefan Windschiegl und Sebastian Witt, die 2015 im Auto-Cross den Deutschen-Meister-Titel und den des Vizemeisters in die Oberpfalz holten.

Absperrungen zur Rennstrecke gibt es in den 1970er Jahren noch nicht.

Ein Fahrgestell mit Motor und vier Reifen - mehr brauchen die Fahrer damals nicht, um in der Sandgrube bei Neuhaus Auto-Cross-Rennen auszutragen.

Die Rennen in der Sandgrube locken jede Menge Zuschauer an.

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