17.08.2018 - 10:32 Uhr
NeukirchenOberpfalz

Im Laufschritt über die Berge

106 Kilometer und 6300 Höhenmeter zu Fuß auf schmalen Pfaden in den Alpen: Der Pitz Alpine Glacier Trail gilt als einer der härtesten Langstreckenläufe. Jürgen Hartmann stellt sich der extremen Herausforderung.

Nur zehn von 74 gestarteten Läufern erreichen beim Pitz Alpine Glacier Trail das Ziel. Einer von ihnen ist Jürgen Hartmann.
von Autor LHCProfil

Um 3 Uhr am Morgen fiel der Startschuss in Mandarfen für den Athleten des Radsportclubs Neukirchen und die 73 weiteren Teilnehmer. Die Besonderheit und zugleich Schwierigkeit der Strecke: Die Läufer absolvieren vier Schleifen rund um Startort und haben so die Möglichkeit, das Rennen vorzeitig zu beenden.

Nach dem Wettkampf berichtet Jürgen Hartmann eindrucksvoll von seinen Erlebnissen: „Die ersten fünf Kilometer führten hinauf zum Gletscher, auf die Scharte Mittagskogel auf 3070 Meter. Über Steilstufen, Felsblöcke jeder Größe, Felsplatten und teilweise loses Geröll ging es nach oben. Es war so steil, dass ich mich mit den Händen an den Felsen abstützen musste. Die Aussicht oben war überwältigend. Auch die kurz darauf folgende ca. 500 Meter Gletscherquerung, zu der wir die mitgeführten Spikes anlegen mussten, war ein Highlight.“

Runde zwei führte hinauf zur Sunna-Alm und über den Riffelsee, Österreichs höchstgelegener Bergsee auf 2232 Meter, bevor der nächste Anstieg hinauf zum Taschachhaus anstand. Größtenteils unwegsame, steinige und wurzelige Pfade, der letzte Teil in Serpentinen, prägten hier den Streckenverlauf. Über den Fuldaer Höhenweg und durchs Taschachtal ging es bergab zum zweiten Mal zurück nach Mandarfen.

„Am anspruchsvollsten war für mich die dritte Schleife: Zur Kaunergrathütte auf 2817 Meter erwarteten uns einige Klettereinheiten, mit Seilen gesichert, über Rinnsale und unwegsame Felsabschnitte. Unglaublich hart war der Weg zurück ins Tal: Zu Beginn ist bei der Überquerung von riesigen Gesteinsplatten und Geröllfelder an Laufen nicht zu denken. Hinabhangeln an Fixseilen, Hinabklettern über meterhohe Absätze nach unten. Hochalpin – das hat sicher seinen Reiz, aber es ist für mich schlichtweg nicht zu laufen."

Das bekam Hartmann zu spüren, als er stürzte und einer seiner Stöcke brach. Zurück in Mandarfen, hörte er von der Rennleitung, dass bereits sehr viele Läufer aufgegeben hatten. 86 Kilometer und 20:30 Stunden er bereits in den Knochen. "Bezeichnenderweise zeigte die Uhr beim Verlassen der Verpflegungszone Fünfvor Zwölf, als ich mich auf die bereits bekannte, aber nun gekürzte Rifflsee-Runde machte“, erzählt Jürgen Hartmann weiter.

Sein Fazit sieht so aus: „Nach 23:27 Stunden, körperlich und auch geistig einfach leer, überquerte ich dann, was ich im Laufe des Tages erst erfuhr, als Letzter die Ziellinie. Der zehnte Platz in der Gesamtwertung, zweitbester deutscher Starter und die Tatsache, dass von den 74 gestarteten Läufern nur zehn ins Ziel kamen, werteten diesen letzten Platz jedoch deutlich auf!“

Jürgen Hartmann vom RSC Neukirchen bezwingt 106 Kilometer und 6300 Höhenmeter in den österreichischen Alpen.

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