08.06.2018 - 14:43 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Grünes Licht für Rathaus-Ausbau

Der Ausbruch aus der Enge der Verwaltung rückt näher: Mit 17:2 Stimmen genehmigt der Stadtrat den Bauentwurf für die Erweiterung des Rathauses. Der Platzbedarf ist unstrittig, doch vereinzelt wird der Plan als "zu großzügig" empfunden.

Diese Visualisierung zeigt, wie der neue Verwaltungstrakt des Neunburger Rathauses auf Basis des Bauentwurfs aussehen soll. Geplant ist er an der Stelle des "Altmann-Hauses" Im Berg. Der Neubau soll mit dem bisherigen Rathaus verbunden werden.
von Philipp Mardanow Kontakt Profil

(mp) Dass es im historischen Rathaus eng zugeht, ist bekannt. In dem aus dem Spätmittelalter stammenden Gebäude seien die Bedindungen für Mitarbeiter und Kunden "teilweise sehr schwierig", hatte es Bürgermeister Martin Birner vor einiger Zeit formuliert. Für den Weg zu einer modernen und zeitgemäßen Stadtverwaltung, lag den Stadträten am Donnerstag der Entwurf des Architekturbüros Steidl für einen Neubau zur Rathaus-Erweiterung vor.

Historie und Moderne vereinen

Wie der Bürgermeister skizzierte, soll darin vor allem Platz für ein großzügiges Foyer, Trauzimmer/Besprechungsraum, neue Büros für Bürgermeister, Hauptverwaltung und Bauamt sein. In letzterem könnten die vier Mitarbeiter aktuell "nicht mal Baupläne gscheit ausbreiten". Eine große Rolle spiele die Barrierefreiheit, ein modernes Informations- und Wegeleitsystem stehe ebenfalls auf der Agenda - auch für das "alte" Rathaus. Die Kombination aus Bestand und Neubau soll das historische Erbe wahren - unter anderem werde der Stadtrat weiter im historischen Sitzungssaal tagen - und gleichzeitig ein modernes Verwaltungsgebäude sein.

Architekt Johannes Steidl erläuterte die Grundzüge der Planung (siehe Info-Element). Als markantes Merkmal des Neubaus, der Im Berg anstelle des "Altmann-Hauses" (Kunstquartier) errichtet werden soll, stach eine teils gläserne Fassade im Innenhof heraus, die Licht ins Foyer und auf eine Galerie bringen soll. Der Neubau werde dreistöckig errichtet und passe sich mit der Dachform den umliegenden Gebäuden an, führte der Planer aus. Der Eingang sei ebenerdig, am Altbau solle ein Zugang direkt vom Schrannenplatz geschaffen werden. Beide Trakte sollen baulich verbunden werden, am "Gelenkpunkt" von Alt- und Neubau sei ein Aufzug vorgesehen.

Als "überdimensioniert und am Bedarf vorbei" wertete Walter Drexler (FW) die vorgesehenen rund 1200 Quadratmeter Gesamtfläche im Neubau. "Gut Luft" für die Verwaltung schaffen ließe sich auch mit drei bis fünf neuen Räumen. Sein Fraktionskollege Martin Scharf fragte wegen der Kosten nach, laut Verwaltungsleiter Peter Hartl seien im Haushalt 3,3 Millionen Euro - auf Basis einer Grobschätzung - für den eingeplant. Walter Drexler meinte, "dass wir da nicht unter vier Millionen Euro rausgehen werden".

Der Bürgermeister sah die Planung als "nicht übertrieben", und auch Verwaltungsleiter verteidigte die repräsentativen Flächen als "nicht überdimensioniert" und sah "keinen Luxus durch zusätzliche Büros". Diskutieren könne man noch darüber, inwieweit der Altbau barrierefrei werden müsse - ohne Aufzug könnten etwa 200 000 Euro eingespart werden.


Verantwortung für Mitarbeiter

Eine dringende Notwendigkeit zur Erweiterung sah Zweite Bürgermeister Margit Reichl (CSU) und sprach von "untragbaren Zuständen im Rathaus". Hier müsse etwas passieren, schließlich habe man auch eine Verantwortung für die Mitarbeiter. Keinen Zweifel an der Erweiterung hegte Margot Weber (SPD), die auch den repräsentativen Zweck des Rathauses für die Stadt unterstrich. Dass die Verwaltung mehr Platz benötigt, war auch für Martin Scharf (FW) unstrittig, doch sah er den Entwurf "zu großzügig geplant". Er erneuerte seinen Vorschlag, das Projekt auf 2,5 Millionen Euro zu deckeln - "Foyer und Trauzimmer gingen auch kleiner."

"Zum Schämen" empfand Klaus Zeiser (CSU) den aktuellen Zustand des Rathauses. Die Erweiterung sei kein überzogenes Vorhaben, als zentrale Örtlichkeit dürfe auch eine entsprechende städtebauliche Qualität nicht fehlen. Er war überzeugt, dass die Stadtfinanzen dieses Projekt "allemal vertragen".

Gegen die Stimmen von Drexler und Scharf genehmigte das Gremium schließlich den Rathaus-Anbau und gab gleich noch grünes Licht für das Bauvorhaben selbst. Für die Detailplanung wird ein baubegleitendes Gremium ins Leben gerufen, dem der Bürgermeister und Vertreter der Ratsfraktionen angehören, und das in Absprache mit Architekten und Fachplanern weitere Weichen stellt. Ein erster grober Zeitplan, der den Sitzungsunterlagen beilag, sieht vor, dass im Dezember das Altmann-Haus abgebrochen und die Bauleistungen ausgeschrieben werden. Bis Ende 2019 soll der Erweiterungsbau stehen, 2020 könnte dann das alte Rathaus modernisiert werden.

Architekt Johannes Steidl erläuterte den Stadträten und der Rathausführung mit Bürgermeister Martin Birner und Verwaltungsleiter Peter Hartl die Neubau-Pläne
Info:

Geplante Raumeinteilung

Im Neubau

Erdgeschoss: Trauzimmer, Standesamt, Einwohnermeldeamt, Bürgerhilfe, Foyer, zusätzliches Büro, sanitäre Anlagen, Teeküche. Erster Stock: Vorzimmer, Büro für Bürgermeister, Büro Geschäftsleistung, Galerie, Poststelle, Besprechungszimmer, sanitäre Anlagen, zusätzliches Büro. Zweiter Stock: Bauamtsleitung, Bauamt, Büro für Bauamtsassistenz, Besprechungszimmer, Registratur, Archiv, zusätzliches Büro, sanitäre Anlagen, Technikraum.

Im Altbau

Erdgeschoss: Bürgerbüro, Stadtmarketing, Registratur Ordnungsamt. Erster Stock: Sitzungssaal, Kämmerei, Stadtkasse, Buchhaltung, Serverraum, Personalabteilung/EDV, Teeküche. Zweiter Stock: Räume für Stadtarchiv, Sozialraum, sanitäre Anlagen, Küche, EDV-Raum.


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