Neunburg vorm Wald
01.02.2023 - 15:11 Uhr
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Nach drei Jahren Corona-Pause: "Hussenkrieg"-Festspiel kehrt auf die große Bühne zurück

Im Burghof gehen endlich wieder die Scheinwerfer an. Das Neunburger Festspiel "Vom Hussenkrieg" gibt im Juli sein Comeback. Das Publikum darf auf eine komplett neue Inszenierung gespannt sein.

In den vergangenen drei Jahren hatte das Coronavirus die Dramaturgie beim Neunburger "Hussenkrieg"-Festspiel bestimmt – seit 2020 waren die Aufführungen ausgefallen. Doch heuer kehren Pfalzgraf, Ritter, Hussiten und Co. für fünf Aufführungen wieder auf die große Bühne zurück. Symbolisch für die Wiederaufnahme des Theaterbetriebs sind ein neues Textbuch, eine völlig überarbeitete Handlung und ein Regie-Team aus drei Frauen.

"Wir erzählen unsere Geschichte nun mit Zeitsprüngen", berichtet Manuel Winkler, der Vorsitzende des Festspielvereins, gegenüber Oberpfalz-Medien. Für die Zuschauer geht es ins Jahr 1456: Über 20 Jahre nach der Schlacht von Hiltersried begegnet ihnen der Oberpfälzer Ritter Tristram Zenger, der in den bisherigen Festspiel-Versionen im Zweikampf mit seinem Vater gefallen war. Doch in der neuen Fassung hat Tristram die Schlacht überlebt und eine Familie gegründet.

"Komplett neues Stück"

Doch weil er Hussit ist, wird er nach wie vor angefeindet und von der Bevölkerung gemieden. Sein Sohn Milo versteht nicht, warum das so ist, und der Vater erklärt ihm, was sich einst ereignet hat. Für die weitere Handlung bleibt die Text-Vorlage von Peter Klewitz nach wie vor die Basis. Nach Ideen der neuen Regisseurin Karin Michl hat Dramaturgin Christina Fink daraus, wie Winkler sagt, "ein komplett neues Stück" geformt. Ein neues Bühnenbild wird es ebenfalls geben. Es soll auf mehreren Ebenen bespielbar sein, unter anderem mit einer begehbaren Burgmauer.

Auch auf der Besetzungsliste hat der Vorsitzende einige Änderungen verzeichnet. Nach über 35 Jahren als "junger Ritter Zenger", nimmt Bruno Spitzhirn nun die Vaterrolle ein. Sein jüngeres Alter Ego wird von Christian Voith verkörpert, bisher als hussitischer Anführer Pardus und in der Rolle des "Michl" auf der Bühne. "Die Sprechrollen sind alle besetzt", vermeldet Winkler, nachdem in der Corona-Pause doch einige Mitspieler ihre "Theater-Karriere" beendet hatten. Endlich als Pfalzgräfin Beatrix darf nun Julia Grund agieren: Sie hatte diese Rolle schon 2020 übernommen, doch hatte die Pandemie das "Hussenkrieg"-Debüt bislang verhindert

Beim Umsetzen der Inszenierung verfolgt die neue Regisseurin Karin Michl einen Ansatz aus der Theaterpädagogik. "Wir wollen die Spieler mit einbinden und das Stück gemeinsam mit ihnen entwickeln", schildert sie die Herangehensweise, bei der sie – wie bereits erwähnt – von Dramaturgin Fink und außerdem von Regieassistentin Verena Forster unterstützt wird. Bereits im vergangenen November stand für die Mitwirkenden die Leseprobe des künftigen Textbuchs im Terminplan. Mitte Januar haben die Dialogproben begonnen.

"Mit ist vor allem wichtig, dass die Emotionen glaubhaft 'rüberkommen", betont Michl gegenüber Oberpfalz-Medien. Die Darsteller müssten verstehen, in welcher Lager sich die Figuren befinden. In der Handlung stünden schließlich die Hussiten vor den Toren Neunburgs, ein Krieg zieht auf – "da bleibt keiner ruhig", gibt die Regisseurin zu verstehen. Die Leute sind von Angst und Furcht geplagt – "das muss auf der Bühne auch richtig gezeigt werden". Dieses Darstellen von Gefühlen spielte daher auch bei zwei Theater-Workshops im vergangenen Oktober eine große Rolle.

Mit Spaß zum Erfolg

Das künftige Textbuch ist übrigens noch nicht in Stein gemeißelt. Wenn etwas merkwürdig klinge oder ein Spieler eine Textpassage nicht versteht, würden aktuell noch Überarbeitungen vorgenommen, schildert die Regisseurin. Die endgültige Fassung soll zum Beginn der Szeneproben im Mai stehen. Wichtig ist Karin Michl noch, dass die Spieler Spaß an der Theaterarbeit haben – "wenn der fehlt, wird's nichts".

Für die Stadt Neunburg als Veranstalter des "Hussenkrieg" sieht Bürgermeister Martin Birner der Neuinszenierung "sehr positiv gestimmt" entgegen. Er sei schon neugierig, was im Sommer auf die Bühne gebracht wird. Die Unterbrechung wegen Corona hätten Stadt und Verein zu "sehr guten Gesprächen" genutzt, um den Zusammenhalt zwischen den beiden Partnern zu stärken. Er würdigte die Anstrengungen des Vereins, das Ensemble in der theaterfreien Zeit zusammenzuhalten.

Sowohl dem Bürgermeister als auch dem Vorsitzenden war es ein Anliegen auf drei Jubiläen hinzuweisen, die der Festspielstadt Neunburg heuer ins Haus stehen. So wurde vor 100 Jahren – im Jahr 1923 – zum ersten Mal das Vorgänger-Stück "Die Hussitengeißel" gezeigt, vor 40 Jahren (1983) fand die "Hussenkrieg"-Uraufführung statt, und vor 35 Jahren gründete sich der Festspielverein. Dazu ist ein größerer Festakt im Burghof im Gespräch.

"Erste Buchungen für unsere Aufführungen liegen bereits vor", vermeldete Bürgermeister Birner beim offiziellen Start des Kartenvorverkaufs. Ulrike Meixner, im Neunburger Rathaus zuständig für Öffentlichkeitsarbeit, rückte dabei das erweiterte Vorprogramm mit Schmied, Wollmacher, Puppenspielerin, Tanzgruppe und Hofmusik in den Fokus. Nicht nur deswegen lohne sich heuer ein Besuch im Burghof. Die Schirmherrschaft über die 38. "Hussenkrieg"-Saison soll das Neunburger Bauunternehmen Steininger übernehmen, vertreten durch die Geschäftsführer Michaela und Siegfried Dettmann.

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Neunburg vorm Wald06.06.2022
Info:

Geschichtlicher Hintergrund und Festspiel-Termine

  • Auslöser für die Hussiten-Kriege war im Jahr 1415 die Verbrennung des tschechischen Reformators Jan Hus. Die Stadt Neunburg geriet durch ihre grenznahe Lage öfter ins Visier der Hussiten. Als diese 1433 die tschechische Stadt Pilsen belagerten, brach erneut ein hussitisches Heer zum Proviant-Raub in die Oberpfalz ein. Beim Dorf Hiltersried überraschte sie am 21. September 1433 ein Heer des Pfalzgrafen Johann und schlug sie vernichtend.
  • Die fünf Aufführungen des Hussenkrieg finden am 7., 8., 15., 21 und 22. Juli statt, Beginn ist jeweils um 20.30 Uhr im Burghof. Karten gibt's unter anderem in Neunburg in der Buchhandlung am Tor sowie im Büro- und Pressezentrum, in Oberviechtach im Reisebüro "Reiseland", außerdem in Tourismusbüro in Schwandorf. Weitere Auskünfte erteilt die Tourist-Information Neunburg unter Telefon 09672/9208421.
  • Eine Sonderausstellung zum Thema "Hussiten" soll vor den Aufführungen im Juli in der Fronfeste besichtigt werden können. Außerdem zeigt das Schwarzachtaler Heimatmuseum bereits ab 21. Mai eine Sonderausstellung über das Neunburger Festspiel.
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