27.01.2020 - 12:34 Uhr
Neuhaus/WindischeschenbachOberpfalz

Viel Gefühl vom vierköpfigen Trio

Rasender Applaus und glückliche Gesichter: Austropop kann auch auf Bayerisch glücklich machen. So geschehen am Freitag im Schafferhof.

von links: "Spider" (Blech) und MTM
von Redaktion ONETZProfil

Mit 18 Saiten Akustik spielen sich "Wurzelwasser", oder genauer gesagt MTM (Matthias Kellner, Tobias Heindl, Martin Dietl), ohne Anlauf in die Herzen des Publikums. "Ich werd' kalt und immer kälter, abgebrüht und älter, doch des will i net". Die Hits von STS nahmen großen Raum ein im Programm des bayerischen Austropop-Trios. Mit Banjo, zwei Gitarren und einer Tuba wuchs das Trio zum Quartett.

"Spider" nennt sich der Blechbläser Martin Barth (Trompete, Flügelhorn, Tuba). Oder, wie Kellner ihn vorstellt, "da Schbeida". Gemeinsam intonieren sie das Lied, das ihnen den Namen gab: "Jede Wurzel braucht a Wasser, jedes Leben braucht an Sinn". Poesie und Philosophie in Mundart. Auf der Tenne wird es ganz still.

Georg Danzer nennen sie einen der "Väter des Austropop". Diesen Ruf hatte er sich spätestens mit seinem "Ruaf mi net an" 1976 erworben. "Die Austropoppler", wie Kellner sie nannte, hätten oft Lieder aus dem Englischen übersetzt. Dafür ist bei "Wurzelwasser" Tobi Heindl zuständig. Und übersetzt natürlich frei auf gut Bayerisch den Titel "Fire" von den Pointer Sisters in "Feia". Spätestens hier singt der Publikumschor lautstark mit. So wie bei sämtlichen Titeln von STS, Austria 3, Rainhard Fendrich oder wie sie alle heißen. "Hymn" von Barclay James Harvest wird zur "Hymne", "All my Loving" von den Beatles fängt mit "Schließ die Augn, oana geht no" an.

Der Stimmungspegel steigt, die Fans fiebern auf den nächsten Austrohit hin. Doch als "alte Has'n" wissen die drei auf der Bühne, den Spannungsbogen zwischen sanften und humorvollen Stücken zu halten. Gefühlvoll spielt Tobi ein langes Intro auf der Geige. "Komm, lass Di fall'n" bittet Martin poetisch-tiefgründig im Stil von Rainhard Fendrich. Er erzählt, dass diese Platte die erste war, die er sich als Bub gekauft hat. Sanft wiegt die Melodie die Zuhörer in eine Traumstimmung.

Mit der Frage "Wohin geht die Fahrt, wohin die Reise?" finden sie in die Wirklichkeit zurück. Das Lied von STS hinterfragt die Oberflächlichkeit der Leute heute, den Sinn des Lebens, die Entwicklung zu Gewalt, zu Statussymbolen statt Tiefgang. Gehört man ab 40 schon zum Alten Eisen? "Ois wird immer schnölla"!

Das Spiel mit den Gästen macht dem Trio immer mehr Spaß. Tobi kündigt die Ballade "Und langsam wachs'ma zamm" von Wolfgang Ambros an – die Damen im Publikum seufzen ein lautes "aaaah". "Das war vorhersehbar" neckt Tobi. Auch B-Seiten von Schallplatten hatten ihren Reiz, was "Und irgendwann bleib i dann dort" bewies: So schön und laut und vor allem textsicher klang der Chor der Zuhörer, dass die drei Interpreten sogar pausierten, um gleich danach mit den Austro-Poeten von STS weiterzumachen. "Hilflose Hoffnung" (Original: Crosby Stills Nash - Helplessly Hoping) oder "Überdosis G'fühl", das Kellner melancholisch interpretiert mit Geigenintro und -solo von Heindl. Schwupps und schon ist die Traumstimmung zurück. Der Applaus wird immer lauter und begeisterter.

Das können nur noch die Gänsehaut bei "Großvater" und dem ins Deutsche übersetzte "Halleluja" (Gesang Martin Dietl) von Leonard Cohen (samt Trompeteneinsatz von Spider) toppen. Den Versuch, das Konzert zu beenden und die Bühne zu verlassen, beantworten die Fans mit Pfeif- und Applausorgien sowie stehenden Ovationne". Mit "Abwärts und bergauf" aus dem Musical "Der Watzmann ruft" und "Aber niemals" von STS hinterlassen die vier Musiker ein glückliches, aufgekratztes Publikum.

Austropop im Schafferhof - mit Banjo und Tuba
Wurzelwasser - MTM (Matthias - Tobias - Martin)

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