03.04.2020 - 14:16 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Andacht aus dem Telefonhörer

Vielen Gläubigen sind die Kirchgänge in der Zeit um Ostern heilig. Weil das aktuell nicht möglich ist, haben sich die katholische und die evangelische Gemeinde in Neunburg vorm Wald etwas einfallen lassen, um trotzdem für sie da zu sein.

Mit Corona-Sicherheitsabstand: Pastoralreferentin Susanne Albang und Stadtpfarrer Stefan Wagner sind zwei der Beteiligten bei der ökumenischen Aktion „Bei Anruf Andacht“. Angestoßen hat die Aktion Pfarrer Gerhard Beck.
von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

Es ist wohl die erste Karwoche und das erste Ostern, das ohne öffentliche Gottesdienste gefeiert wird. Um durch diese Zeit zu begleiten, starten die Seelsorger der katholischen Pfarrei Sankt Josef Neunburg vorm Wald und der evangelischen Kirchengemeinden Neunburg und Nittenau das gemeinsame Angebot „Bei Anruf Andacht“.

Abwechslung bei Gestaltung

Unter der Telefonnummer 09672/81 31 9 71 können sich alle Interessenten ab Palmsonntag jeden Tag quasi auf Abruf per Telefon einen kurzen geistlichen Impuls anhören. Stadtpfarrer Stefan Wagner, Pfarrer Gerhard Beck, Pfarrvikar Benny Joseph Kochumundammalayil, Pastoralreferentin Susanne Albang und Gemeindereferentin Katja Klein aus Nittenau werden die etwa zweiminütigen Ansprachen abwechselnd gestalten.

„Wir haben uns überlegt, wie wir auch die Leute erreichen können, die nicht so fit mit dem Internet sind“, erklärt Pfarrer Wagner. Die Idee für die Aktion stammt vom evangelischen Pfarrer Gerhard Beck, der sie wiederum von der badischen Landeskirche hat. Die Anrufe sind für alle zu jeder Zeit möglich. Es fallen die normalen Telefongebühren an. Antworten könne man zwar nicht, dafür gibt es andere Anlaufstellen, dafür können die Bibelstellen, Gebete oder einfach Gedanken zur aktuellen Situation jederzeit abgerufen werden.

Jeweils am Vorabend wird der Impuls für den kommenden Tag eingestellt. Die Botschaften überlegt sich jeder der Mitwirkenden selber und nimmt sie als Audio-Datei auf. Dieses Projekt sei ein gutes Beispiel für etwas, das zwangsläufig durch Corona entsteht, was man aber durchaus beibehalten könnte. „Ein Kollege nimmt zum Beispiel die Termine in der Gemeinde auf, die dann per Telefon abgerufen werden können“, berichtet Pfarrer Beck.

Digitalisierung nimmt zu

Der evangelische Geistliche spüre seit der Coronakrise auch in der Gemeinde ein deutliches Wachsen der Digitalisierung. „Die Coronakrise bringt auch einen Schub an Kreativität, um die Leute zu erreichen“, sagt Gerhard Beck und gewinnt der Situation damit auch etwas Positives ab.

Wir wollten auch die Leute erreichen, die nicht so fit mit dem Internet sind.

Stefan Wagner, Pfarrer der katholischen Pfarrei Sankt Josef in Neunburg

Stefan Wagner, Pfarrer der katholischen Pfarrei Sankt Josef in Neunburg

Im Blickpunkt:

Mit der Coronapandemie mussten viele digitale Schnittstellen plötzlich funktionieren. Vermehrt werden auch Gottesdienste gestreamt, also über das Internet übertragen. So hat Oberpfalz-Medien bereits Gottesdienste aus örtlichen Kirchen übertragen. Die Webseite sublan.tv versucht dies schon länger zu etablieren, doch erst durch Corona gab es den Aufschwung, erzählt der evangelische Pfarrer in Neunburg vorm Wald, Gerhard Beck. Auch analog versucht die Kirche für ihre Gemeinde da zu sein. "Wir versenden einen Sondergemeindebrief für einen Gottesdienst zu Hause", so Beck. Für Menschen, die krank daheim sind oder nicht so mobil würde sich auch dies eignen, um nach Corona weitergeführt zu werden.

Die Coronakrise bringt auch einen Schub an Kreativität.

Gerhard Beck, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde in Neunburg

Gerhard Beck, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde in Neunburg

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