19.03.2021 - 16:40 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Mit Drohne und digitaler Karte ins Revier: Ein Berufsjäger hat viele Felder zu bestellen

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Das Bild vom Jäger, der mit Büchse und Dackel im Wald sitzt, ist überholt. Wer das Weidwerk als Beruf erlernt, den erwarten vielfältige Aufgaben. In einem Betrieb bei Neunburg werden aktuell zwei junge Revierjäger ausgebildet.

Auf einer Biotopfläche zeigt Ausbilder Paul Stelmach (rechts) den Revierjäger-Azubis Peter Schneebichler und Louis Ehrhardt (von links) eine "Wilde Karde". Die Blätter dieser Pflanze sind wie Becher geformt und dienen Vögeln und Insekten zur Trinkwasserversorgung.
von Philipp Mardanow Kontakt Profil

Die Ausbildung zum Revierjäger dauert in Deutschland drei Jahre, in Bayern ist sie mit vorher abgeschlossener Berufsausbildung auf zwei Jahre verkürzt. Im Betrieb "Forst Eibenstein" in Gütenland (Stadt Neunburg vorm Wald) streben der 20-jährige Louis Ehrhardt aus Plauen (Vogtlandkreis) und der 22 Jahre alte Peter Schneebichler aus Neubeuern (Landkreis Rosenheim) diesen Beruf an. Beide befinden sich im zweiten Lehrjahr, ihr Ausbildungsleiter ist der Revierjagdmeister und Betriebsleiter bei "Forst Eibenstein", Paul Stelmach.

"Mein Vater ist Jäger", nennt Peter Schneebichler einen Auslöser für seine Berufswahl. Der junge Oberbayer ist seit seinem 16. Lebensjahr Jagdschein-Inhaber und hat zunächst eine Ausbildung zum Feinwerkmechaniker gemacht. Später kam dann der Entschluss, aus der Werkstatt in den Jagdbetrieb zu wechseln. Im ursprünglich erlernten Beruf sei es ihm etwas zu eintönig gewesen: "Als Revierjäger ist es immer wieder eine andere Arbeit, das ist je nach Jahreszeit ganz unterschiedlich", schildert der 22-Jährige.

Von einem "vielseitigen und abwechslungsreichen Beruf, der Spaß macht", spricht auch sein Kollege Louis Ehrhardt. Er hatte seine Ausbildung direkt nach dem Realschul-Abschluss begonnen. Der 20-Jährige besitzt ebenfalls schon länger einen Jagdschein. Laut der Homepage des zuständigen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, werden bevorzugt Auszubildende eingestellt, die unter anderem bereits die Jagdprüfung bestanden haben.

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Der Lehrplan der Revierjäger-Ausbildung ist enorm vielfältig. Das Erkennen von Tieren und Pflanzen steht unter anderem ebenso im Stundenplan wie Maßnahmen zur Wildschadensverhütung, die Jagdvorbereitung sowie die Instandhaltung und Pflege von Hochsitzen und Fütterungsstellen. Die angehenden Weidmänner lernen aber auch, wie sie ihre Waffen tierschutzgerecht einsetzen, erlegtes Wildbret verwerten, Lebensräume erhalten und Hegegemeinschaften bei der Waldbewirtschaftung beraten können.

"Dass der Jäger mit Dackel und Büchse den ganzen Tag im Wald sitzt, ist längst vorbei", beschreibt Revierjagdmeister Paul Stelmach den Wandel des Berufsbildes. Mittlerweile seien die Aufgaben "so vielfältig wie die Natur", ergänzt Jürgen Donhauser, Geschäftsführer bei Forst Eibenstein. Die gewachsenen Nutzungsansprüche an die Natur durch Freizeit-, Land- und Forstwirtschaft sowie Naturschutz erfordern auch vom Berufsjäger immer modernere Fähigkeiten. Das reicht von der Erfassung der Wildbestände per Drohne bis hin zum Auslesen eines "Audiomoth", das ist ein Aufnahmegerät für Vogelstimmen. "Ein Berufsjäger muss mit Computer und Drohne umgehen können, eine digitale Revierkarte lesen, aber auch einen Holzpflock für eine Salzlecke für Rehe aufstellen können", beschreibt Donhauser.

Der "Erhalt eines angepassten und gesunden Wildbestandes" steht ebenfalls im Berufsbild der Jäger. Wenn ein Tier geschossen werden muss, soll es "schmerzfrei, schnell und so erlegt werden, dass es gut zu verwerten ist", erklärt Jürgen Donhauser. Im Betrieb in Gütenland würden die geschossenen Tiere zu nahezu 100 Prozent verwertet. Diesbezüglich spielen auch Fragen der Wildbret-Hygiene bei der Jäger-Ausbildung eine Rolle.

"Auf einem Weg zurück zur Natur ist Revierjäger ein extrem wichtiger Beruf."

Jürgen Donhauser, Geschäftsführer bei Forst Eibenstein

Jürgen Donhauser, Geschäftsführer bei Forst Eibenstein

"Die meisten Jäger in Bayern sind als Naturschutzwächter ausgebildet", heißt es auf der Homepage des Ministeriums. "Auf einem Weg zurück zur Natur ist Revierjäger ein extrem wichtiger Beruf", verdeutlicht Jürgen Donhauser. Land- und forstwirtschaftliche Ziele würden umgesetzt und damit werde ein wichtiger Beitrag zur natürlichen Waldverjüngung geleistet. Darüber hinaus seien Revierjäger durch ihre Ausbildung in der Lage, Wildkrankheiten und -seuchen zu erkennen und können Gegenmaßnahmen einleiten.

Jürgen Donhauser jedenfalls sieht den Revierjäger als Beruf mit Perspektiven und Zukunftspotential. So ist die Weiterbildung zum Revierjagdmeister (nach drei Jahren als Geselle), eine Ausbildung zum geprüften Natur- und Landschaftspfleger, als Techniker im Bereich Umweltschutz oder ein Hochschulstudium im Bereich Forstwirtschaft oder -wissenschaft möglich. Die Azubis in Gütenland könnten mit einer weiteren Anstellung rechnen: "Wir bilden schon für den eigenen Bedarf aus", verdeutlicht Donhauser. In Zukunft sei geplant, den Bereich des Natur- und Jagdtourismus auszubauen und verstärkt Seminare für Natur- und Tierinteressierte anzubieten. Auch bei letzterem gehe es laut Donhauser darum, "ein Bewusstsein für das neue Bild der Jagd zu wecken".

Die beiden angehenden Revierjäger in Gütenland haben zuletzt ein Monitoring zur Erfassung der Vogelbestände auf den Biotop-Flächen im Revier vorgenommen. Mitte April steht für sie der nächste Lern-Block an der Berufsschule in Traunstein an. Pro Ausbildungsjahr absolvieren sie insgesamt zehn Wochen Unterricht – in Intervallen von zwei mal zwei Wochen und zwei mal drei Wochen. Doch wegen der Corona-Pandemie ist auch für die angehenden Berufsjäger mittlerweile Online-Unterricht angesagt.

Mit ihrer gewählten Ausbildung sind die beiden jungen Männer jedenfalls zufrieden. "Ich glaub' schon, dass das der richtige Beruf für mich ist", sagt Peter Schneebichler, und Louis Ehrhardt sieht es ähnlich. Ob sie auch den Weg zum Revierjagdmeister weitergehen wollen, steht für sie noch nicht endgültig fest. Louis Ehrhardt möchte "erst einmal eine saubere Gesellenprüfung ablegen" und dann weiterschauen, während Peter Schneebichler sich schon vorstellen könnte, diesen nächsten Schritt zu machen.

Hintergrund:

Auf dem Weg zum Revierjäger

  • Inhalte der Ausbildung: Jagd- und Reviermanagement, Waldbewirtschaftung, Wildverwertung, Naturschutz, Ökologie, Waffenkunde, Jagdwaffen und Jagdgeräte, fachbezogene Rechtskunde, Halten und Führen von Jagdhunden, Öffentlichkeitsarbeit, Wild- und Naturpädagogik
  • Weiteres Fachwissen: Überbetriebliche Maßnahmen ergänzen die Ausbildung in Betrieb und Berufsschule. So stehen beispielsweise mehrtägige Schulungen am Forstlichen Bildungszentrum Laubau bei Ruhpolding oder Veranstaltungen in einem der beiden bayerischen Nationalparke im Kalender.
  • Prüfungen: Nach der Hälfte der Ausbildungzeit steht eine Zwischenprüfung an. Die Ausbildung endet mit der Abschlussprüfung zum Revierjäger. Die praktischen Fähigkeiten müssen vor einem Prüfungsausschuss unter Beweis gestellt werden, eine schriftliche Prüfung findet an der Berufsschule in Traunstein statt.
  • Gesellenbrief: Ein solches Dokument erhalten die Revierjäger nach erfolgreicher Abschlussprüfung.
  • Verdienst: Laut Auskunft von Forst Eibenstein zwischen 1000 und 1250 Euro. Die Auszubildenden in Gütenland bekommen ein Dienstfahrzeug und eine Dienstwohnung gestellt.
  • Praktika: Für Interessenten am Beruf des Revierjägers bietet Forst Eibenstein die Möglichkeit eines Schnupper-Praktikums an. Infos per Mail unter betrieb[at]forst-eibenstein[dot]eu oder unter Telefon 09672/926463.

Infos über die Revierjäger-Ausbildung auf der Homepage des Ministeriums

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