21.05.2019 - 11:10 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

"Wir sind das Gegenmodell"

Mit Claudia Roth war binnen kurzem bereits die zweite grüne Spitzenpolitikerin im Landkreis. Der Partei liegt der Europawahlkampf sehr am Herzen. "Eine Richtungswahl", versichert Roth.

Die Grünen-Spitzenpolitikerin Claudia Roth, die selbst mehrere Jahre Abgeordnete im Europaparlament war, sprach auf Einladung der Grünen-Kreisverbandes in Neunburg vorm Wald.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Claudia Roth (64), die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags, hat sich schon öfter im Raum Schwandorf aufgehalten - zum ersten Mal 1986 beim großen "Anti-WAAhnsinns-Festival" in Burglengenfeld. "Damals spielten Ton, Steine, Scherben und die Toten Hosen", schwärmte sie bei ihrer Visite in Neunburg.

In der Pfalzgrafenstadt hatten sich im Saal des Gasthauses Sporrer um die 40 Interessierte eingefunden, unter ihnen einige Neumitglieder der Grünen. Moderiert wurde die Veranstaltung von den Kreisvorständen Elisabeth Bauer und Rudi Sommer.

In ihrer Ansprache erinnerte Roth daran, dass sie selbst bereits Abgeordnete im Europaparlament war, und zwar von 1989 bis 1998, wobei sie ab 1994 als Vorsitzende der Grünen-Fraktion amtierte. So liegen ihr Europa, sein Parlament und die Wahl am Sonntag besonders am Herzen. Auch, um Gefahren abzuwehren: "Wir leben in einer Welt mit großen Instabilitäten, in der es wieder Demokratie-Verächter und Rechtsstaatsfeinde gibt", bedauerte sie.

Über 70 Jahre in Frieden

Dass Deutschland als "Exportweltmeister" niemals seine Stellung ohne die Europäische Union erreicht hätte und dass viele Infrastrukturmaßnahmen in Deutschland von der EU bezuschusst wurden, warf die Politikerin nur am Rande ein. Wichtiger war ihr der Hinweis, "dass wir nun schon über 70 Jahre in Frieden leben können". Auch das sei ohne den europäischen Einigungsprozess nicht möglich gewesen. "Das ist ein unglaubliches Geschenk und überhaupt nicht selbstverständlich", schrieb sie jenen ins Stammbuch, die wieder auf die nationale Karte setzen.

Überhaupt Nation: "In der modernen Welt kann nur ein geeintes Europa auf Augenhöhe mit USA, Russland und China handeln." Wer hier als Nationalstaat antrete, habe schlechte Voraussetzungen. Dass inzwischen auch die Populisten wieder von ihren "D-Exit"-Ideen abrücken, habe auch mit dem Chaos in Großbritannien zu tun. "Im übrigen wäre ein Austritt aus der EU für uns eine wirtschaftliche Katastrophe." Nur die europäischen Rechtsextremisten hätten kein Interesse an einem geeinten Kontinent. "Mir wird da Angst und Bange", versicherte sie und empfahl die Grünen als "Gegenmodell", das für die Vielfalt der Gesellschaft eintrete.

Trotz ihres Lobliedes auf die Freiheiten, die Europa biete vergaß Roth nicht, auf anstehende Probleme hinzuweisen, von der Stärkung des Einflusses des Europaparlaments bis hin zu allfälligen Korrekturen in der Klimapolitik, auch von Deutschland. "Sonst wird es Millionen Klimamigranten geben", warnte sie.

Große Demo in München

Begeistert zeigte sich Roth von der großen Demonstration vor wenigen Tagen in München. Die stand am vergangenen Sonntag unter dem Motto "Laut, bunt und friedlich - für ein besseres Europa". Neben den "unfassbar vielen Leuten", die sich daran beteiligt hätten, hat die Politikerin auch "viele Ordensschwestern" gesehen. "Das macht mir Mut", freute sie sich.

Die Erinnerung an die Demo mündete ein in einen leidenschaftlichen Appell, am nächsten Sonntag zur Wahl zu gehen "für ein buntes und progressives Europa der Freiheit, der Gleichberechtigung und der Menschenrechte".

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