20.02.2020 - 10:50 Uhr
Neuhaus/WindischeschenbachOberpfalz

Die Widersacher aller Liedermacher im Schafferhof

Das gemeinsame Musikstudium in Würzburg hat sie zusammen geführt. Und die Heimatliebe nach Neuhaus. "Dou samma - endlich", sagten die Widersacher aller Liedermacher auf der Schafferhof-Bühne.

Matze, Marcel und Joris (von rechts) lehren Lyrikern das Gruseln mit ihren abstrusen Reimen
von Redaktion ONETZProfil

Es beginnt jazzig. Cornelius Grömminger spielt ein Kontrabaß-Solo, allmählich kommen Julian Hrdina (Schlagzeug), Joris Conrad (Keyboard) Marcel Doudieh (Saxophon) und Matze Wolf (Gitarre, Gesang) dazu. "Wieda zruck" in d'Oberpfalz sind die fünf jungen Männer. Von denen aber nur einer richtig Oberpfälzisch sprich und singt: Matze Wolf aus Bärnau, "hinta Houhathan". Sie alle haben ihren Fanclub dabei, Matze gar seine ganze Familie. Neugierig erwartet das Publikum die bisher fast unbekannten Interpreten, wenn man die Zeit nicht mitzählt, in der Matze mit den "Ukulelen" in der Oberpfalz unterwegs war. Er hat seine dabei, so wie seine Gitarre und ein kleines Akkordeon.

Und sein Gedichts-Notizbuch, aus dem er immer wieder irrwitzige Lyrik oder wortspielerische, abstruse Reime vorliest, selbst geschüttelt und wortgeklaubt. Etwa: "Da Säp hot an Oialod'n, mit da App kannst oia lod'n. Wüllst a boar Oia hom, moußt niat zum Oialod'n, sondern schreibst, du wüllst Oia hom." Wer des Oberpfälzischen mächtig war, konnte sich kugeln vor Lachen. Mit großem Spaß singt der Stiftländer in seiner Lieblingsmundart, die großartig zum swingenden Rhythmus passt. "

In ihrer hessischen Wahlheimat, wo sie sich bei mehreren Comedy-Slams und Songwriting-Contests Preise verdiente, löste die eigenwillige Band bereits Begeisterungsstürme aus. Eigentlich als "Bavarian-Pop-Kabarett" angekündigt, lässt sich die Gruppe trotzdem keinem bestimmten Genre zuordnen. Spaß, Geständnisse, Lebensweisheiten, Sprüche, die in Reim- und Liedform verarbeitet wurden, wie "Hans bleib dou, du woißt ja niat, wöis Weda wird".

Joris Conrad setzt magisch-rhythmische Laute auf dem Keyboard. "Das soll auch auf unsere neue CD", wirbt Matze für ihr Crowdfunding-Projekt. Von Annamirl zu Anna ist kein weiter Weg. Im Poetry-Slam erzählt Matze stabreimmäßig von Anna. Sie war so analog, sie weckt Fantasie mit ihrer Anatomie - Anna Du machst mich Banane. Und dazwischen: "Noch'n Gedicht", hätte es Heinz Erhardt genannt.

Ein beinahe leidender Saxofon-Sound leitet den Song "Tief tauchen" ein. Zwischendurch philosophiert Matze über die Qualität seiner Fingernägel, bevor er einen Blues anstimmt und von "frisch gmaahdn Haa" (frisch gemähtem Heu) singt. Darauf reimt sich "mei Glasl is scho wieder laa". Überraschend, fantasievoll, abstrus und nie um verrückte Einfälle verlegen gibt Matze den perfekten Entertainer. Plaudert mit dem Publikum, fühlt sich richtig "daham". Mit einer ausklingenden Symphonie zeigt sich das Können dieser Profi-Studenten-Musiker.

Ohrenbetäubend ist denn auch der Beifall am Ende, so dass das Publikum sich noch zwei Zugaben ertrotzt. Und noch ein Gedicht. Natürlich. Mit der auf ihr Studium gemünzten Philosophie, dass man nicht das Leben vergessen solle vor lauter Wissen. Am Klavier rundet Matze solo diesen vielumjubelten Auftritt ab mit dem Hinweis, dass Männer Musik machen, um Frauen zu begeistern.

Die Widersacher aller Liedermacher begeistern das Publikum im Schafferhof
"Basst scho", sagt Matze.
...und noch ein Gedicht. Das Publikum klopft sich auf die Schenkel vor Lachen.
Kreativität und Unsinn - ausgehend von viel Fantasie

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