Neunburg vorm Wald
01.02.2024 - 16:29 Uhr
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Nach Aus in ESC-Show: Sänger "Apollson" aus Neunburg veröffentlicht Album

In der Show "Ich will zum ESC!", die aktuell in der ARD-Mediathek zu sehen ist, hat es Bruno Dettmann nicht in die nächste Runde geschafft. Seinen Weg in der Musik geht der 22-Jährige trotzdem weiter – bald erscheint sein erstes Album.

Der Neunburger Sänger Bruno Dettmann alias "Apollson" will mit seiner Musik auf psychische Krankheiten aufmerksam machen – er selbst hat Erfahrung mit Depressionen. Vor Kurzem war er in der Casting-Show "Ich will zum ESC!" mit Rea Garvey und Conchita Wurst zu sehen. Den musikalischen Grundstein legte er schon in der Schule, am Ortenburg-Gymnasium in Oberviechtach.

Für ein Weiterkommen in der Show "Ich will zum ESC!" hat es dann nicht gereicht. Um überhaupt dabei zu sein, musste sich Bruno Dettmann aber immerhin schon gegen 750 andere Bewerber durchsetzen, die ebenso einen der 15 Plätze in der Show wollten. Der Gewinner bekommt einen Platz im deutschen Vorentscheid des Eurovision Song Contest. Ob der ESC für Bruno Dettmann die richtige Bühne ist, bezweifelt Rea Garvey – ist sich aber auch sicher: "Wir sehen uns wieder." Er und Conchita Wurst waren sich einig, dass Dettmann auf dem richtigen Weg ist.

Album im März

Als die Show vergangenen Herbst aufgezeichnet wurde, kam Bruno Dettmann gerade von seiner Tournee zurück – unter anderem war er als Pre-Act für den Büchelkühner Musiker "Tream" unterwegs und auch auf einer eigenständigen Tour, für die "Apollson" unter anderem in Hamburg und Berlin war. Tatsächlich sei das Singen vor zwei Juroren aber fast schwieriger als vor 2000 Konzertgästen. "Grade wenn es auch Rea Garvey und Conchita sind", sagt Dettmann im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Heute sagt er über das Aus in der Show: "Das hat schon auch gesessen am Anfang." Im Nachhinein war es für ihn aber wichtig, dabei gewesen zu sein. Und mit der Kritik, die ihm die Profis bei "Ich will zum ESC!" mit auf den Weg gegeben haben, konnte er arbeiten. "Das soll es nicht gewesen sein", hat sich Bruno Dettmann gedacht – und deshalb gibt es bald Neues von ihm. Das Album "Tanz auf dem Vulkan" erscheint am 29. März. "Das ist für mich jetzt ein großer Meilenstein."

Mit Musik hat sich Bruno Dettmann eigentlich schon immer beschäftigt. An der Musikschule in Neunburg nimmt er Gesangsstunden, lernt Klavier. Am Ortenburg-Gymnasium in Oberviechtach singt er in der Big Band. "Das war sehr wichtig für mich", erzählt er. "Dieses Grundgestell für die Musik hat sich damals geformt."

Diagnose Depression mit 18

Als er in der elften Klasse ist, stellt Bruno Dettmann aber fest, dass es ihm nicht gut geht. Einen konkreten Auslöser dafür kann er bis heute nicht benennen. "Ich habe mich mit der Realität konfrontiert gefühlt, Abi, Studium, ich war noch nicht so weit, zu wählen." Er hat Schlafstörungen, mit 18 Jahren dann der "Crash", wie er es selbst beschreibt. Dettmann kommt in die Medbo-Klinik in Regensburg, Diagnose Depression. Aus dieser Zeit stammt sein bisher erfolgreichstes Lied "Sterne fallen". Sein Therapeut rät Bruno Dettmann damals, zu schreiben. Und aus dem Manuskript wird später der Song. Rund 650.000 Mal wurde er bisher auf Spotify gestreamt. "Es ist ganz normal, dass es einem mal nicht so gut geht", findet Dettmann. "Ich will das normalisieren." Wenn seine Hörer ihm deshalb Nachrichten schreiben, dass seine Musik ihnen hilft oder sie berührt, freut Bruno Dettmann das besonders. "Die Leute kapieren, wenn was echt ist. Das lässt mein Herz aufgehen."

Nachdem er das Krankenhaus verlässt, wiederholt Bruno Dettmann die elfte Klasse, macht sein Abitur – und zieht dann wieder nach Regensburg. Auf dem Dorf habe er wegen seines Klinikaufenthalts mit Vorurteilen zu kämpfen gehabt, erzählt er. Außerdem hat er inzwischen andere Musiker kennengelernt, die ihn rausziehen "in die Welt". Während Bruno Dettmann schon vorher zum Beispiel Klaviervideos auf Instagram hochlädt, wird das Musikprojekt "Apollson" dann so richtig in Regensburg geformt.

"Apollson" kein Ein-Mann-Projekt

Wichtig ist Bruno Dettmann zu betonen, dass er hinter dem Musikprojekt "Apollson" nicht alleine steht. Er hat viele Musikerfreunde, die im Hintergrund daran mitarbeiten. "Ich bin eigentlich nur das Gesicht." Die Musik von "Apollson" beschreibt er als "Dark Pop". "Das ist ein bisschen das, was zum Beispiel Billie Eilish macht. In Deutschland ist das noch nicht so angekommen." Viele Hörer hat "Apollson" daher eher in Berlin und anderen Großstädten, die für neue Trends und auch das Thema psychische Krankheiten offener sind.

Seit seinem Auftritt bei der ESC-Show und dem darauffolgenden Medienecho hat "Apollson" aber auch in der Region mehr Aufmerksamkeit erhalten. Auch Plattenlabels sind seitdem auf ihn zugekommen – noch ist Bruno Dettmann aber nicht bereit, bei einem zu unterschreiben, sondern möchte das Musikprojekt noch selbstständig weiterentwickeln. Dass das Musik-Business kein leichtes ist und der große Erfolg vielen verwehrt bleibt, ist ihm klar. Deshalb ist er vor allem auch seinen Eltern dankbar. "Für Eltern ist es sicher nicht einfach, wenn die Kinder sagen, sie wollen Musik machen." Bei ihm habe es erst einmal schon auch ein "Kopf an Kopf" gegeben, erinnert er sich. "Es gibt nichts Größeres, als wenn man die Familie auf seiner Seite hat. Das verleiht einem Flügel."

Hintergrund:

"Apollson"

  • Album: "Tanz auf dem Vulkan", erscheint am 29. März
  • Genre: "Dark Pop"
  • Bekanntester Song: "Sterne fallen", rund 650.000 Streams
  • Erfolg: mehr als 30.000 regelmäßige Hörer auf Spotify
  • Zu hören: u.a. bei Spotify, Deezer und anderen Streaming-Diensten
  • "Ich will zum ESC!": zu sehen in der ARD-Mediathek, Finalshow am Donnerstag, 8. Februar, live im NDR
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