05.02.2020 - 12:44 Uhr
Neuhaus/WindischeschenbachOberpfalz

Publikum total aus dem Häuschen

Ein mitreißender Abend voller Gefühle, und die letzte Show der Wintertour. Das Publikum im Schafferhof erlebt großartige Momente mit den Bananafishbones, auch wegen der trockenen Beiträge des Frontmanns Sebastian.

Er spielt gern den bösen Jungen: Sebastian Horn, der großartige Sänger der Bananafishbones.
von Redaktion ONETZProfil

"Papa, du tanzt heute aber nicht auf der Bühne!" Antwort Papa: "Doch. Doch. Doch." Mit viel Schalk im Nacken erzählt Sebastian Horn, der Sänger mit der markanten Bass-Stimme, von der Unterhaltung mit seiner Tochter. Die findet das nämlich peinlich, wenn der Papa auf der Bühne abrockt. Das Publikum ist da allerdings anderer Meinung und klatscht. Beim letzten Auftritt ihrer "Nicht-ganz-unplugged"-Wintertour begeistert die bekannte und vielseitige Indie-Rock-Ska-Blues-Band das Publikum.

Man glaubt es kaum, aber die Band aus Bad Tölz, die sich ihren Namen nach einem Titel der Band "The Cure" gegeben hat, gibt es schon seit fast 33 Jahren, obwohl man denken könnte, ihre bekanntesten Hits wie "Easy Day" oder "Come to sin" wären erst ein paar Jahre alt. Total sympathisch, geerdet und ganz nahe am Publikum erzählt Sebastian Geschichten aus dem Band- und Privatleben – und erzeugt magische Momente, als er mit seiner tiefen Stimme, fast traurig klingend, "Hello - I'm back again" singt. Ruhig und ausgeglichen beginnt auch einer der bekanntesten Titel, "I like a lot", bis Sebastian ekstatisch den Refrain losbrüllt. "Das war erst, am 24.11.19, unter der Isarbrücke in Bad Tölz" erzählt er dazu. Gräßlich kaltes Regenwetter, doch die Band baute ihre Instrumente auf. Der älteste Sohn von Drummer Florian Rein hatte sie darauf gebracht: ein Freitag, eine "Fridays for Future"-Demo. Die Ordner meinten noch "Da kommt keiner, bei dem Wetter." Doch dann kamen sie: etwa 400 tropfnasse Kinder, konsequent für ihre Rechte demonstrierend. "Seither sehe ich manches anders", bekannte Sebastian.

Das Publikum in der Schafferhof-Tenne erlebt ein einzigartiges Konzert, geprägt von Gefühlen und Hoffnungen. Sebastian erinnert an Musiker und Musikerinnen, die 2019 verstorben sind. So etwa der Cars-Sänger Rick Ocasek, dessen Titel "Drive" die Band anstimmt. Oder Marie Fredriksson von Roxette: Der Titel "The Look" habe ihn umgehauen, als er ihn in seiner Art einspielte. Joao Gilberto (Girl from Ipanema), Costa Cordalis, Karel Gott. Dessen "Biene Maja" singen die Fans lauthals mit. Und wieder eine Mischung aus Humor und Gänsehaut beim Publikum: Sebastian erzählt vom Konzert in Lenggries, bei dem sein Sohn Gustav dabei war. Wieder Mistwetter, Graupelschauer. "Schau mal Papa, es regnet Globuli" rief Gustav. "So was kommt dabei raus: Montessori-Schule Bad Tölz", bemerkte Sebastian trocken. Und kündigte das "magische Lied" an, "Snowflakes in Hell", bei dem das Publikum wieder laut den Refrain mitsang.

Zwischen den einzelnen Titeln stimmt sein Bruder Peter Horn immer wieder eine seiner drei Akustik-Gitarren, die sich verstimmten durch den Temperaturunterschied. Ein Könner und Perfektionist und zugleich der zweite Sänger der Band. Über "Nebel im Kopf" sinniert Sebastian, bevor die Band "Numb" anstimmt. Gitarrist Peter zaubert mit viel Elektronik seiner Verstärkerbox Hall und Spezialeffekte in sein Gitarrenspiel, legt seine ganze Leidenschaft in sein Solo, fegt in irrer Geschwindigkeit über die Saiten. Brechend harte Rock-Riffs schleusen "The Pow Wow" in die Köpfe der Zuhörer. Dieses Auf und Ab, dieser Unterschied zwischen sanft und hart, bestimmt die Magie des Konzerts, gepaart mit der unglaublich tiefen, eindringlichen Stimme von Sebastian.

So fantastisch, abwechslungsreich und mitreißend wie das Konzert sind auch die Zugaben. "I love Rock 'n' Roll" im Bananafishbones-Stil, Peters Gitarrensound mit Technik ins Uferlose verfremdet, und schließlich - und endlich - "Easy Day". Noch eine Zugabe? Flo und Sebi holen Fütterers Weihnachtsdeko hinter dem Vorhang hervor, Flo trommelt auf den Lebkuchendosen und gemeinsam singen sie ein Nachweihnachtslied, in Gedanken an Sebastians Schwiegermutter. Publikum und Veranstalter sind aus dem Häuschen.

Super Konzert zum Ende der Wintertour der Bananafishbones.
Peter Horn - der Gitarrenperfektionist.
Die Bananafishbones in der Tenne im Schafferhof.
Sebastian Horn - und die Geschichte vom Silberfischchen, auf dem er zur Schule ritt.
Florian Rein - Schlagzeug, Loop Station, Casio Keyboard.

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