29.11.2018 - 16:18 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Blaualgen-Blocker am Haken

Die grüne Pest muss weg. Als Heimsuchung empfinden Anwohner, Badegäste und Angler die alljährliche Algenplage am Eixendorfer Stausee bei Neunburg. Jetzt schöpfen sie mit Blick auf Sachsen neue Hoffnung.

Blaualgen sind - anders als der Name sagt - grüne schlierenartige Gebilde im Wasser, die in großer Konzentration giftig sind. Hier haben sie in diesem Sommer Spuren am Ufer des Eixendorfer Stausees hinterlassen.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Seit Jahren macht sich immer wieder in den Sommermonaten ein Teppich aus schleimigen Blaualgen im Eisendorfer Stausee breit. Und seit Jahren fordert der Neunburger Stadtrat Walter Drexler, diese toxischen Auswüchse mit einem Abfluss-System für das Oberflächenwasser zu bekämpfen. Bislang fiel dieser Vorschlag bei Gutachtern und Fachleuten durch. Sie prophezeiten einen langen Weg, um den Phosphor-Eintrag in den Griff zu bekommen, der die Algen – eigentlich Cyanobakterien – begünstigt. Für technische Lösungen wie eine Seewasser-Dialyse rechneten sie mit zweistelligen Millionenbeträgen. Doch jetzt scheint ein Projekt in Sachsen neue Chancen auf eine schnelle und finanzierbare Lösung zu bringen.

"Ich bin im Internet zufällig auf die Talsperre in Bautzen gestoßen", berichtet Drexler in einem Pressegespräch mit dem Neunburger Bürgermeister Martin Birner. Und was er dort entdeckte, entsprach genau seinen Vorstellungen für die Lösung des Algenproblems am Eixendorfer Stausee, über das seit Jahrzehnten bei einem Runden Tisch debattiert wird. Außerdem gab es in Sachsen zahlreiche Parallelen: ein ähnliches Alter der Anlage, eine ähnliche Wassertiefe und Seegröße und den gleichen Ärger mit Blaualgen alias Cyanobakterien. "Das lässt sich 1:1 auf unseren Fall übertragen", erkannte der Neunburger Stadtrat und stieß auf einen Lösungsansatz, der nun Vorbild für Neunburg sein könnte. Zusammen mit dem Helmholtz-Institut für Seenforschung hat die Landestalsperrenverwaltung (LTV) Sachsen eine Wasserentnahmeanlage mit einem 20 Meter tiefen Schacht entwickelt. Durch diesen Schacht soll genau die warme Wasserschicht abfließen können, die den Blaualgen optimale Wachstumsbedingungen liefert. Ermittelt wird sie über Temperaturfühler.

"Die Anlage war heuer erstmals im Einsatz, und es war ein toller Erfolg", erzählt Drexler begeistert. "Wir wollen, dass das Wasser im See in Bewegung bleibt, damit keine Kloake entsteht", erinnert Birner an den Ansatzpunkt, der nun in Sachsen erfolgversprechend war. Keinesfalls wolle man den Algenteppich dabei zu Lasten der Unterlieger an der Schwarzach entsorgen, sondern ihn durch Ableitung des warmen Wassers gar nicht erst entstehen lassen. Auf der Suche nach fundierten Informationen reiste Bürgermeister Birner zusammen mit Drexler und dem Vorsitzenden des Fischereivereins Michael Throner nach Sachsen. Bei Sebastian Fritze, Betriebsleiter der Talsperrenmeister Spree-Neiße, trafen sie auf einen kompetenten Gesprächspartner, der sich durchaus vorstellen konnte, dass die im Sommer 2018 erprobte Anlage auch in Neunburg funktioniert. "Die betreuen dort 92 Stauseen und Rückhaltebecken, da gibt es einen unheimlichen Erfahrungsschatz", argumentiert der Neunburger Stadtrat" und verweist auf eine weitere Maßnahme, die in Sachsen realisiert wurde: Im Bereich der Vorsperre wurden dort bereits im Jahr 2000 rund 216 000 Kubikmeter Sediment ausgeräumt, um die Wasserqualität zu verbessern.

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Neunburg vorm Wald

"Ich bin optimistisch, dass sich das mit dieser Wasserentnahmestation schlagartig regeln lässt", so Drexlers Bilanz nach dem Besuch in Bautzen. "Das funktioniert wie mit dem Humus auf der Wiese: Wenn ich den wegnehme, dann wächst nichts mehr." Utopisch sei es dagegen, die Nährstoffe im See wesentlich reduzieren zu wollen, schließlich sei auch bei stillgelegter Landwirtschaft mit einem Phosphor-Eintrag von neun Tonnen pro Jahr zu rechnen. "Wir haben jetzt auf jeden Fall eine Gesprächsbasis", ergänzt der Bürgermeister. Die Investition in Sachsen in Höhe von 700 000 Euro findet er "überschaubar". "Noch ein Grund, sich an diesen Strohhalm zu klammern, ist die Wasserrahmenrichtlinie", argumentiert Drexler und verweist auf den ökologisch schlechten Zustand des Wassers nach der Stausee-Passage.

Der nächste Schritt zielt nun auf einen Stadtratsbeschluss mit der Bitte ans Ministerium, den neuen Lösungsansatz zu prüfen. "Wir wollen jetzt Druck aufbauen, denn für 2020 Baumaßnahmen am Stausee an, darunter auch eine Fischtreppe", meint der der Bürgermeister, "bis dahin müssen wir das auf die Reihe kriegen".

Das Grün am Ufer und im See macht wenig Lust auf ein Bad. In diesem Sommer galt sogar ein offizielles Badeverbot .
In diesem Sommer gab es zum ersten mal ein Badeverbot für den See, der offiziell dar nicht zu den Badegewässern zählt.
Mit Sebastian Fritze, dem Betriebsleiter der Talsperrenmeisterei Spree-Neiße (links), diskutierte die Delegation aus Neunburg mit (von links) Walter Drexler, Bürgermeister Martin Birner und Fischereivereinsvorsitzendem Michael Throner, ob der Blaualgen-Blocker aus Sachsen auch für den Eixendorfer Stausee in Frage kommt.
Bürgermeister Martin Birner (links) und Stadtrat Walter Drexler sichten die Unterlagen, die sie aus Bautzen mitgebracht haben. Von den Erfahrungen dort versprechen sich die beiden ein Lösung für die Algenplage am Eixendorfer Stausee.

Das funktioniert wie mit dem Humus auf der Wiese: Wenn ich den wegnehme, dann wächst nichts mehr.

Walter Drexler über die anvisierte Wasserentnahmestation

So massiv kann die Algen-Schicht sein.
In dieser Konzentration macht das Schwimmen keinen Spaß mehr. Gerade in wärmeren Schichten bilden sich Algen. In Neunburg gibt es deshalb nun den Vorstoß, diese Wasserschichten gezielt abzuzapfen, bevor sich die toxische Bakterienart explosionsartig vermehrt.
Infos:

Der Eixendorfer See ist benannt nach der ursprünglichen Ortschaft, deren Überreste auf dem Grund des Sees liegen. Er ist der größte von drei Wasserspeichern entlang der Schwarzach und wurde von 1971 bis 1976 gebaut. Sein Einzugsgebiet umfasst rund 400 Quadratkilometer. Um eine Verlandung zu verhindern, wurde 1987 eine Vorsperre im Stauwurzelbereich errichtet. Ziel der Anlage war der Hochwasserschutz, außerdem wird hier Strom gewonnen: Die seit 1975 vom den bayerischen Landeskraftwerken betriebene Wasserkraftanlage erzeugt jährlich durchschnittlich 3,8 Millionen Kilowattstunden. Eigentümer ist der Freistaat, Betreiber das Wasserwirtschaftsamt Weiden. Die Wasserfläche umfasst bei Normalstau rund 100 Hektar, die Wassertiefe liegt dann bei rund 13 Metern. Längst ist der See auch Anziehungspunkt für Freizeitsportler, Angler und Touristen. Am südlichen Ufer gibt es einen Campingplatz. (bl)

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