Neunburg vorm Wald
21.03.2023 - 13:33 Uhr

Damit Waldbesitzern im Klimawandel nicht die Zeit davonläuft: Neue Jagdkonzepte gefragt

Der Klimawandel ist da. Den Waldbesitzern läuft in ihren Fichten-und Kiefernwäldern in der östlichen Oberpfalz die Zeit davon. Wie kann der klimatolerante Waldumbau funktionieren?

Ein bewährtes Team unterstützt die Waldbesitzer bei ihren Aufgaben. Als Referenten hatte man sich Bauernjäger Nikolaus A. Urban ins Boot geholt. Im Bild von links dritte Vorsitzende Beate Politzka, zweiter Vorsitzender Johann Scheuerer, Beisitzer Josef Frey, Vorsitzender Martin Prey, Wald-Wild-Berater Nikolaus A. Urban, Kassenprüfer Günther Gilch, Geschäftsführer Alfons Vogl, Förster und WBV-Berater Fritz Reichert sowie WBV-Förster Matthias Baumgärtner. Bild: Vogl/exb
Ein bewährtes Team unterstützt die Waldbesitzer bei ihren Aufgaben. Als Referenten hatte man sich Bauernjäger Nikolaus A. Urban ins Boot geholt. Im Bild von links dritte Vorsitzende Beate Politzka, zweiter Vorsitzender Johann Scheuerer, Beisitzer Josef Frey, Vorsitzender Martin Prey, Wald-Wild-Berater Nikolaus A. Urban, Kassenprüfer Günther Gilch, Geschäftsführer Alfons Vogl, Förster und WBV-Berater Fritz Reichert sowie WBV-Förster Matthias Baumgärtner.

Mit revierspezifischen Jagdkonzepten hin zu mehr biologischer Vielfalt im Wald, lautet die Devise bei der Jahreshauptversammlung der Waldbesitzervereinigung Neunburg/Oberviechtach in der Schwarzachtalhalle. Bauernjäger Nikolaus Urban ist zu Gast.

Ein Faktor, der den Waldumbau entscheidend beeinflusst, ist die Art der ausgeführten Jagdweise. Diesen Schwerpunkt erläutert Nikolaus Urban aufgrund seiner jahrzehntelangen Erfahrung in Impulsreferaten. Ideologische und emotional geladene Diskussionen lässt der Referent dabei außen vor und konzentriert sich auf das gemeinsame Wesentliche. Das große gemeinsame Ziel könne beispielsweise lauten: Mehr Artenreichtum im Wald. Das heißt, es geht um viele Tierarten und um viele Pflanzenarten, deren Bestand nicht nur gesichert wird, sondern deren Artenvielfalt erhöht werden soll. Auf dieses Ziel könnten sich Waldbesitzer, Forstvertreter und Jäger einigen.

Mit Verbiss zu kämpfen

Seit 50 Jahren wird der Rehwildverbiss diskutiert, seit 30 Jahren werden Verbissgutachten erstellt und das Gutachten von 2021 stuft zwölf Prozent der Hegegemeinschaften in Bayern als „günstig“ ein, schickt Nikolaus Urban voraus. Das bedeute in 88 Prozent der Fälle haben Waldbesitzer in Bayern mit Verbiss zu kämpfen und das seit 30 Jahren, so Urbans Schlussfolgerung.

Die Rehwildpopulation sei sehr hoch und es sei allein der Mensch, der diese hohe Population verursache. Das Rehwild als Kulturfolger besiedle alle Lebensräume, es profitiere aufgrund des Klimawandels von den Schadflächen, auf denen es vermehrt Nahrung finde. Zusätzlich werde es gehegt und zum Schaden seiner eigenen Art auch noch gefüttert. Die hohe Populationsdichte wiederum rufe Krankheiten in der eigenen Art hervor. Somit gehe es auch dem wildlebenden Reh nicht gut. "Ist die Jagd hier wirklich angewandter Naturschutz?", fragt Nikolaus Urban.

Gemeinsames Jagdkonzept

Es sei Zeit für gemeinsames Handeln. Waldbesitzer und Jäger könnten ein gemeinsames Jagdkonzept erarbeiten. Das könnte zum Beispiel folgende Inhalte haben: Verkürzung der Jagdzeit für Rehe, dafür Intervalljagden und Sammelansitze im Wald. "Wird das Wild im Wald bejagt, wird es sich vermehrt außerhalb des Waldes aufhalten und der Verbiss im Wald nimmt ab", so die Schlussfolgerung.

Dabei müsse der Rehwildabschuss nicht unbedingt erhöht werden. Die naturnahe Jagd sollte dem Wohle aller Lebewesen dienen, dabei stehe der Wald vor dem Jagdvergnügen des Jägers. Der Waldbesitzer selbst habe die Aufgabe, sich um Licht im Wald zu kümmern, damit die Naturverjüngung stattfinden könne. Jäger sind nach Ansicht Urbans im Wald gefordert auf Schadflächen zu jagen, "da hier das Futterangebot für das Rehwild immer größer wird". Fütterungen seien überflüssig, erhöhten die Rehpopulation und würden somit auch der Gesundheit des Rehwildes schaden. Jagdeinrichtungen wie Hochsitze könnten gemeinsam von Jagdgenossen und Jägern erbaut werden.

Die naturnahe Jagd zum Wohle aller Lebewesen kann nach Ansicht Urbans nur gelingen, wenn Waldbesitzer und Jäger miteinander sprechen und gemeinsam handeln mit dem Ziel, "dass es dem Wald und dem Wild besser geht". Alle Beteiligten seien aufgefordert, revierspezifische Jagdkonzepte zu erstellen und umzusetzen.

Mehr Bedarf an Häckselholz

Details zur Waldbesitzervereinigung gab es in der Versammlung der Waldbesitzer von Vorsitzendem Martin Prey. Einen Blick auf die Geschäftszahlen richtete Geschäftsführer Alfons Vogl. 506 Mitglieder haben 2022 Holz über die WBV vermarktet, die Vermarktungsmenge betrug 56 000 Festmeter Holz in verschiedenen Sortimenten. Mit 69 Prozent lag das Sortiment der Fixlängen an der Spitze. Der Bedarf an Langholz und Schleifholz nimmt ab, der Bedarf an Häckselholz zu. In naher Zukunft werden laut Vogl Holzlagerplätze über die WBV organisiert, um anfallendes Schadholz lagern zu können. Eine Infofahrt zu den Bauernjägern ins Rottal ist geplant, ebenso eine Fahrt zum großen Waldtag in Kelheim am 25. Juni.

Den Jahresabschluss 2022 präsentierte Michael Stahl von der Treukontax den Anwesenden. Ein durchwegs positives Ergebnis spreche für einen stabilen Haushalt der WBV. Berater und Förster Fritz Reichert erläuterte die möglichen staatlichen Fördermaßnahmen zum klimatoleranten Waldumbau. Auch im Bereich des Vertragsnaturschutzes sind Förderungen, beispielsweise für Totholz, möglich. Interessierte Waldbesitzer können sich bei den zuständigen Revierförstern melden.

Ihr Interesse an der Arbeit der Waldbesitzervereinigung zeigten der Neunburger Bürgermeister Martin Birner, Josef Irlbacher vom Bauernverband, Regina Härtl (AELF Regensburg-Schwandorf) und Leitender Landwirtschaftsdirektor Georg Mayer (AELF Regensburg-Schwandorf).

Info:

Waldbesitzervereinigung Neunburg-Oberviechtach

  • Größe:Mit 2260 Mitgliedern und 17 700 Hektar Fläche ist die WBV eine der größten in der Oberpfalz.
  • Service: Mit Holzmarktgesprächen, Newsletter, Rundschreiben und 17 Infoveranstaltungen wurden die Mitglieder 2022 regelmäßig informiert.
  • Leihgeräte:Bei der WBV Neunburg-Oberviechtach können Maschinen wie Rückewagen, Trommelsäge und Hacker ausgeliehen werden.
  • Material:Es gibt ein umfangreiches Angebot an Forstmaterialien zum Einzelschutz und Zaunbau. Auch die Waldpflanzenbestellungen im Frühjahr und im Herbst jeden Jahres können die Mitglieder nutzen.
 
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