13.12.2019 - 19:49 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Mit Entnahmeturm Blaualgen bekämpfen

Beim vierten "Runden Tisch" zur Stausee-Problematik wird nicht nur das Sanierungskonzept präsentiert: Das Umweltministerium stellt sechs Millionen Euro für wasserwirtschaftliche Maßnahmen bereit.

Der Runde Tisch “Eixendorfer See” tagte im Panoramahotel.
von Claudia Völkl Kontakt Profil

Drei Handlungspakete wurden vorgestellt. Das erste umfasst kurzfristig realisierbare Maßnahmen. Das Umweltministerium schlägt darin vor, im Rahmen des bis 2022 geplanten Umbaus des Grundablasses einen Turm zu bauen, der für den Betrieb einer höhenvariablen Entnahme aus dem See vorbereitet wird.

Phosporzufuhr senken

Das Bayerische Umweltministerium und Fachleute hatten sich intensiv mit der Frage auseinandergesetzt, ob sich eine Entnahme aus höheren Seeschichten auch beim Eixendorfer See positiv auf die Blaualgenbekämpfung auswirken könnte. Die Experten sehen den Nutzen derzeit als nicht gegeben. Laut Bewertung des Helmholtz-Zentrums würde sich wegen der deutlich zu hohen Nährstoffzufuhr in den See aus dem rund 400 Quadratkilometer großen Einzugsgebiet keine merkliche Reduzierung der Blaualgenblüten bewirken lassen. Vorweg müssten Hausaufgaben im Einzugsgebiet gemacht und die Phosphorzufuhr in den See deutlich reduziert werden.

Gefahr von Fischsterben

Ein Betrieb im Sommerhalbjahr nach "Bautzener Modell" mit Seewasserableitung knapp unter der Wasseroberfläche verändert zudem die Nährstoff- und Sauerstoffsituation. Bei damit einhergehender, zunehmender Sauerstoffarmut in tieferen Seeschichten besteht mitunter die latente Gefahr von Fischsterben, warnte Uwe Kleber-Lerchbaumer, Referent für Talsperren im Bayerischen Umweltministerium.

Höhenvariable Entnahme

Bei den anstehenden Umbauarbeiten wird hingegen der neu zu errichtende Grundablassturm baulich gleich so als Entnahmeturm ausgestaltet, dass er für den Betrieb einer künftigen höhenvariablen Entnahme vorbereitet ist. Der Neunburger Stadtrat hatte zum Thema Entnahmeturm im Vorfeld auch eine Resolution an Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder gerichtet.

Ein weiterer Punkt des kurzfristigen Maßnahmenpaketes umfasst die dynamische Bewirtschaftung des Stausees. Die Fischerei plädiert für einen ganzjährigen Höherstau zur Optimierung der Laichmöglichkeiten für den Hecht, da ein höheres Raubfischaufkommen die Weißfischbestände reguliert. Dieser Höherstau würde sich auch auf den Bootsportbetrieb positiv auswirken.

Entlandung prüfen

Ebenfalls als kurzfristige Maßnahme soll die Entlandung der Vorsperre geprüft werden. Davon versprechen sich die Fachleute, dass weniger Sedimente in den Eixendorfer See eingeschwemmt werden.

Als letzter kurzfristiger Eingriff wurde die Fortsetzung der sogenannten Biomanipulation im See vorgeschlagen. Ziel ist es weiterhin, pro Jahr drei Tonnen Weißfische aus dem See zu entnehmen und die Population an Raubfischen zu erhöhen, um die Algen zu reduzieren.

Im zweiten, mittel- und langfristigen Maßnahmenpaket schlägt das Umweltministerium vor, die Nachrüstung von Kläranlagen im Einzugsgebiet des Sees fortzusetzen, um bis spätestens 2027 eine Reduzierung des Phosphoreintrags um 30 Prozent zu erzielen.

Die Landwirtschaftsbehörden haben mit dem Großteil der Landwirte im direkten Seeumfeld Einzelgespräche geführt und mit ihnen erosionsmindernde Maßnahmen auf Äckern umgesetzt. Auch reduzierte Bodenbearbeitungsmöglichkeiten werden aufgezeigt. Die Reduzierung von Einträgen aus Dünge- und Pflanzenschutzmittel sind im Maßnahmenkatalog ebenfalls thematisiert.

Zweckverband gründen

Als drittes Maßnahmenpaket wurde flankierend die Gründung eines kommunalen Zweckverbandes zur Koordinierung der öffentlichen Freizeit- und Erholungseinrichtungen nach dem Vorbild des Altmühlsees vorgeschlagen. Der Freistaat Bayern würde hierfür die für öffentlich zugängliche Freizeit- und Erholungsflächen benötigten Flächen unentgeltlich zur Verfügung stellen, wenn sich dies mit der wasserwirtschaftlichen Funktion vereinbaren lasse, kündigte Uwe Kleber-Lerchbaumer an. Darüber hinaus wurde eine Seenkonferenz angeregt, die sich am Beispiel des Eixendorfer Sees mit der Blaualgenproblematik befassen solle. Der Eixendorfer See könne dann als Blaupause für ähnlich gelagerte Fälle in Bayern dienen, so die Idee des Umweltministeriums.

Bürgermeister Martin Birner bedankte sich: So viel, wie in den letzten zwei Jahren vorangegangen sei, sei in den letzten 40 Jahren nicht passiert. Darüber hinaus kündigte Birner an, dass die Stadt Neunburg vorm Wald in den nächsten vier Jahren rund zwölf Millionen in die Nachrüstung seiner Kläranlagen investieren werde.

Als Seenkonferenz

Horst Schmid, Bereichsleiter für Umwelt an der Regierung der Oberpfalz, der in Vertretung von Regierungspräsident Axel Bartelt den Runden Tisch geleitet hatte, war erfreut über den konstruktiven Austausch. Das nächste Treffen ist im ersten Halbjahr 2020 geplant, dann als Seenkonferenz.

Uwe Kleber-Lerchbaumer informiert die Teilnehmer über die Entnahmemöglichkeiten aus dem See.
Was bisher geschehen ist:

Seit dem letzten Runden Tisch im August 2019 ist einiges passiert:

Röhrichtinseln: Das Wasserwirtschaftsamt Weiden hat zwei schwimmende Röhrichtinseln im See installiert, um zu testen, wie diese künstlich angelegten Flächen den Cyanobakterien (Blaualgen) die Nährstoffe entziehen.

Badebucht: Eine vom Hauptsee abgetrennte, kleine Badebucht wurde auf die Wasserqualität hin untersucht. Der Badebereich wird durch einen Seitenbach gespeist. Stichprobenartige Messungen haben ergeben, dass die mittlere Phosphorkonzentration in diesem Bach höher ist, als im Stausee selbst. Das Wasserwirtschaftsamt befürchtet deshalb in einer abgetrennten Badebucht eine schlechtere Wasserqualität als im Hauptsee. Weitere Untersuchungen sollen klären, woher die erhöhte Phosphatbelastung kommt.

Info:

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger kommentiert das jüngste Ergebnis des Runden Tisches zum Eixendorfer Stausee: „Der Eixendorfer Stausee steht auch für die Naherholung in der Region. Deshalb begrüße ich es sehr, dass im nun vereinbarten Maßnahmenpaket zur Blaualgenbekämpfung der von mir seit langem mit Nachdruck geforderte Entnahmeturm enthalten ist. Dieses Instrument kann einen Austausch des Wassers im See bewirken und damit das Wachstum der Blaualgen eindämmen. Wir müssen alle Maßnahmen ergreifen, die zu diesem Ziel führen.“

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