29.03.2019 - 16:37 Uhr
NeukirchenOberpfalz

Der Karst lebt: Ponore in voller Aktion

Wer im März durch die Karstlandschaft des westlichen Landkreises wanderte, der fühlte sich vielleicht an ein altes Lied erinnert: "Wenn alle Brünnlein fließen".

Während der Schneeschmelze oder auch nach Starkregen bietet der Schelmbach- oder Sportplatzponor nordwestlich von Königstein ein grandioses Naturschauspiel. Am Fuß einer zerklüfteten Felswand in einer etwa sieben Meter tiefen Senke verschwinden auch große Wassermengen zügig im Untergrund in Richtung Pegnitz.
von Autor WSLProfil

Der über längere Zeit anhaltende Regen hatte die gewöhnlich wasserarme Frankenalb in eine regelrechte Bach- und Flusslandschaft verwandelt. Dort, wo während des Jahres gewöhnlich Trockenheit herrscht, sprudelten urplötzlich Bäche und Rinnsale, um nach wenigen Tagen genauso schnell wieder zu versiegen.

Die vergangene Regenperiode machte es möglich: Der Karst lebt, das Landschaftsbild hat sich gründlich gewandelt. Wiesen stehen unter Wasser; zahme, kleine Bäche treten über die Ufer und schwellen zu reißenden Wasserläufen an. Die Gefahr von Überschwemmungen und Hochwasser steigt rapide.

Beileibe nicht jeder der durch diese heftigen Regenfälle entstandenen Wasserläufe findet seinen Weg an der Oberfläche zu bekannten Bächen und Flüssen wie Hirschbach, Etzelbach oder Pegnitz. Er entschwindet durch geheimnisvolle Spalten und Klüfte in den Untergrund, um irgendwo als Quelle wieder zutage zu treten. Dies ist auf ein höchst merkwürdiges Phänomen des Frankenjuras zurückzuführen.

Die Gesteine dieser zum Erdmittelalter gehörenden geologischen Formation - Dolomit und Kalk - sind im Gegensatz zum Granit oder Basalt wasserlöslich. Im Laufe jahrtausendelanger Prozesse haben sich nach dem Motto "Steter Tropfen höhlt den Stein" in diesem sogenannten Karbonatgestein Klüfte und Schichtfugen gebildet, verursacht durch das lediglich leicht kohlesäurehaltige Niederschlagswasser - kaum zu glauben. Die Entwässerung wird somit von der Oberfläche in den Untergrund verlegt.

Und die Frankenalb, zu der immerhin ein nicht unwesentlicher Teil des Landkreises gehört, ist eine Region mit wenigen oberirdischen Fließgewässern. Die Entwässerung erfolgt nicht selten unterirdisch, und zwar über verschlungene, labyrinthartige, natürliche Kanäle und Höhlen. Letztere zählen wie die Dolinen (Erdfälle) und Ponore (Wassserschlinger oder "aktive Dolinen") zu den markantesten Karsterscheinungen, eben verursacht durch die chemische und zudem auch mechanische Auflösung des Gesteins im Untergrund.

Solche meist imposanten Wasserschlinger - im Straßenbau würde man von einem Gully sprechen - gibt es im westlichen Landkreis zuhauf. Dazu gehören unter anderem der Schelmbach- oder Sportplatzponor westlich von Königstein und die Teufelsgrube bei Pilgramshof, Gemeinde Neukirchen. Beides sind Naturdenkmäler und genießen deshalb absolut Schutz vor Verunreinigung und Zerstörung. Leider wurden diese einmaligen Karstphänomene in der Vergangenheit oftmals als Mülldeponie missbraucht; ein verhängnisvolles Unterfangen.

Der in einer Bauminsel gelegene Ponor „Teufelsgrube“ bei Pilgramshof, Gemeinde Neukirchen, sammelt Regen- und Schmelzwasser aus einem großen Einzugsgebiet. Eine Schaumkrone hat sich auf dem Wasserstau über dem Schluckloch gebildet. Höhlenforscher haben hier über einen schmalen Einstieg ein verzweigtes Höhlensystem von annähernd 140 Meter Ganglänge festgestellt. Schon vor Jahrzehnten versuchte man laienhaft die Fließrichtung und die Austrittsstelle des Wassers durch Einstreu von gehäckselten Stroh zu ergründen. Dem Vernehmen nach soll das Wasser bei Weigendorf in einer Quelle wieder zu Tage treten.
Nur nach heftigen Regenfällen strömt das Wasser in kleinen Bächen zum Schelmbachponor.
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