05.12.2019 - 15:03 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Blaualgen in Badesaison reduzieren

Die Algenplage am Eixendorfer Stausee nagt an der Geduld der Neunburger Stadträte. In einer Resolution stellt fas Gremium deutliche Forderungen an die zuständigen Behörden auf.

Am Ufer des Eixendorfer Stausees zeigt sich das Ausmaß der Blaualgen-Plage, die das Gewässer im Sommer regelmäßig heimsucht.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

30 Jahre Algenplage im Eixendorfer Stausee und 25 Jahre Runder Tisch müssen nun endlich zu einer Lösung führen, damit eine gute Wasserqualität des Eixendorfer Sees gerade für die Badesaison wiederhergestellt und gesichert wird. Dieser Meinung waren die Stadträte bei der öffentlichen Sitzung am Montagabend, die sie mit einem einstimmigen Beschluss für eine Resolution an die Wasserwirtschaftsverwaltung und damit den Freistaat Bayern untermauerten.

"Um dieses Ziel erreichen zu können, vertreten wir nach wie vor die Forderung, einen Entnahmeturm so bald wie möglich zu testen und hierzu den für voraussichtlich in 2020 geplanten Turm am Grundablass gleich vollständig entsprechend auszurüsten." Wie Sachbearbeiter Georg Keil ausführte, steht am 6. Dezember der nächste Runde Tisch "Eixendorfer See" an. Er verwies auf die Stadtratssitzung am 13. Dezember 2018, in welcher das Gremium die Verbesserung der Wasserqualität ausführlich beraten hatte. "Die Anregung eines Entnahmeturmes wurde trotz entsprechender Forderung bisher nicht umgesetzt", kritisierte Keil.

Diese Maßnahme stehe aber bei den Akteuren und der Bevölkerung vor Ort weiter hoch im Kurs, da die Ableitung von Wasser aus der Oberschicht dem Entstehen von Blaualgen entscheidend entgegen wirke. "Ohne einen Entnahmeturm werden wohl andere Maßnahmen allein, wie die Anpflanzung von Röhricht, Weißfisch-Entnahme und Ähnliches nicht den gewünschten Erfolg bringen", brachte der Geschäftsleiter vor.

Sofort einplanen

Im Interesse einer wirtschaftlichen, notwendigen und zweckmäßigen Vorgehensweise seien sich die beiden Städte Rötz und Neunburg vorm Wald darin einig, dass die Vorrichtung zur Oberflächenwasserableitung beim geplanten Schachtbauwerk am Grundablass sofort mit eingeplant und ausgeführt werden müsse. Die Mehrkosten hierfür dürften sich im Vergleich zu den Gesamtkosten des Turms im Rahmen halten, so die Einschätzung. Eine Nachrüstung käme wesentlich teurer und würde eine erneute Absenkung des Stausees erfordern. "Das wäre unwirtschaftlich und kostet wieder unnötig Zeit", so Keil. Und es würde die Geduld der Menschen in der Region nur unnötig strapazieren.

Auf Experten gestützt

Beim Runden Tisch am 6. Dezember wird die Stadt deshalb noch einmal die vollständige Planung und den Bau eines Entnahmeturms an der Hauptsperre fordern. Nach bisheriger Experteneinschätzung bestehe grundsätzlich die Möglichkeit, mit der sogenannten emplimnischen Entnahme die Blaualgen-Entwicklung derart zu manipulieren, dass zumindest während der Badesaison das Risiko einer Blüte effektiv reduziert werden könnte. Indes kündigt das Wasserwirtschaftsamt weitere Maßnahmen an (siehe Kasten)

Seiten-Zufluss bringt viele Nährstoffe:

Ideen gegen die Plage

Wie kann mit Maßnahmen direkt am Eixendorfer See mitgeholfen werden, die Wasserqualität, vor allem im Hinblick auf die Blaualgenblüten, zu verbessern? Diese Frage stellte das Wasserwirtschaftsamt Weiden (WWA) unter Beteiligung der Städte Neunburg vorm Wald und Rötz im Rahmen des „ÖKON-Gutachtens“. Inzwischen sei klar: Eine nachhaltige Verbesserung ist nur durch die Verminderung der Nährstoffeinträge aus dem Oberlauf möglich, heißt es in einer Pressemitteilung des Wasserwirtschaftsamts. Gleichwohl versuche das Amt aber mit Maßnahmen direkt am See, die Situation zu verbessern.

Die im Gutachten vorgeschlagenen Aktionen wurden bei den „Runden Tischen“ diskutiert. Als Ergebnis hieraus lässt die Behörde derzeit zwei Maßnahmen näher untersuchen. Gezielte Anpflanzungen, etwa von bestimmten Röhrichten, können durch ihr Wachstum den Blaualgen Nahrung entziehen. Weiterhin wäre ein vom Hauptsee abgetrennter Badebereich eine Möglichkeit, die Belange des Tourismus zu unterstützen. Mit der Ausführung dieser Maßnahmen beschäftige sich aktuell im Auftrag des WWA die „ÖKON“ aus Kallmünz in Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro „SKI GmbH“ aus München.

Gefragt sind natürlich besonders die Kenntnisse der Beteiligten und deren Ideen und Interessen. Das WWA hatte daher bereits am 16. Juli an den Eixendorfer See geladen, um die weiteren Planungen mit Vertretern der Städte Neunburg vorm Wald und Rötz sowie dem Fischereiverein und dem Yachtclub Neunburg abzustimmen. Ein weiteres Treffen in gleicher Runde habe am 29. November stattgefunden, so das WWA. An sichtbaren Maßnahmen verweist das WWA vor allem auf die beiden Ende Oktober eingebrachten „schwimmenden Inseln“, die als Pilotvorhaben klären sollen, wie diese mit den Wasserspiegelschwankungen oder der Eisbildung im Eixendorfer See zurechtkommen und wie viel Phosphor tatsächlich entnommen werden kann. Für die Schaffung von „ortsfesten“ Anpflanzungen steht laut WWA der Bereich der Vorsperre im Fokus. Hier ist die Stauhöhe konstanter und die Nährstoffe würden direkt im Zulauf des Sees dem Wasser entzogen. Vorstellbar sind hier laut WWA Anpflanzungen im Bereich der Grenzbachmündung oder die Schaffung von „Flachwasserzonen“.

Für alle Beteiligten überraschend seien die Erkenntnisse in Bezug auf die Badebucht gewesen. Dass sie teuer kommen würde, war klar. Andererseits spiele der dortige Seitenzufluss eine wesentliche Rolle für die Wasserqualität. Es wurde festgestellt, dass die mittlere Phosphorkonzentration des Zulaufs in die dann abgetrennte Bucht sogar höher liege, als die Konzentration am Zufluss der Schwarzach in den Hauptsee. Dies könnte dazu führen, dass die Wasserqualität im abgesperrten Badebereich schlechter wäre als im Hauptsee. Auch hier seien also Maßnahmen am Bach selbst notwendig, um den Nährstoffeintrag zu reduzieren. Aus diesem Grund wurde dieser Bereich zusätzlich in die Planungen zum laufenden „bo-den:ständig“-Projekt unter Federführung des Amtes für Ländliche Entwicklung Oberpfalz mit aufgenommen. Gerade die letzte Erkenntnis habe bei den Teilnehmern das Bewusstsein dafür geschärft, dass ein intakter Sees langfristig nur über Maßnahmen im Einzugsgebiet zur Reduktion der Nährstoffzufuhr gelingen könne.

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