21.04.2020 - 19:31 Uhr
NeukirchenOberpfalz

Die Geheimnisse der Appelshöhle bei Steinbach

Schon seit über 130 Jahren kennt man die Appelshöhle, doch erst in jüngster Zeit hat man ihre Besonderheiten erkannt. Höhlenforscher stellen jetzt neueste Forschungsergebnisse in einem Buch vor.

Ein Schlauchboot auf dem See in der Appelshöhle bei hohem Wasserstand. Seit drei Jahren ist das Wasser wegen der anhaltenden Trockenheit aber ausgeblieben.

Schon seit vielen Jahren hat sich die Höhlenforschung für die so genannte „Appelshöhle“ nahe dem kleinen Ort Steinbach, einem Ortsteil von Neukirchen bei Sulzbach-Rosenberg, interessiert. Jetzt hat die "Forschungsgruppe Höhle und Karst Franken" der Höhle ihre Aufmerksamkeit geschenkt und eine umfangreiche Darstellung neuester Forschungsergebnisse in einem 200 Seiten umfassenden Buch herausgebracht.

Neun Autoren haben die Höhle in unterschiedlichen Fachbereichen untersucht. Herausgekommen ist ein interessanter Steckbrief der Appelshöhle, der den heimat- und naturkundlich Interessierten spannende Ergebnisse präsentiert.

Die im Jahr 1887 von dem Schneidermeister Leonhardt Appel entdeckte Höhle wurde, obwohl nur 340 Meter lang, sogleich als Schauhöhle ausgebaut. Dabei beseitigte man ohne jegliche wissenschaftliche Untersuchung einen mindestens 15 Meter hohen Schuttkegel mitsamt den darin enthaltenen zahlreichen vorgeschichtlichen Relikten, vermutlich aus der Urnenfelderzeit 1300 bis 800 vor Christus. Auch die wenigen seinerzeit geretteten Funde gingen verloren. Aufgrund der einstigen Befunde jedoch kann man die Appelshöhle zu den bedeutenden und typischen Kult- und Bestattungsschachthöhlen in der Frankenalb zählen.

Der Schauhöhlenbetrieb lief schlecht und recht bis etwa 1935, danach geriet die Höhle fast völlig in Vergessenheit. Unter den Höhlen der Frankenalb galt sie als ausgeplündert und wissenschaftlich uninteressant.

Dabei hat sie etwas, was die meisten Höhlen der Frankenalb nicht haben. Im größten Raum der Höhle entsteht in wasserreichen Jahren ein regelrechter Höhlensee, der mit dem Schlauchboot befahrbar ist und der eine Tiefe bis zu drei Metern haben kann. Dieses langzeitlich zur Verfügung stehende Wasserreservoir diente als Wasserversorgung für die damals betriebene kleine Waldwirtschaft. Auch dieses interessante Phänomen wurde von den Autoren untersucht.

Die typische Höhlenkleinfauna und die Fledermäuse werden in dem Buch auch nicht vergessen. Ausführliche Artikel widmen sich der „Höhle als Lebensraum“ und ganz besonders den Fledermäusen, die die Appelshöhle als Wintergäste gerne aufsuchen. Für sie ist eine technisch aufwendige Zähleinrichtung am Höhleneingang installiert. Die Tiere werden beim Ein- und Ausflug gezählt, fotografiert und bestimmt.

Mit dem nun vorliegenden Buch wird der Versuch gemacht, aus den wenigen überlieferten Erkenntnissen und dem, was als kleiner Rest an vorgeschichtlichen Funden noch zu bergen und zu bestimmen war, die vorgeschichtliche Bedeutung der Höhle aufzuzeigen. Auch eine Altersbestimmung der wenigen aktuell geborgenen menschlichen Knochenreste fehlt nicht.

Zudem ergänzt eine lückenlose Darstellung ihrer Geschichte, von der Entdeckung 1887 bis heute mit alten Presseberichten, Werbeanzeigen und Plakaten das historische Bild der Höhle.

Information:

Das Buch ist im Selbstverlag der Forschungsgruppe Höhle und Karst Franken erschienen, hat 208 Seiten und kann zum Preis von 19,90 Euro zuzüglich drei Euro Versandkosten über die Homepage www.fhkf.de des Vereins bestellt werden.

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