29.10.2021 - 18:21 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Der Eixendorfer Stausee "schrumpft": Pilotprojekt gegen die Algenblüte

Eine Kirchturmspitze wie im Reschensee ist nicht freigegeben worden. "Dafür ein Samsung-Handy", erzählt Projektleiter Manuel Schlegel lachend. Um fünf Meter ist der Eixendorfer Stausee jetzt abgesenkt. Die neue Kulisse ist spektakulär.

Das Schild zeigt das alte Eixendorf. Auch die Teerstraße, die hineinführte, wurde durch die Wasserabsenkung freigegeben. Der Baumstumpf neben dem Schild ist auf dem Bild noch in voller Blüte zu sehen.
von Claudia Völkl Kontakt Profil

An seiner tiefsten Stelle ist der See von zwölf auf sieben Meter abgesenkt. Auf freigelegten Flächen ist manch alter Fundament-Umriss erkennbar. Immerhin ist die Wasserfläche seit 13. September von 100 auf 52 Hektar "geschrumpft". Manuel Schlegel, Abteilungsleiter für den Landkreis Schwandorf beim Wasserwirtschaftssamt Weiden, hat die Projektleitung für den Eixendorfer Stausee inne: Baumaßnahmen stehen an und die Blaualgenblüte soll eingedämmt werden.

War vor fünf Jahren eine Überprüfung der Bauwerke der Grund für eine Absenkung, so sind es jetzt zwei richtungsweisende Projekte: Zum einen soll der Einlaufstollen im Absperrdamm des Sees um sechs Meter nach oben verlängert werden. Ziel ist es, künftig die Revisionsverschlüsse, die am Einlaufbauwerk gelagert sind, auch ohne ein Absenken des Wasserspiegels setzen zu können.

Bau eines Entnahmeturms

Doch das ist nicht alles: Es entsteht auch ein sogenannter Entnahmeturm, um aus höheren Seeschichten Wasser abzuleiten. Physikalisch soll eine Temperaturschichtung wie in einem natürlichen See erreicht werden. Folglich bleiben die Nährstoffe am Boden. Gänzlich wird dadurch das Algenwachstum – bedingt durch Licht und Wärme an der Oberfläche –zwar nicht verschwinden, doch für Schlegel ist es ein vielversprechender Ansatz, um sozusagen durch das Einkapseln der Nährstoffe am Seegrund eine Reduzierung zu erreichen. Für Schlegel ist das aber nur ein Baustein gegen die Blaualgenblüte. Das Ganze müsse einhergehen mit einer Reduzierung des durch die Landwirtschaft bedingten Boden- und Nährstoffabtrags, der in den See gelangt. Ein Thema, dass in die nächsten Jahre und Jahrzehnte reichen wird. Alternative Düngemethoden, Nachrüstung von Kläranlagen und Phophatfällanlagen sind hier die Schlagworte.

Das Ganze ist ein bayernweites Pilotprojekt, betont Manuel Schlegel.Wie wird der See reagieren? Hilfreiche Unterstützung kommt laut Schlegel von der sächsischen Landestalsperrenverwaltung in Bautzen. Hier ist es gelungen, die Blaualgen zu reduzieren. Zwar nicht "blütenrein", aber immerhin konnte der Zeitpunkt der Algenblüte durch entsprechendes Gewässermanagement nach hinten gerückt werden, also von Juni/Juli auf August/September. Das sei dem Tourismus, der Erholungs- und Sozialfunktion des Gewässers entgegen gekommen.

Die aktuellen Maßnahmen am Eixendorfer Stausee sind natürlich mit naturschutzfachlichen Auflagen verbunden, so Manuel Schlegel. So wurde auf die Große Teichmuschel und die Malermuschel Rücksicht genommen. Wochenlang waren ein Bergungsteam der TU München und der Fischereiverein damit beschäftigt, die Muscheln einzusammeln und sie in den Vorspeicher, die alte Wutzschleife und zwei angepachtete Fischweiher umzusetzen. Insgesamt wurden 50 000 Stück gezählt.

Apropos herausholen: Teilweise sind alte Fundamente zu sehen, die Ortskundige noch zuordnen können, Baumstümpfe, die Reste der Teerstraße ins einstige Dorf. Ansonsten ist viel Unrat entdeckt worden, berichtet Manuel Schlegel. "Und ein Handy, das sein Eigentümer bestimmt schmerzlich vermisst hat".

Fünf-Millionen-Investition

Rund fünf Millionen Euro investiert der Freistaat Bayern in das Gesamtprojekt, das Ende 2018 angelaufen ist. Die Entscheidungen fielen dann im Juli letzten Jahres, jetzt startet die Baumaßnahme. Schlegel bezeichnet den Zeitplan als sportlich: Manche bräuchten länger, um ein Einfamilienhaus zu planen, meint der Projektleiter mit Blick auf die vielen beteiligen Fachstellen und das Neuland, das hier betreten wird. Was das Temperaturverhalten im See anbelangt, steht man im engen Kontakt mit dem Umweltforschungszentrum Magdeburg.

Die Vorbereitung der Baumaßnahmen soll noch heuer anlaufen. Dann geht es Mitte Februar weiter. Im Frühjahr 2023 will man fertig sein. Das Ende der Maßnahme ist im Frühjahr 2023 anvisiert. Baden und angeln sind auch im abgesenkten See, der vor 45 Jahren zwischen Neunburg und Rötz angestaut wurde, möglich. Und die neue Optik hat auch seinen Reiz, wie die vielen Ausflügler zeigen.

"Die Planung von manchem Einfamilienhaus dauert länger."

Manuel Schlegel, Wasserwirtschaftsamt Weiden

Manuel Schlegel, Wasserwirtschaftsamt Weiden

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.