Eine Sonderausstellung im Wohnhaus und Stall des Schießl-Hofes in Neukirchen-Balbini beleuchtet das Lebenswerk Pater Lambert Karners (1841-1909), der mehr als 400 künstliche Höhlen – so genannte Erdställe – erforschte. 30 Jahre seines Lebens widmete Pater Lambert Karner der Erforschung von Erdställen. Die rätselhaften, im Mittelalter von Menschen gegrabenen Höhlen, bestehend aus Kammern und winkeligen Verbindungsgängen, faszinierten ihn.
Deshalb wollte er seine Forschungen nicht nur schriftlich dokumentieren, sondern auch durch aussagekräftige Bilder untermauern und in der Öffentlichkeit präsentieren. So begleitete ihn von 1896 bis 1898 der Fotograf Emil Wrbata auf seinen Höhlentouren. Ihm gelangen in der Dunkelheit der Erdställe erstaunliche, hochwertige Blitzlichtaufnahmen, die sich bis heute erhalten haben.
Wechsel zur Wiener Polizeidirektion
Nach der Erdstall-Fotokampagne wechselte Wrbata als Fotograf in das 1898 neu gegründete Atelier der Wiener Polizeidirektion. Seine Erfahrungen mit dem Einsatz künstlichen Lichts in schwierigen Situationen prädestinierten ihn geradezu, an Tatorten von Verbrechen zu fotografieren. Bis dahin besorgten private Ateliers die Porträtaufnahmen für Steckbriefe.
Ein verstärkter internationaler Austausch bei der Verbrechensbekämpfung verlangte Ende des 19. Jahrhunderts nach einem vereinheitlichten Aufnahmeverfahren, welches das System des französischen Polizeipräfekten Alphonse Bertillon bot. Eine Herausforderung stellten auch die zahllosen Vergrößerungen von Fingerabdrücken dar. Sie mussten nach einem komplizierten System klassifiziert werden, sonst hätte man sie nicht mehr wiederfinden und vergleichen können.
Für die Tatortfotografien, die Wrbata im Auftrag des Untersuchungsgerichts bei Kapitalverbrechen zu fertigen hatte, kamen neueste Technologien zum Einsatz – vor allem Blitzlicht und Weitwinkelobjektiv – oder wurden eigens konstruiert, wie etwa ein Leiterstativ für Aufnahmen aus der Vogelperspektive.
Diashow in den Kelleranlagen
Ebenso gibt es auch Fotografen in der Gegenwart, welche sich mit diesem Thema beschäftigen. So wird bei der Ausstellung eine Diashow in den Kelleranlagen des Schießl-Hofes von Thomas Exel gezeigt. Thomas Exel – Jahrgang 1987 – beschäftigt sich seit 2008 mit digitaler Fotografie und begann 2009 mit der Höhlenforschung im Landesverein für Höhlenkunde in Wien und Niederösterreich. Beschäftigte er sich zunächst vorwiegend mit Landschafts- und Musikfotografie, gehört seit 2012 die Höhlenfotografie zu seinem Hauptthema, das er noch um Stollen, Bunker und Erdställe erweitert hat. Neben seinem Hauptberuf im Tunnelbau fotografiert er für verschiedene Magazine und Auftraggeber in den unterschiedlichsten Bereichen der Fotografie.
Die Ausstellung entstand in Kooperation mit Göttweiger Sammlungen und Photoinstitut Bonartes in Wien und wurde von Mag Hanna Schneck und Birgit Symader in die Räume des Schießl-Hofes und in der gesamten Hofstelle eingebunden. Zu sehen ist sie vom 5. Juni bis 3. Oktober jeden Sonntag von 13 bis 17 im Erdstallforschungszentrum im Schießl-Hof in Neukirchen-Balbini.














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