02.09.2020 - 19:04 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Demokratie gegen Hetzer verteidigen

Beginn des Zweiten Weltkrieg: Dieses Datum ist jedes Jahr Anlass für eine Gedenkfeier am Plattenberg. Der Appell, die Demokratie zu verteidigen, hat auch einen sehr aktuellen Anlass.

Die Teilnehmer legten nach den Ansprachen zum Antikriegstag auf dem Plattenberg Sonnenblumen auf den zwölf Grabsteinen, die die zwölf Stämme Israels symbolisieren, nieder. Im Bild (von links) Tom Hiltl (DGB), MdB Marianne Schieder, Kreisrat Franz Schindler, Zweite Bürgermeisterin Margit Reichl, Theresa Krämer und eine Vertreterin der Deutschen Friedensgesellschaft.
von Helga ProbstProfil

Der Antikriegstag auf dem Plattenberg (Neunburg vorm Wald) geht auf eine Initiative des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zurück. Unter dem Motto „Nie wieder Krieg“ begehen diesen Tag bundesweit viele Menschen in Erinnerung an den Beginn des Zweiten Weltkrieges am 1. September 1939 und als Mahnung zum Frieden. Traditionell hat die Gedenkfeier in Neunburg wieder Kreisrat Franz Schindler in Abstimmung mit dem DGB auf dem Gelände des KZ-Gedenkfriedhofs organisiert.

Mehr Teilnehmer

In ganz Bayern wurden 1950 KZ-Friedhöfe errichtet. So auch in Neunburg auf dem Plattenberg, wo 615 unbekannte Opfer der Todesmärsche eine würdige Ruhestätte gefunden haben. Die Anlage wird vom GOV Neunburg gepflegt, wofür dem Vorsitzenden, Herbert Seidel, großes Lob gezollt wurde. Seit 1957 lädt der Deutsche Gewerkschaftsbund alljährlich zum Antikriegstag ein. Heuer folgten der Einladung 60 Teilnehmer, das waren mehr als die Jahre zuvor. Tanja Rotsch spielte und sang die passenden Lieder, wie „sag mir wo die Blumen sind“ oder die „Moorsoldaten“.

Ruhestätte für die Opfer der Todesmärsche

Neunburg vorm Wald

Organisator Franz Schindler begrüßte eine stattliche Anzahl an Kreis- und Stadträten, ehemalige Bürgermeister, Altlandrat Hans Schuierer und MdB Marianne Schieder. Schindler erinnerte an den 75. Jahrestag der Todesmärsche im April 2020. Zum 81. Mal jähre sich heuer der Beginn des Zweiten Weltkrieges und es sei ein Grund zur Freude, dass inzwischen zwei Generationen in Frieden aufwachsen konnten. „Sie mussten keine Grausamkeiten wie ihre Eltern und Großeltern erdulden“, sagte Schindler. Es sei aber klar, dass der Frieden in Europa an einem seidenen Faden hänge. „Es gibt so viele Hetzer und viel zu wenig Friedensbewegung“, war der Kreisrat überzeugt.

Erinnerung wachhalten

Die vielen Toten auf dem KZ-Friedhof seien nicht nur Mahnung sondern auch ein Grund zum umdenken, sagte Margit Reichl. „Die Geschichte verpflichtet uns gegen jeden Angriff auf die Demokratie vorzugehen“, so die Zweite Bürgermeisterin der Stadt Neunburg vorm Wald. „Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!“, laute die Lehre, die die Gewerkschaften aus der Geschichte gezogen haben, machte Tom Hiltl klar. Der Vorsitzende des DGB-Ortskartells Schwandorf war überzeugt, dass es an uns liege, die Erinnerung an die zahllosen Toten wachzuhalten. Gleichzeitig müsse bewusst sein, dass Deutschland angesichts der Menschheitsverbrechen der Nazis eine besondere Verantwortung für den Frieden trage.

Marianne Schieder dankte für die Organisation der Gedenkfeier, denn sie mache jedes Jahr deutlich, wie wichtig es sei, den Frieden zu erhalten und den Krieg zu bekämpfen. „Wir sind aufgefordert wachsam zu sein“, erklärte die Bundestagsabgeordnete in Bezug auf die jüngsten Ereignisse in Berlin, als Rechtsradikale versucht haben, den Reichstag zu stürmen. „Wir müssen immer und überall Partei ergreifen und für den Frieden und die Demokratie kämpfen“, forderte Schieder.

Den Abschluss der Gedenkfeier bildeten die Erlebnisse von Theresa Krämer, die mit Vertretern der Deutschen Friedensgesellschaft und der Falken gekommen war. Sie schilderte die unwürdigen Bedingungen, unter denen die Flüchtlinge in dem Lager Moria in Griechenland leiden. Die Teilnehmer legten Sonnenblumen auf die zwölf Grabsteine, die die zwölf Stämme Israels verkörpern, nieder.

Tanja Rotsch begleitete die Gedenkfeier "Nie wieder Krieg" mit den passenden Liedern.
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