Neukirchen-Balbini
01.02.2026 - 10:12 Uhr

Bekannte Ordensfrau mit Oberpfälzer Wurzeln: Schwster Theodolinde wird 80

Sie stammt aus dem Kreis Schwandorf und zählt zu den bekanntesten Ordensschwestern Deutschlands. "Mein 80. Geburtstag ist ein Tag wie jeder andere", sagt Maria Theodolinde Mehltretter.

Schwester Theodolinde Mehltretter. Archivbild: Alexander Unger
Schwester Theodolinde Mehltretter.

Ihre Stimme ist immer unverwechselbar geblieben: Klar, konsequent und mit der Betonung darauf, "dass man sich selbst nicht wichtig nehmen darf." Am 6. Februar 1946 in Weiden geboren, hat Johanna Mehltretter aus Neukirchen-Balbini bei Neunburg vorm Wald ihr Leben in den Dienst des Ordens der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul gestellt. Jetzt wird sie 80 Jahre alt und hat bereits im Vorfeld des runden Geburtstags "alle Interviews abgesagt." Sie sei, meint die Jubilarin, "eine von vielen im Orden, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, anderen zu helfen." Nicht mehr und auch nicht weniger. Bescheidenheit war immer die große Stärke dieser Frau, deren Karriere im Konvent sie zu bundesweiter Bekanntheit führte.

Mit 17 in den Orden

Mit 17 Jahren wurde Johanna Mehltretter Ordensschwester, arbeitete zwei Jahrzehnte in der Verwaltung des Waldsanatoriums Planegg, bildete sich zur Betriebswirtin fort und avancierte 1989 zur Geschäftsleiterin des zum Orden gehörenden Unternehmens „Adelholzener Primusquelle“. Unter ihrer Leitung entwickelte sich die Firma zum Marktführer auf dem Getränkesektor. Dabei mussten Konkurrenten zur Kenntnis nehmen: Da saß eine Frau auf dem Chefsessel, die professionelle Fäden zog und ihr Personal immer im Auge hatte. „Weil diese Menschen das größte Kapital für ein Unternehmen sind“, wie sie befand.

Im November 2004 verließ Schwester Theodolinde den Firmensitz in Oberbayern, um eine noch weitaus größere Aufgabe anzutreten. Sie wurde zur Generaloberin ihres Ordens gewählt und blieb bis Oktober 2016 in diesem Amt. Damit war die Frau aus dem Kreis Schwandorf gleichzeitig Chefin einer großen Zahl von Unternehmen wie Kliniken und Heimen, die unter dem Patronat des Ordens standen.

Aus der Generaloberin, die 2016 nach zwei Perioden nicht mehr wiedergewählt werden konnte, wurde danach eine Hausoberin. Schwester Theodolinde übernahm diese Position in dem zum Orden gehörenden Münchner Altenheim St. Michael. „Seit zehn Jahren für alte Menschen da sein, ihnen zuhören und helfen zu können“, habe sie im Gespräch mit Oberpfalz-Medien gesagt, „ist jetzt mein Lebensinhalt.“ Das ist nun ein Arbeitsablauf, den die Jubilarin so beschreibt: „Für mich ist jeder Tag ein Geschenk.“

Orden und Verdienstkreuz

Der Staat hat Theodolinde Mehltretters Arbeit mit hohen und höchsten Auszeichnungen gewürdigt. Sie bekam das Bundesverdienstkreuz und den Bayerischen Verdienstorden, ist Trägerin der Verfassungsmedaille in Gold und erhielt, was sie besonders freute, bei einer Feuerwehr die Ernennung zur „Ehrenkreisbrandmeisterin“. Als der ihr sehr verbundene Kardinal Joseph Ratzinger zum Papst gewählt wurde, saß die Oberpfälzerin in einer Sondermaschine, die zur Inthronisation nach Rom flog. Mehr noch: Wenn der Pontifex des Quellwassers aus Adelholzen bedurfte und deswegen höchstpersönlich bei der Ordensfrau anrief, bekam er die Flaschen selbstredend über den Brenner in den Vatikan geschickt.

„Sie können schreiben, dass ich Geburtstag habe. Alles andere muss nicht sein“, habe Schwester Theodolinde befunden. Nun sind es doch einige Zeilen mehr geworden. Was fehlt, ist die Mitteilung: „Zweimal im Jahr komme ich noch in meine Heimat nach Neukirchen-Balbini.“ Dort gibt es Verwandte, die sich auf den Besuch von Theodolinde freuen.

 
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