10.02.2021 - 09:07 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Vor 15 Jahren: Der Anfang vom Ende der Neunburger Stadthalle

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Am Unsinnigen Donnerstag vor 15 Jahren leitete ein statisches Gutachten den Niedergang der Neunburger Stadthalle ein. Das Gebäude musste wegen Einsturzgefahr gesperrt werden. Keine drei Jahre später war die Halle platt gemacht.

Kräftig beißt sich der Bagger im Oktober 2008 durch die Bausubstanz der Neunburger Stadthalle. Den Anfang vom Ende hatte ein verheerendes statisches Gutachten eingeläutet, das am Unsinnigen Donnerstag 2006 bekannt wurde.
von Philipp Mardanow Kontakt Profil

Fast 40 Jahre alt war die Neunburger Stadthalle, als im Februar 2006 das abrupte Aus kam. Auslöser war eine statische Untersuchung der öffentlichen Gebäude im Stadtgebiet. Diese wurde in Auftrag gegeben, nachdem zu Jahresbeginn eine Eishalle in Bad Reichenhalle eingestürzt war; dabei hatten 15 Menschen ihr Leben verloren.

Das Ergebnis der statischen Untersuchung war verheerend: Der Trakt der Stadthalle sei nicht mehr ausreichend standsicher, einzelne Bauteile seien bis zu 70 Prozent überlastet, hieß es in der Analyse des Schwandorfer Statikbüros Wellnhofer & Partner. Hauptsächlich betroffen waren laut Gutachten die sogenannten Kämpf-Stegplatten, aus denen die Rahmenstiele der Dachkonstruktion gefertigt waren. "Es gibt erhebliche Risse in den Leimbindern, die die Dachlast tragen", hatte der damalige Bürgermeister Wolfgang Bayerl gegenüber Oberpfalz-Medien erläutert, im Gutachten war von "maximaler Überbeanspruchung" die Rede. Es wurde darauf hingewiesen, dass identische Bauteile auch bei der eingestürzten Eishalle verwendet worden waren.

"Es gibt erhebliche Risse in den Leimbindern, die die Dachlast tragen."

Bürgermeister Wolfgang Bayerl am 23. Februar 2006

"Die Standsicherheit der Binder ist derzeit eingeschränkt, da die im Bemessungskonzept vorgesehenen Sicherheitsfaktoren nicht vorliegen", hieß es weiter in der Analyse. Die Bauteile hätten nur mehr eine "verminderte Sicherheitsreserve" und würden nicht mehr den Regeln der Technik entsprechen. Hinzu kam, dass sich der Hallenboden gesetzt hatte und auch das Dach insgesamt schon sanierungsbedürftig war. "So wie sich die Stadthalle heute präsentiert, hätte sie niemals in Betrieb gehen dürfen", hieß es damals von Seiten des Gutachters.

Das Statikbüro hatte noch empfohlen, die Binder in der Hallenmitte mit Gerüststützen zu sichern, doch durch den Schwingboden der Halle war das nicht möglich – "das hätte die Einsturzgefahr noch erhöht", wurde damals Bürgermeister Bayerl zitiert. In letzter Konsequenz führte an einer Sperrung der Halle kein Weg vorbei. Diese Entwicklung war ein Schock für diverse Veranstalter: Unter anderem musste der 1. FC Neunburg seinen Rosenmontagsball absagen, der vier Tage später steigen sollte, und der Gewerbeverein "Die Selbständigen" war gezwungen, im Frühjahr mit der Schwarzachtalmesse auf das Gelände der Pfalzgraf-Johann-Kaserne auszuweichen.

Vor fast 40 Jahren: Ein Auftritt von "Modern Talking" in der Neunburger Stadthalle hatte ein juristisches Nachspiel

Drei Wochen nach dem verheerenden Gutachten verabschiedete der Stadtrat – auf der Basis eines CSU-Antrags – am 16. März einen acht Punkte umfassenden Beschluss über den Neubau einer Veranstaltungshalle und die Neugestaltung des angrenzenden Torweiher-Areals. Zwar gab's im Gremium vereinzelte Stimmen, die auf eine Sanierung plädierten, doch diese verstummten nach einer Fundament-Untersuchung der alten Halle: Das Ergebnis vervollständigte das Bild eines maroden Bauwerks, das es nicht lohnte, renoviert zu werden. "Eine wirtschaftliche Sanierung der Stadthalle ist aus unserer Sicht nicht möglich", so das damalige Urteil des Gutachters.

"Eine wirtschaftliche Sanierung der Stadthalle ist aus unserer Sicht nicht möglich."

Urteil eines Gutachters

Gute zwei Jahre später – am 14. Oktober 2008 – begann die Firma Steininger mit dem Abbruch der alten Stadthalle. Erster Schritt war das Ablösen des alten PVC-Bodens, es folgte der Rückbau des Eternitdaches, ehe ab 22. Oktober zunächst der Giebel abgerissen und in den folgenden Tagen die Halle Stück für Stück plattgemacht wurde. Der damalige Bauleiter Markus Seebauer schilderte in einem Zeitungsartikel vom 25. Oktober merkwürdige Auswüchse beim Baustellen-Tourismus: "Fast stündlich fragt jemand nach, ob er ein Fenster ausbauen darf."

Im November 2008 war die Stadthalle schließlich Geschichte. Nachdem der letzte Bauschutt beseitigt war und Bodenplatte und Fundament rückgebaut waren, wurde die 1500 Quadratmeter große Hallenfläche mit feinem Schotter aufgefüllt und planiert. Dreieihalb Jahre später – am 13. Juli 2012 – wurden die neue Schwarzachtalhalle und das umgestaltete Torweiherareal eingeweiht.

Hintergrund:

Der lange Weg zur neuen Schwarzachtalhalle

  • 23. Februar 2006: Bürgermeister Wolfgang Bayerl ordnet die Sperrung der alten Stadthalle an. Eine statische Überprüfung hatte erhebliche bauliche Mängel ergeben.
  • 16. März 2006: Der Stadtrat beauftragt die Stadtwerke Freizeit GmbH, eine Machbarkeitsstudie für den Neubau einer Veranstaltungshalle zu erstellen.
  • 21. September 2006: Beschluss des Stadtrats, für die Neuordnung des gesamten Stadthallenareals einen Architektenwettbewerb auszuloben.
  • 19. Juni 2007: Das Büro Bayer & Strobel (Kaiserslautern) geht als erster Sieger aus dem europaweiten Architektenwettbewerb hervor. In den Monaten zuvor waren 226 Planzeichnungen und Modelle eingereicht worden.
  • 26. Juli 2007: Der Stadtrat erteilt dem Gewinner-Büro den Planungsauftrag für die neue Stadthalle.
  • November 2007: Das Aktionsbündnis "Stadthalle ja - aber anders" fordert eine alternative Planung.
  • Januar 2008: Das Aktionsbündnis initiiert das Bürgerbegehren "Neue Stadthalle - aber anders als geplant" und sammelt dafür fast 2000 Unterschriften.
  • 20. April 2008: Beim Bürgerentscheid wird die laufende Planung mit fast 70 Prozent der abgegebenen Stimmen gestoppt.
  • 8. Mai 2008: Auf dem Weg zur Neuplanung setzt der Stadtrat einen Arbeitskreis "Stadthallenareal" ein.
  • 14. Oktober 2008: Der Abbruch der alten Stadthalle beginnt.
  • 30. Juli 2009: Nach einem erneuten Architektenwettbewerb erhält das Düsseldorfer Architekturbüro RKW den Planungsauftrag.
  • 8. September 2010: Spatenstich für die Veranstaltungshalle.
  • 3. Dezember 2010: Der Grundstein für die neue Stadthalle wird gelegt.
  • 28. Juli 2011: Nach einer Internet-Abstimmung beschließt der Stadtrat, dass das neue Gebäude "Schwarzachtalhalle" heißen soll.
  • 13. Juli 2012: Die Schwarzachtalhalle wird eingeweiht.

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